Wissenschaft im Fokus
Anadon, J. D., A.
Gimenez, M.
Martinez, J. A.
Palazon & M. A.
Esteve (2007): Assessing changes in habitat quality
due to land use changes in the spur-thighed tortoise Testudo graeca
using hierarchical predictive habitat models. – Diversity and
Distributions 13 (3): 324-331.
Abschätzung der Veränderung der
Habitatqualität aufgrund von Landnutzungsveränderungen bei der
Maurischen Landschildkröte, Testudo graeca,
unter Nutzung von hierarchischen Vorhersagemodellen
In dieser Studie postulieren wir einen Modellaufbauversuch basierend auf der
hierarchischen Integration der wichtigsten Umweltfaktoren (Klima,
Topographie/Gesteinsformationen und Landnutzung), um damit die
Verbreitungsmuster für die Maurische Landschildkröte im Südwesten
Spaniens zu bestimmen (modellieren). Die Daten zum Vorkommen oder Fehlen der Art
basierten primär auf der Befragung von Hirten. Der hierarchische
Modellierungsansatz bestand aus drei Schritten. Zuerst konstruierten wir ein
Modell der gesamten Region unter Verwendung der Klimaunterschiede, wodurch wir
ein potentielles Klimamodell erhielten. In einem zweiten Schritt führten
wir die Topographie und die Bodenformationen, die in der klimatischen
Verbreitungszone vorliegen (Potentialmodell) ein. Drittens führten wir
unter Benutzung des zweiten Modells die Daten für die Unterschiede in der
Landnutzung ein, um das aktuelle Verbreitungsmodell zu erhalten.
Wir analysierten dann die Veränderungen der Wahrscheinlichkeitswerte
für das Vorhandensein der Art in einer gegeben Parzelle zwischen dem
Potential und dem aktuellen Modell, wobei wir Areale überprüften, in
denen die Habitatqualität abnahm, gleich blieb oder zunahm. Die
räumliche Repräsentation dieser Veränderungen war hoch
kohärent. Eine Diskriminationsanalyse zeigte den Zusammenhang zwischen der
Abnahme der Habitatqualität und landwirtschaftlich genutzter Landschaft,
während die Areale, in denen die Habitatqualität erhalten blieb oder
anstieg, mit Brach- bzw. Buschland übereinstimmten. Fünfundzwanzig
Prozent (479 km
2) des potentiellen Verbreitungsareals für die
Art wurde suboptimal, wenn wir die Landnutzung in das Modell einfügten, was
hervorhebt, wie wichtig die Veränderungen in der Landnutzung in Bezug auf
die Verbreitungsdynamik und für die Erhaltungsmaßnahmen für die
Maurische Landschildkröte in Südostspanien sind.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Dass die Landnutzung einen entscheidenden Faktor für die Verbreitung
von Schildkröten darstellt, sollte einleuchten, obwohl auch schon in
Langzeiterhebungen beobachtet wurde, dass die landwirtschaftliche Nutzung nicht
unbedingt die Populationen bedroht (siehe Hailey &
Willemsen (2003) oder SiF 1 (2) 2004).
Ob man zur Feststellung dieser Sachverhalte diese Modelle braucht, ist fraglich.
Sicher sind sie wohl nützlich, wenn man auf eine zeitsparende Art und Weise
Vorhersagen über die Auswirkungen geplanter Landschaftsveränderungen
abschätzen möchte. Allerdings bin ich seit diesem Jahr (2007) noch
mehr davon überzeugt, dass die meisten solcher Abschätzungen und
Gutachten zur Landschaftsplanung (Umweltverträglichkeitsgutachten) auch im
modernen Europa wertlos geworden sind, denn sie berücksichtigen in den
seltensten Fällen den Faktor Mensch und dabei insbesondere seine Gier.
Lassen Sie sich einmal Revue passieren, dass die meisten sommerlichen
Waldbrände in den mediterranen Mitgliedsstaaten der EU auf Brandstiftung im
Auftrag mafiöser Organisationen zur Baulandgewinnung zurück zu
führen sein sollen. Einige Reporter berichten sogar, dass sich das
Geschäft auch dann lohnt, wenn das Land nicht zu Bauland umgewidmet wird,
weil die EU allein an Italien 32 Millionen EURO zur Wiederaufforstung zahlt. Da
kann man sich schon fragen, ob das, was mit solchen Programmen modelliert wird,
das Papier wert ist, auf dem die Gutachten ausgedruckt werden würden. Wenn
Sie sich in den diversen Gazetten des Sommers 2007 einmal die
flächendeckende Verteilung der Brände rund ums Mittelmeer anschauen,
ja da kann man es doch fast als „Gute Tat“ ansehen, wenn sich jeder
Urlauber eine Schildkröte oder ein Chamäleon selbst im
Naturschutzgebiet einpackt, dem bleibt dann zumindest das
„EU-subventionierte Verbrandwerden“ erspart (Wie sich Feuer und
Habitatverluste auswirken können siehe
Hailey & Willemsen
(2003)). Wer gut damit züchtet, der kann vielleicht in einigen Jahren
durch Wiederansiedlungsmaßnahmen ähnliche EU-Zuwendungen
einstreichen, wie die Baumschulen, die heute schon aus der Wiederaufforstung
Profit schlagen. Man fragt sich wirklich, wo bleibt da die Politik? Aber
wahrscheinlich verdient auch die an den Geschäften mit?!
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