Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 13.02.2011
Balmer, O., Ciofi, C., Galbraith, D. A., Swingland, I. R., Zug, G. R. & A. Caccone (2011): Population
Genetic Structure of Aldabra Giant Tortoises. – JOURNAL OF HEREDITY 102: 29-37.
Die populationsgenetische Struktur der Aldabrariesenschildkröten.
Die Evolution von Populationsstrukturen auf Inseln ist das Ergebnis von physikalischen Prozessen die mit Vulkanismus, Veränderungen der
Erdoberfläche, Schwankungen des Meeresspiegels und den damit verbundenen Habitatveränderungen einhergehen. Wir untersuchten das
Muster der genetischen Struktur bei Populationen der Riesenschildkröten des Aldabra-Atolls. Kürzlich erfolgte ökologische
Studien ließen vermuten, dass es zu Aufspaltungen der Population als Ergebnis einer Diskontinuität in der Landschaftsformation
gekommen ist. Dadurch wurden Subpopulationen durch unbesiedelbare Landstriche getrennt.
Die Analyse der Kontrollsequenzen der mitochondrialen DNS (mtDNS), und die allelische Variation von 8 Mikrosatelliten-Loci wurde
durchgeführt. Die Proben wurden an drei verschiedenen Orten auf den zwei Hauptinseln von Aldabra gesammelt. Wir konnten keine
Unterschiede der mtDNS-Sequenzen nachweisen.
Dieses Ergebnis unterstützt frühere Arbeiten die auf das Auftreten eines Gründungsereignisses (Besiedlung) während der
letzten interglazialen Periode (Zwischen den Eiszeiten) und einer weiteren Abnahme der genetischen Variabilität in der Vergangenheit
hinweisen. Andererseits konnte eine signifikante Populationsstruktur durch die Analyse der nukleären Loci nachgewisen werden. Dies
deutet auf eine allopatrische Aufspaltung (Artbildung durch räumliche Trennung) hin, die auf geographischen Barrieren zwischen den
Inseln, sowie auf ökologischen Faktoren, welche die Bewegung der Schildkröten innerhalb der Inseln einschränken,
zurückzuführen sind. Dies ist der erste Versuch die Populationsgenetik der Aldabrariesenschildkröten zu untersuchen, die
derzeit eine bedeutende Rolle in diesem isolierten terrestrischen Ökosysteme spielen indem ökologische Faktoren einen großen
Einfluss auf die Populationsdynamiken haben.
Kommentar von Hans-Jürgen Bidmon
Diese Arbeit zeigt wie etliche andere zur Populationsgenetik der Galapagosschildkröten dieser Arbeitsgruppe, welche Möglichkeiten
die neuen molekularbiologischen Ansätze im Vergleich mit früheren ökologisch-systematischen Studien bieten (siehe Anmerkung
zu
Chiari et al., 2009;
Russello et al., 2007; Anmerkung zu
Boero et al., 2010). Im Grunde genommen sehen wir auch hier, dass das Studium der mitochondrialen DNS für
einen Abstammungs- und Herkunftsnachweis, selbst über Generationen hinweg, geeignet ist, während das Studium der nukleären
DNS eher Auskunft über vor kurzem erfolgte Veränderungen im Sinne von Populationsaufspaltung, Unterarten- bzw. Artenbildung
ermöglicht.
Diese können durchaus hilfreich sein, um Unterschiede die mit den Methoden der klassischen Systematik erarbeitet wurden zu
stützen, ja sogar die Ursachen bzw. genetischen Grundlagen für die festgestellten Formveränderungen (Abweichungen im
Phänotyp) zu erklären.
Das diese Erkenntnisse und das historische (räumlich-zeitliche) Verständnis dieser Veränderungen der Populationsdynamik der
unterschiedlichsten Organismen dieser Inselökosysteme von Bedeutung sein kann wird auch klar, wenn man sie in Bezug zu den Arbeiten von
Gibbs et al., (2010);
Griffiths et al., (2010) und
Hansen et al., (2010) sieht.
Literatur
Boero, F. (2010): The Study of Species in the Era of Biodiversity – A Tale of Stupidity. – Diversity (2): 115-126
oder
Wif-Archiv.
Chiari, Y., C. Hyseni, T. H. Fritts, S. Glaberman, C. Marquez, J. P. Gibb, J. Claude & A. Caccone (2009):
Morphometrics Parallel Genetics in a Newly Discovered and Endangered Taxon of Galapagos Tortoise. – PLoS ONE 4 (7): e6272.
doi:10.1371/journal.pone.0006272 oder
Wif-Archiv.
Gibbs, J.P., Sterling, E.J. & F.J. Zabala (2010): Giant Tortoises as Ecological Engineers: A Long-term
Quasi-experiment in the Galapagos Islands. – BIOTROPICA 42(2): 208-214 oder
Wif-Archiv.
Griffiths, C. J., C. G. Jones, D. M. Hansen, M. Puttoo, R. V. Tatayah, C. B. Mueller & S. Harris (2010):
The Use of Extant Non-Indigenous Tortoises as a Restoration Tool to Replace Extinct Ecosystem Engineers. – Restoration Ecology 18 (1):
1-7 oder
Wif-Archiv.
Hansen, D. M., C. J. Donlan, C. J. Griffiths, & K. J. Campbell (2010): Ecological history and latent
conservation potential: large and giant tortoises as a model for taxon substitutions. – Ecography 33 (2): 272-284 oder
Wif-Archiv.
Russello, M. A., C. Hyseni, J. P. Gibbs, S. Cruz, C. Marquez, W. Tapia, P. Velensky, J. R. Powell & A.
Caccone (2007): Lineage identification of Galapagos tortoises in captivity worldwide. – Animal Conservation 10 (3): 304-311
oder
Wif-Archiv.
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