Wissenschaft im Fokus
Branch, W. R. (2007): A new species of tortoise
of the genus Homopus (Chelonia: Testudinidae) from southern Namibia.
– African Journal of Herpetology 56: 1-21.
Eine neue Landschildkrötenspezies aus der Gattung
Homopus (Chelonia: Testudinidae) aus dem
südlichen Namibia
Homopus bergeri Lindholm 1906 basierte auf
einem einzigen Panzerteil aus Namibia. Keine andere
Homopus war
für dieses Land beschrieben, bis 1955 eine Population von
Homopus
in einer Region namens Aus im südlichen Namibia entdeckt wurde. Sie wurde
ursprünglich als
H. boulengeri
Duerden 1906 bezeichnet, und später
fälschlicherweise
H. bergeri benannt. Die Inspektion des Typus von
H. bergeri Lindholm 1906 zeigt, dass es
sich dabei um ein Juniorsynonym von
Psammobates tentorius verroxii
(
A. Smith 1839) handelte. Die Aus-
Homopus
lässt sich morphologisch von allen anderen
Homopus-Arten
unterscheiden und wird deshalb hier als eine neue Spezies,
Homopus
solus beschrieben. Die morphologischen Unterschiede, die Verbreitung und
die Biologie von
H. solus werden geschildert. Der Gebrauch der
Namenskombinationen
Homopus ,solos' von
Devaux (2003) und
Homopus bergeri (solos)
(
Lindholm, 1906) von
Bonin et al. (2006) haben keinen nomenklatorischen
Wert.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Nun denkt man an Testudo werneri
(Attum et al. (2007): An evaluation of the
taxonomic validity of Testudo werneri
. – Amphibia-Reptilia 28
(3): 393-401 oder WiF-Archiv und
Siroky & Fritz (2007): Is Testudo
werneri
a distinct species? – Biologica Bratislava, 62: 1-4 oder
WiF-Archiv), so kann man sagen, die eine Spezies
geht, die nächste kommt. Aber Spaß beiseite, die Arbeit beschreibt
die Morphologie der Art gut und zeigt insbesondere, welche historischen
Verwirrungen bei der Beschreibung der Homopus
-Spezies vorkamen. Etwas,
das mich nur immer wieder an das von Rieppel &
Kearney (2007): The poverty of taxonomic characters. – Biology
& Philosophy 22 (1): 95-113 (s. WiF-Archiv)
geschriebene erinnern lässt. Wenn man aber dies alles berücksichtigt,
frage ich mich wirklich, warum hier der Autor nicht gleich auch den Versuch
unternommen hat, eine molekular-genetische Abklärung der
Verwandtschaftsbeziehungen und Charakterisierung der Art mitzuliefern. Bedenkt
man einmal, wie hoch im Kurs gerade neuerdings afrikanische Spezies bei Sammlern
stehen, kann man nur hoffen, dass diese „vorläufige“
Neubeschreibung nicht zu ähnlichen Auswüchsen führt, wie sie von
Stuart et al. (2006): Scientific description can
imperil species. – Science 312: 1137. angeprangert worden sind. Denn auch
Südafrika ist trotz strikter Ausfuhrverbote und guter
Naturschutzbemühungen nicht gerade als politisch sehr krisensicher zu
bezeichnen, insbesondere wenn man einige seiner Nachbarstaaten in die
Betrachtung mit einbezieht.
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