Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 12.08.2005
Brown, J. D., J. M.
Richards, J.
Robertson, S. Holladay
& J. M. Sleeman (2004): Pathology of aural
abscesses in free-living eastern box turtles (Terrapene carolina
carolina). – Journal of Wildlife Diseases 40: 704-712.
Die Pathologie von Ohrabszessen in wild lebenden
Carolina-Dosenschildkröten (Terrapene carolina
carolina)
Ohrabszesse oder Abszesse des Mittelohrs sind häufig bei wild lebenden
Carolina-Dosenschildkröten (
Terrapene carolina carolina) in
Virginia (USA) und anderswo. Obwohl die genaue Ätiologie unbekannt ist,
geht man davon aus, dass eine Hypovitaminose A dafür mit verantwortlich
ist, wie man dies bei gleicher Befundlage von in Gefangenschaft gehaltenen
Tieren kennt, deren Futter nicht ausreichend Vitamin A enthält. Diese
Hypothese wird auch dadurch gestützt, dass die wild lebenden, erkrankten
Schildkröten sehr hohe Überbelastungen an organischen
Chlorverbindungen aufwiesen, die dafür bekannt sind, dass sie den
Vitamin-A-Stoffwechsel hemmen. Ebenso gab es einen allerdings als nicht
signifikant zu bezeichnenden Trend hin zu erniedrigten Vitamin-A-Spiegeln im
Serum und in der Leber von erkrankten wild lebenden Dosenschildkröten.
Untersucht wurde das Paukenhöhlen- und Trommelfellepithel von 27
Dosenschildkröten (10 mit Ohrabszessen und 17 ohne Abszesse). Die
Läsionen im Paukenhöhlenepithel von Schildkröten mit Ohrabszessen
zeigten eine Hyperplasie, squamöse Metaplasien, Hyperämie,
Zelluntergänge, granulomatöse Entzündungen und bakterielle
Infektionen. Diese krankhaften Veränderungen waren im Vergleich zu anderen
Lokalisationen deutlich ausgeprägt in Tieren mit Abszessen am Trommelfell
und sie waren noch ausgeprägter bei Abszessen in der Paukenhöhle,
insbesondere dann, wenn die Läsion unilateral lokalisiert war. Die Organe
von insgesamt 21 Dosenschildkröten (10 mit und 11 ohne Ohrabszesse) aus der
Untersuchungsgruppe wurden histopathologisch untersucht, wobei nur minimale
Veränderungen in anderen Organen gefunden werden konnten und keine davon
war gleich jenen, die im Paukenhöhlenepithel zu finden waren. Die
histopathologischen Veränderungen in Dosenschildkröten mit
Ohrabszessen standen in Einklang mit dem bekannten Syndrom einer Hypovitaminose
A.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Schade, dass keine mykologischen Untersuchungen durchgeführt wurden.
Zudem frage ich mich, ob der akut festgestellte Mangel an Vitamin A auch eine
Folge von verminderter Nahrungsaufnahme bei erkrankten Schildkröten sein
kann, denn solche Tiere dürften beim Bewegen der Kiefer, also beim Fressen,
ziemliche Schmerzen haben, wenn sie denn überhaupt noch Futter
aufnehmen.
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