Wissenschaft im Fokus
Boundy, J. & C.
Kennedy (2006): Trapping survey results for the
alligator snapping turtle (Macrochelys temminckii) in southeastern
Louisiana, with comments on exploitation. – Chelonian Conservation and
Biology 5 (1): 3-9.
Ergebnisse aus einer Fangstudie für die
Geierschildkröte (Macrochelys temminckii) im
südöstlichen Louisiana, mit Kommentaren zu deren Nutzung
Zweihundert Geierschildkröten wurden gefangen mit einer durchschnittlichen
Fangrate von 0,057 Schildkröten pro Falle und Nacht in allen mit
Ausnahme von einem der insgesamt 33 Untersuchungsgebiete im
südöstlichen Louisiana. Die Fangrate schwankte zwischen den Gebieten
in Abhängigkeit zur Bejagung und mit der Saison, aber nicht in
Abhängigkeit zu den hydrologischen Verhältnissen (Wasserqualität,
Wasserstand etc.). Die beobachteten Schwankungen in den Fangraten unter
unterschiedlichem Bejagungsdruck zeigten auch, dass sie sehr stark von
saisonalen Unterschieden bedingt waren. Es wurden keine Unterschiede im
Geschlechterverhältnis bzw. in Bezug auf die Altersklassen zwischen
subadulten und geschlechtsreifen Schildkröten in Gebieten mit
unterschiedlicher Bejagung, Saison oder Gewässertyp gefunden. Das Gewicht
der Schildkröten variierte in Abhängigkeit zum Bejagungsdruck und in
Abhängigkeit zu den hydrologischen Verhältnissen. Die festgestellte
Gewichts-Längen-Beziehung der Schildkröten war hochgradig korreliert
und für beide Geschlechter gleich mit einer Ausnahme, da Männchen eine
größere Endgröße als Weibchen erreichen (adulte
Männchen sind durchschnittlich um 150 % schwerer als Weibchen (100 %) und
ihre Länge beträgt 118 % gegenüber Weibchen (100 %). Das
Geschlechterverhältnis lag bei 1:1, und die Anzahl der subadulten Tiere lag
bei 48 %. Die Durchschnittsgröße der Geierschildkröten in
Louisiana war gleich jener von anderen Studien aus anderen Bundesstaaten. Im
Vergleich zu anderen Bundesstaaten zeigte die Populationsstruktur der
Louisiana-Population Unterschiede, da die Anzahl der Jungtiere wesentlich
höher lag und die Fangraten deutlich niedriger lagen. Die
Populationsunterschiede ließen sich nicht vollständig damit
erklären, dass der Bejagungsdruck zwischen den Bundesstaaten verschieden
stark ist. Die großen Schildkrötenschlachtereien im südlichen
Louisiana sind alle geschlossen, und die kommerzielle Jagd ist beendet.
Allerdings haben sich auch die Überlieferungen, dass die
Geierschildkröte durch die starke Bejagung fast ausgestorben sei, als
irreführend erwiesen. Wiederholungsuntersuchungen zur Erfassung der
Populationstrends werden empfohlen.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Glück gehabt, denn die Maßnahmen scheinen ja noch rechtzeitig
gekommen zu sein, um eine noch einigermaßen intakte Louisianapopulation zu
erhalten, was sich klar andeutet, wenn man die doch recht hohe Zahl junger Tier
betrachtet. Da lassen eher die Daten aus den andern Bundesstaaten darauf
schließen, dass sich dort Individuen von Reliktpopulationen auf relativ
kleinflächigen Habitaten drängeln (hohe Fangrate, wenig Jungtiere),
was andeutet, dass der dortige Rückgang wohl eher auf Habitatverlust als
auf Bejagung zurückzuführen sein dürfte. Diesbezüglich hat
die Louisianapopulation Glück, da Louisiana eben wesentlich mehr nur schwer
zu bebauende Sumpfgebiete hat als die meisten anderen Bundesstaaten.
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