Wissenschaft im Fokus
Anadón, J. D., A. Giménez, R. Ballestar & I.
Pérez (2009): Evaluation of Local Ecological Knowledge as a Method for
Collecting Extensive Data on Animal Abundance. – Conservation Biology 23
(3): 617-625.
Evaluierung von Lokalem-Ökologischem-Wissen als eine
Methode zur Großerhebung von Daten über die Vorkommenshäufigkeit
von Tieren
Der Gebrauch von lokalem ökologischem Wissen (LEK) wurde häufig zur
Überwachung der Biodiversität und deren Management angepriesen. Bis
heute wird die Methode aber wenig zum Studium wild lebender Populationen
eingesetzt, insbesondere wenn es darum geht, quantitative
Vorkommenshäufigkeiten abzuschätzen. Wir evaluierten LEK in Bezug auf
den Gebrauch zur Erhebung extensiver Daten über die lokale Abundanz von
Tieren und zur Erfassung von Populationstrends. Wir interviewten Hirten im
südöstlichen Spanien und fragten sie, wie sie die lokale
Vorkommenshäufigkeit der terrestrischen Landschildkröte
Testudo
graeca einschätzen würden. Wir quantifizierten dann die
Unterschiede, die sich zwischen den Einschätzungen der Hirten ergaben, im
Vergleich zu jenen, die mit Standardfeldmethoden und Protokollen wie der
Linien-Transektmethode ermittelt wurden. Wir überprüften auch, ob sich
die beiden Methoden ergänzten. Es zeigte sich, dass LEK qualitative
hochwertige Daten zur Verteilung und der Häufigkeit von
T. graeca
zu einem vergleichsweise geringen Kostenaufwand lieferte. Die Interviews von den
Hirten ergaben Häufigkeitseinschätzungen, die eine viel
größer Fläche abdeckten, als mit der Linien-Transektmethode
erfasst werden konnten, wobei Letztere die betreffende Art nur dann erfasste,
wenn die Abundanzwerte in den oberen Zweidritteln der erfassten Bandbreite
lagen. Die Vorkommenshäufigkeiten, die mit beiden Methoden erfasst wurden,
standen in enger Beziehung zueinander. Eine Analyse der Konfidenz ergab, dass
LEK dazu benutzt werden kann, die mittlere lokale Abundanz abzuschätzen und
durchschnittliche Populationstrends zu erfassen. Eine Kostenanalyse ergab, dass
die Informationen, die mit der LEK-Methode erhoben wurden, 100 mal billiger
waren als jene, die mit der Linien-Transektmethode erarbeitet wurden. Unsere
Daten empfehlen den Gebrauch von LEK als eine Standardmethode zum Sammeln
quantitativer Daten zur Abundanz einer Vielzahl von Taxa – insbesondere
wenn die Populationsdichten niedrig sind und die traditionellen
Erfassungsmethoden zu teuer oder schwierig durchzuführen sind.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Dies ist ein interessanter Ansatz, der durchaus gute Daten liefern kann.
Allerdings darf man hier den „Faktor Mensch“ nicht aus den Augen
verlieren. Denn wenn die einzuschätzenden Tiere z. B. zu
Nahrungskonkurrenten werden, sieht dass ganz anders aus, z. B. würden sehr
wahrscheinlich manche griechischen Gemüsebauern, die heute schon
Schildkröten, die auf den Feldern das Gemüse anfressen ins Meer
schmeißen oder erschlagen und als Biodünger verwenden, trotz ihres
Wissens die Population immer als zu hoch einschätzen. Ebenso könnten
Hirten in manchen Situationen durchaus bestechlich sein und falsche Angaben
machen. Wer sich nur auf diese, wenn auch kostengünstige Methode, als
alleinigen Standard beschränken möchte, der braucht erstens selbst
sehr gute lokale Kenntnisse und sollte zweitens ein guter Psychologe sein, um
den „Faktor Mensch“ richtig einschätzen zu können. Denn
sonst kann dabei auch einiges schief laufen.
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