Wissenschaft im Fokus
Bjurlin, C.D. & J. A.
Bissonette (2004): Survival during early life
stages of the desert tortoise (Gopherus agassizii) in the south-central
Mojave desert. – Journal of Herpetology 38: 527-535.
Das Überleben der Schlüpflinge der
Wüstenlandschildkröte
(Gopherus agassizii) in der südlichen
zentralen Mojavewüste
Die frühen Jugendstadien der Wüstengopherschildkröte
(
Gopherus agassizii) sind besonders gefährdet durch Beutegreifer,
zu denen sowohl einige Säugetier- als auch Vogelarten zählen. Wir
untersuchten das Überleben der Schildkröten in den Sandhügeln des
Trainingscenters des Marine Corps und des Luft-Boden-Kampfzentrums, Twentynine
Palms in Kalifornien von 1998-1999. Dazu wurden 25 adulte
reproduktionsfähige Weibchen mittels Radiotelemetrie und durch Markierung
mit Fadenspulen überwacht, um deren Nistökologie zu analysieren.
Beutegreifer räumten 11 von insgesamt 42 der beobachteten Nester
während der ersten 70 Tage der Inkubation aus. In den anderen durch eine
Abschirmung geschützten Nestern schlüpften 91 gesunde
Schlüpflinge aus insgesamt 132 Eiern. Die Überlebenswahrscheinlichkeit
lag 1998 bei 0,84 und 1999 bei 0,91. Wenn wir die
Schlüpflingsüberlebenswahrscheinlichkeit der Gesamteizahl
gegenüberstellten, ergab sich, dass ca. 40 % der Tiere von der Eiablage bis
zur ersten Überwinterung überleben. Unsere Befunde unterstützen
andere Daten zur Lebensgeschichte von Schildkrötenarten, die auch eine
relative hohe Mortalitätsrate für Schlüpflinge zeigen. Unsere
Befunde belegen zudem, dass die Schlüpflinge der
Wüstengopherschildkröte weit weniger anfällig gegenüber
Beutegreifern sind, als wir vorher dachten, was sich eventuell aus ihrer sehr
kryptischen (verborgenen) Lebensweise und ihrer guten, dem Habitat angepassten
Färbung ergibt. In dieser Studie spielten Raben (
Corvus corax) als
Beutegreifer von Schlüpflingen keine Rolle.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Hier zeigt sich wieder, welche Rolle der Mensch und die Zivilisation in
solchen Biotopen spielen, denn nicht umsonst waren auch hierzulande die
ehemaligen DDR-Grenzstreifen – und so mancher Militärübungsplatz
ist es noch heute – Überlebensrefugien für bedrohte Arten. Die
Frage ist nur, warum klappt es dort so gut, aber in vielen der von
Naturschutzverbänden und Aktivisten betreuten Naturschutzgebieten nur eher
schlecht als recht oder gar nicht? Eine Frage, die sich durchaus auch für
die Mojavewüste stellt, denn die Gopherschildkrötenpopulationen im
zugänglichen Teil des Naturparks haben weitaus schlechtere Reproduktions-
und Überlebensraten, als sie in dieser aktuellen Studie aus einem Gebiet
eines militärischen Trainingslagers beschrieben werden.
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