Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 12.05.2008
Amato, M. L., R. J.
Brooks & J. A.
Fu (2007): A phylogeographic analysis of
populations of the wood turtle (Glyptemys insculpta) throughout its
range – Molecular Ecology 17 (2): 570-581.
Eine phylogeographische Analyse der Populationen von
Waldbachschildkröten (Glyptemys insculpta)
über ihr Verbreitungsgebiet
Wir untersuchten die Phylogeographie der Waldbachschildkröte,
Glyptemys insculpta, in Nordamerika anhand von 750 bp der
mitochondrialen Kontrollregion an 117 Individuen, die aus 29 verschiedenen
Lokalitäten innerhalb des Verbreitungsgebiets stammten. Insgesamt wurden 21
Haplotypen identifiziert, und es ergab sich eine nur geringe genetische
Variation. Die höchsten Differenzen im paarweisen Vergleich lagen bei 2 %.
Die „Nested-Clade“-Analyse (NCA), zeigte nur eine postglaziale
Ausbreitungsroute, die entlang der Ostküste verlief und eine Verbreiterung
des besiedelten Areals nach Westen. NCA zeigte zudem einige Muster für
einen eingeschränkten Genfluss und die Verteilung. Wir vermuten, dass die
Waldbachschildkröten während des Pleistozäns von einem
Flaschenhalseffekt betroffen waren sowie unter einer selektiven Auslöschung
litten, was zu diesem niedrigen Variationsniveau führte. Nach dem
Pleistozän scheinen sich die Waldbachschildkröten aus einem
südlichen Rückzugsgebiet sehr rasch nach Norden ausgebreitet zu haben,
wobei sie den sich zurückziehenden Gletscherrändern folgten. Diese
Ergebnisse zeigen, in welche Richtung Erhaltungsmaßnahmen gehen sollten
und deuten an, dass ein potentieller Transfer zwischen den Populationen für
diese bedrohte Spezies wichtig ist.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Siehe auch Rosenbaum, P. A., J. M. Robertson & K.
R. Zamudio (2007): Unexpectedly low genetic divergences among populations
of the threatened bog turtle (Glyptemys muhlenbergii
). –
Conservation Genetics 8 (2): 331-342 oder
WiF-Archiv, die auf ein ähnliches Muster
für G. muhlenbergii
verweisen. Da das Pleistozän erst vor
etwa 11.500 Jahren endete, handelt es sich also um eine noch relativ junge
Wiederverbreitung. Was mir aber bei dieser Arbeit besonders auffällt ist
die Feststellung, wie wichtig der genetische Austausch zwischen den Populationen
zu sein scheint, um wenigstens ein Minimum an genetischer Variabilität zu
erhalten. Eine Aussage, die dem, was andernorts unter Artenschutz so praktiziert
wird, eher widerspricht.
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