Wissenschaft im Fokus
Boede, E.O. & O.
Hernandez (2004): Diseases in arrau sideneck turtle,
Podocnemis expansa, kept in Venezuelan farms. – Revista Cientifica Facultad
de Ciences Veterinarias 14: 395-403.
Krankheiten bei der
Arrau-Schienenschildkröte, Podocnemis expansa,
die in venezuelanischen Farmen gehalten werden.
Das Verbreitungsgebiet von
Podocnemis expansa umfasst die Flusssysteme des Amazonas,
Orinocos und des Esequibo in Südamerika. Es handelt sich dabei um die größte
Süßwasserschildkröte der Welt, die einen harten Panzer besitzt, und sie wird
von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) als bedrohte und gefährdete
Art eingestuft. In der Gefangenschaftshaltung zeigt sie eine verstärkte Anfälligkeit
für verschiedene Krankheiten, die bei wild lebenden Populationen nicht beobachtet wird.
Das vorrangigste Ziel der Zuchtfarmen ist es, die Mortalitätsrate gering zu halten und
hohe Wachstumsraten zu erzielen. Es ist ebenso wichtig, sicherzustellen, dass die
ausgewilderten Schildkröten gesund sind und keine Infektionen, Parasiten und genetisch
bedingte Erkrankungen aufweisen. Die hier vorgestellten Befunde wurden während klinischer
Untersuchungen und bei Autopsien sowie histopathologischen Studien an 50 Embryos, 220
Schlüpflingen und juvenilen Schildkröten sowie an 7 adulten Tieren gewonnen.
Pathologisch-anatomische Studien wurden an 4 symptomatischen Embryonen durchgeführt,
zudem erfolgten bakteriologische, mykologische und histopathologische Untersuchungen. Die
Daten wurden über acht Jahre hindurch von 1994-2001 gesammelt. Die Krankheiten, die in
zwei Farmen des Nachzuchtprogramms in Venezuela bei den 3 Untersuchungsphasen auftraten, wurden
je nach Entwicklungsstadium in drei Klassen eingeteilt: Angeborene Anomalien
(Verkrüppelungen), Dottersackinfektionen, Embryonensterblichkeit, Hautverpilzung und
Septikämie. Schlüpflinge und Juvenile: Stoffwechsel bedingte Knochenerweichung,
Vitamin-A-Mangel und Gicht. Adulte Schildkröten: Fortschreitende, infektiöse
Carapaxläsionen, Panzerfäule an Carapax und Krallen. Bei den Embryonen,
Schlüpflingen und juvenilen Schildkröten schwankte die Mortalitätsrate zwischen
einem Minimum von 1,54 % und einem Maximum von 60,5 % während der drei Untersuchungsphasen.
Die Erkrankungsrate (Häufigkeit) für die Schlüpflinge und juvenilen
Schildkröten wurde nicht erfasst, aber bei den Adulten erreichte sie 100 %.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Diese Arbeit zeigt, dass unter den praktizierten Zuchtbedingungen für
Wiederauswilderungsprojekte oder zur weiteren Zucht keine adulten Schildkröten ohne
Panzerläsionen und Nekrosen zur Verfügung stehen.
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