Wissenschaft im Fokus
Barje, F., T.
Slimani, E. H. El
Mouden, F.
Lagarde, X.
Bonnet & K.
Ben Kaddour (2005): Shrewd shrikes and spiny
shrubs: a calamity for hatchling Moorish tortoises (Testudo graeca
graeca). – Amphibia-Reptilia 26 (1): 113-115.
Raubwürger und Dornensträucher: Ein
Unglück für Schlüpflinge der maurischen Landschildkröte
(Testudo graeca graeca)
In dieser Kurzmitteilung, die kein Abstract hat, beschreiben die Autoren nach
einer Einleitung, in der sie die Daten zur Festigkeit des sich entwickelnden
Carapax referieren, dass sie bei der Untersuchung einer
Schildkrötenpopulation bei Essaouira in Dornengebüschen aus
Argania spinosa sehr häufig Schlüpflinge von maurischen
Landschildkröten aufgespießt vorfanden. Die Art und Weise wie die
Tiere aufgespießt waren, war typisch für Raubwürger.
Tatsächlich befanden sich die Sträucher in den Territorien von
Raubwürgern der Art,
Lanius excubitor (ein Verwandter unseres
allseits bekannten Neuntöters,
L. collurio). Auf einer Fläche
von 50 ha fanden sich an drei Sträuchern einmal 17, 7 und 1
aufgespießter Schildkrötenschlüpfling. Da das Territorium eines
Raubwürgerbrutpaars etwa 75 ha groß ist, gehen die Autoren davon aus,
dass diese 25 Schlüpflinge die Ausbeute nur eines Vogelpaars darstellen. Da
die durchschnittliche Gelegegröße einer
T. g. graeca in
dieser Region bei 3,8 Eiern lag, zerstörte ein Brutpaar etwa 5 Gelege. Alle
vermessenen, aufgespießten Schlüpflinge hatten eine
Körpergröße von 28 ±3 mm (25-35 mm), die zeigt, dass
insbesondere gerade geschlüpfte Schildkröten (zumindest jünger
als 1 Jahr) betroffen sind. Da man bei Feldstudien solch junge Schlüpflinge
aufgrund ihrer versteckten Lebensweise fast nie findet, müssen die
Vögel also durchaus dazu in der Lage sein auch diese Stadien ausfindig zu
machen. (pers. Anmerkung: Wenn man's den Vögeln gleich tun will, hilft nur
sehr sehr frühes Aufstehen). Es gab aber eine Auffälligkeit, denn
obwohl die Raubwürger wie auch die Schildkröten auch die dichteren
Dornbuschwälder besiedeln, fanden sich dort keine aufgespießten
Schlüpflinge, während dies am Rande von kultivierten offenen
Flächen häufig der Fall war, so kann davon ausgegangen werden, dass
diese offenen Nutzflächen, das Auffinden der Schlüpflinge erleichtern.
Die Arbeit schließt mit einer Diskussion, welche die Befunde über
Vögel als Beutegreifer von Schildkröten betrachtet und zum Schluss
kommt, dass die Raubwürger die Population der gefährdeten maurischen
Landschildkröte beeinträchtigen können.
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