Wissenschaft im Fokus
Bergeron, C. M., J. E.
Husak, J. M.
Unrine, C. S.
Romanek & W. A.
Hopkins (2007):. Influence of feeding ecology on
blood mercury concentrations in four species of turtles. – Environmental
Toxicology and Chemistry 26 (8): 1733-1741.
Auswirkungen der Ernährungsökologie auf die
Konzentrationen von Quecksilber im Blut bei vier Schildkrötenspezies
Quecksilber ist ein relativ gut untersuchtes Umweltgift, weil es global verteilt
ist, sehr toxisch ist und die Eigenschaft besitzt, sich in biologischen Systemen
(Nahrungsketten) anzureichern. Allerdings ist bisher nur wenig über
Hg-Anreicherungen in Schildkröten bekannt. Gesamt Hg(GHg)-Konzentrationen
wurden für das Blut von 552 Schildkröten mit insgesamt vier Arten
(
Chelydra serpentina,
Sternotherus odoratus,
Chrysemys
picta und
Pseudemys rubriventris) bestimmt, die in einem
Hg-kontaminierten Abschnitt des South River (VA, USA) und in einer
flussaufwärts gelegenen Kontrollregion leben. Die Methylquecksilber und Se
Konzentrationen wurden in einer Untergruppe der Schildkröten
zusätzlich gemessen. Da sich die Ernährungsökologie der vier
Arten drastisch unterscheiden, wurden auch das stabile Kohlenstoffisotop
(delta13C) und Stickstoff (delta15N) benutzt, um die Beziehung zwischen der
trophischen Stellung (in der Nahrungskette) und der Hg-Konzentration zu
erfassen. Signifikante Unterschiede zeigten sich sowohl in Bezug auf die
Untersuchungsgebiete als auch für die einzelnen Schildkrötenspezies,
was zeigt, dass Schildkrötenblut als Bioindikator für eine
Quecksilberverseuchung benutzt werden kann. Wir fanden Unterschiede für die
GHg-Konzentrationen der Schildkröten aus dem kontaminierten Gebiet, die
einhergingen mit ihrer Ernährungsökologie (je größer die
Beutetiere, desto höher die biologische Anreicherung):
C.
serpentina > oder =
S. odoratus >
C. picta >
P. rubriventris. Dieser Trend wurde im allgemeinen auch durch die
Isotopenbefunde unterstützt, die zeigten, dass einzelne Schildkröten
sich von mehr als einem trophischen Niveau ernährten (z.B. Pflanzen
(niedriges Niveau) und tierische Kost (höheres Niveau)). Der
Methyl-Hg-Gehalt zeigte eine vergleichbare Verteilung wie die GHg-Konzentration
und war die dominante Form, in der Hg im Blut von allen Schildkröten
vorlag. Blut Se Konzentrationen waren im ganzen System, allerdings bestand eine
schwach positive Beziehung zwischen GHg und Se, wenn die Spezies zusammengefasst
betrachtet wurden. Die in dieser Studie festgestellten GHg-Blutkonzentrationen
bei Schildkröten waren in einigen Fällen die höchsten, die
bislang für Reptilien beschrieben wurden, was Anlass dazu gibt, die
potentiellen negativen Auswirkungen von solch hohen Konzentrationen zu
untersuchen.
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