Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 31.01.2010
Bonino, M. F., J. N. Lescano, J. G. Haro & G. C. Leynaud (2010): Diet of Hydromedusa tectifera
(Testudines: Chelidae) in a mountain stream of Córdoba province, Argentina. – Amphibia-Reptilia 30 (4): 545-554.
Die Nahrung von Hydromedusa tectifera (Testudines-Chelidae) in einem Bergbach der
Provinz Cordoba in Argentinien.
Hier wird anhand von vergleichenden Nahrungsanalysen das Nahrungsspektrum von 154 in zwei Bergbächen in der Provinz Cordoba
vorkommenden
Hydromedusa tectifera beschrieben. Die Schildkröten wurden manuell zwischen August 2005 und 2006 in den
jeweiligen Lokalitäten bei Tanti und Flor Serrana gefangen. Bevor die vermessenen und geschlechtsbestimmten Tiere wieder freigelassen
wurden, mussten sie eine Magenspülung über sich ergehen lassen. Der Mageninhalt der Schildkröten wurde stereomikroskopisch
untersucht, und die Beutetiere wurden identifiziert und je nach Größe und Mengenanteil klassifiziert. Die Bedeutung der
verschiedenen Nahrungsbestandteile wurde anhand des „Index der Relativen Wichtigkeit“ (IRI) quantifiziert. Die Vergleichbarkeit
der Nahrung zwischen den Geschlechtern und im Vergleich verschiedener Größenklassen während der Jahreszeiten wurde unter
Anwendung des vereinfachten Morisita Index untersucht. Die trophische Breite wurde anhand des Shannon-Diversitätsindex bestimmt. Die
Detrended-Correspondence-Analysis (DCA, Trend-bereinigte-Übereinstimmungsanalyse) wurde herangezogen, um die Unterschiede in Bezug auf
die Nahrungsnutzung zwischen den Geschlechtern und den Größenklassen zu analysieren. Insgesamt wurden 47 Beuteobjekte
identifiziert, die den folgenden Taxa angehörten: Egel, Anneliden (Ringelwürmer), Gastropoden (Schnecken/Muscheln), Spinnen
(Arachnida), Insekten und Fische. Anhand der IRI-Werte zeigte sich, dass das Hauptfutter von
H. tectifera aus Trichopterenlarven
(Köcherfliegenlarven; IRI = 33,5) besteht, Fische (IRI = 30) und Libellennymphen (IRI = 25,2) kommen ebenfalls häufig vor. Die
relative Bedeutung der Nahrungsbestandteile variierte in Bezug auf die Körpergrößenklassen, nicht jedoch mit dem Geschlecht.
Die Größe der Beutetiere nahm mit der Größe der Schildkröten zu. Die größte trophische Breite wurde
bei den kleineren Individuen gefunden.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Diese Arbeit zeigt, wie vielfältig die tierische Nahrung von
H. tectifera in der Natur ist. Dabei fällt auf, dass hier
genau dieses breite Nahrungsspektrum genutzt wird, wie es eigentlich laut der einschlägigen Literatur (für
Hintergrundinformationen siehe
Bidmon 2010 und die dort aufgeführten Zitate) notwendig ist, um
Mangelzustände für bestimmte Nahrungsbestandteile zu vermeiden. Da finden sich Fische und Schnecken für die Vitamine A und D
sowie für den Kalziumbedarf, genauso wie Spinnen (Arachnoida) für einen Pool an schwefelhaltigen Aminosäuren
(Keratinvorstufenreiche Spinndrüsen), Würmern und Insekten. Die Arbeit zeigt jedoch auch, dass das Nahrungsspektrum für die
meist schneller wachsenden Jungtiere am breitesten ist, also auch hier ein klares Indiz aus der Natur dafür, dass gerade für die
Kleinsten und Jüngsten dieser Abwechslungsreichtum wichtig ist. Also auch hier deutliche Anzeichen dafür, dass für
H.
tectifera handelsübliches Lebendfutter wie Grille, Heimchen, Mehlwurm, Zophoba und Co. sowie Rinderherz bestenfalls als
Ersatzfutter herhalten kann und einer genauen Anreicherung bedarf, wenn man Probleme vermeiden und eine naturnahe Ernährung anstreben
will.
Literatur
Bidmon, H.-J. (2010): Karnivore Schildkröten: Was ist ihr handelsübliches Futter
eigentlich wert? Oder: Die Bedeutung des Darminhalts der Futtertiere. –
Schildkröten im Fokus 7
(1): 3-18.
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