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Wissenschaft im Fokus

Veröffentlicht: 28.05.2017 Share it on Facebook


Balzani, P., S. Vizzini, G. Santini, A. Masoni, C. Ciofi, E. Ricevuto & G. Chelazzi (2016): Stable isotope analysis of trophic niche in two co-occurring native and invasive terrapins, Emys orbicularis and Trachemys scripta elegans. – BIOLOGICAL INVASIONS, 18: 3611–3621.

Die Analyse der trophischen Nische für zwei zusammen vorkommende Schildkröten, die einheimische Sumpfschildkröte, Emys orbicularis und die invasive Trachemys scripta elegans anhand der Stabilen-Isotopenanalyse.


Eine Überlappung der trophischen Nischen bei einheimischen und fremden Schildkrötenarten kann zu einer Konkurrenzsituation führen, bei der die allochthonen (fremden) Schildkröten die autochthonen (einheimischen) Individuen unterdrücken und dadurch eventuell sogar die Überlebensfähigkeit der einheimischen Population bedrohen. Bei der Europäischen Sumpfschildkröte Emys orbicularis handelt es sich um eine autochthone Art, die durch Habitatverluste und durch den Konkurrenzkampf mit der Rotwangenschmuckschildkröte Trachemys scripta elegans bedroht wird. Bei Letzterer handelt es sich um eine invasive Spezies, die in Europa aus dem mittleren Westen der USA eingeführt wurde und die mittlerweile weitverbreitet in den natürlichen Habitaten von Emys orbicularis vorkommt. Hier untersuchten wir das Ausmaß der trophischen Konkurrenz zwischen E. orbicularis und T. s. elegans im nördlichen Italien anhand der Stabilen-Isotopenanalyse für Stickstoff und Kohlenstoff (delta N-15 und delta C-13). Wir benutzten Blut und Krallenspitzenproben, um Informationen über die Nahrungszusammensetzung über einen kurzen Zeitraum von 3–4 Monaten und einen langen Zeitraum von 12 Monaten zu sammeln. Die Analyse der Krallenspitzen zeigte eine deutliche Trennung zwischen der Nahrung von adulten E. orbicularis und T. s. elegans, aber verwies auf eine Überlappung der trophischen Nischen von adulten Invasoren und juvenilen autochthonen Schildkröten. Andererseits zeigten die Blutproben eine partielle Überlappung der trophischen Nischen was deutlich machte, dass es zu einer kurzzeitigen Nutzung der selben Nahrung durch beide Spezies kam. Wir konnten damit zeigen, dass für spezifische Lebensstadien und Jahreszeiten zu einer potentiellen Nahrungskonkurrenz kommt, die wesentliche Konsequenzen für das Management und die Erhaltung von E. orbicularis in Italien haben können.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine Arbeit die wieder einmal zwei wesentliche Dinge hervorhebt. Nämlich zum einen, dass die einheimische Sumpfschildkröte durch Habitatverluste bedroht wird und zum anderen, dass es zu einer Nahrungskonkurrenz mit invasiven Schildkröten zumindest zeitweise kommt. Letzteres ist nichts Neues (siehe dazu Polo-Cavia et al. 2010). Allerdings muss ich auch hier anführen, dass der Habitatverlust wohl die bedeutendere Rolle spielt und meist in den verbleibenden Gebieten dazu führt, dass T. s. elegans die besseren Bedingungen vorfindet. Während meiner letzten Jahre in Bulgarien konnte ich diese Entwicklung deutlich beobachten. Dabei fiel mir auf, dass vor 3 Jahren bei einem Besuch plötzlich ungewöhnlich hohe Wasserstände in einem der sehr guten Emys-Lebensräume auftraten. Auf Anfrage hieß es, es habe eben sehr starke Regenfälle gegeben. Allerdings, im darauf folgenden Jahr fand ich trotz Trockenheit die gleiche Situation vor. Im letzten Jahr bin ich dann mal nicht im zeitigen Frühjahr oder Herbst dorthin gefahren sondern zur Haupttouristensaison. Ja und da wurden mir die kontinuierlich hohen Wasserstände klar, denn es fuhren regelmäßig große Touristenboote mit entsprechend Tiefgang. Die Folgen waren klar, viele der einstigen aus dem Wasser ragenden Äste alter Bäume waren entfernt oder lagen unter Wasser. Ja und nach drei Jahren sieht man nun auch schon deutlich weniger einheimische Sumpf- oder Bachschildkröten, aber immer noch T. s. elegans, die sich nun klar die wenigen meist dicken in Ufernähe verbliebenen Holzstümpfe teilen müssen. In wieweit es dabei dann auch noch zur Nahrungskonkurrenz kommt, kann ich natürlich bestenfalls vermuten. Aber als Fazit bleibt festzuhalten, dass hier die kommerziellen Interessen der Tourismusindustrie weit wesentlicher zur Populationsbedrohung beitragen als die vorher auch schon vorhandene friedliche Koexistenz mit der Rotwangenschmuckschildkröte.

Literatur

Polo-Cavia N., A. Gonzalo, P. López & J. Martín (2010): Predator recognition of native (European pond) but not invasive turtle predators (red-eared sliders) by naïve anuran tadpoles. – Result sliders out compete native turtles for food. – Animal Behaviour 80 (3): 461-468 oder WiF-Archiv.



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© Michael Daubner 2017Schildkröten im Focus