Wissenschaft im Fokus
Caputo, F. P. & R. C. Vogt (2008): Stomach
flushing vs. fecal analysis: The example of Phrynops rufipes
(Testudines : Chelidae). – Copeia 2008 (2): 301-305.
Magenspülungen vs. Kotalalysen: Das Beispiel
Phrynops rufipes (Testudines: Chelidae)
Die folgende Studie untersucht die trophische Nische von
Phrynops
rufipes anhand der Untersuchung von Magenspülungen und Kotproben. Wir
führten erfolgreich Magenspülungen bei 31 adulten eingefangenen
Schildkröten durch und sammelten für zehn der Schildkröten auch
die entsprechenden Kotproben. Unsere Ergebnisse zeigen, dass nur dieser
integrierte Ansatz, der sich auf beide Techniken bezieht, ein vollständiges
Bild zur Ernährung von
P. rufipes liefert. Trichopterenlarven
(Köcherfliegen) waren die zahlenmäßig häufigste Beute und
wurde auch bei der überwiegenden Mehrheit der Schildkröten gefunden.
Allerdings stellten Garnelen den größten Volumenanteil des
Nahrungsanteils der Wirbellosen dar. Die Früchte der meisten Palmen, die
entlang der Bachläufe vorkommen, wurden ebenfalls gefressen. Aufgrund der
Limitierungen bei den Magenspülungen wird der Anteil der Palmenfrüchte
eher unterschätzt, obwohl sie den höchsten Gesamtvolumenanteil bei
Magenspülungen und Kotproben ausmachten. Unsere Daten verändern die
bislang geltenden Schlussfolgerungen bezüglich der
Ernährungsgewohnheiten von
P. rufipes: Es handelt sich um eine
omnivore Spezies, die opportunistisch auch größere Mengen benthischer
(auf dem Grund lebender) Makroevertebraten und Fische nutzt, als dies aus
früheren Studien hervorgeht, die nur Kotanalysen durchführten.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Auch hier wieder ein klarer Beleg dafür, dass man zwar aus methodischen
Gründen den Fruchtanteil der Nahrung immer noch unterschätzt, aber
dennoch an Hand der Magenspülungen zeigen konnte, dass ein wesentlicher
Bestandteil der Nahrung tierischen Ursprungs ist. Man sollte sich immer vor
Augen halten, dass der am besten zu verdauende Futteranteil jener ist, der in
Kotproben am schwersten zu bestimmen ist, denn das meiste davon ist eben nicht
mehr vorhanden. Kotanalysen führen dazu, dass man den Nahrungsanteil, der
unverdaulich ist, regelmäßig überschätzt. Deshalb sollte zu
einer Nahrungsanalyse und zur Erfassung der ökotrophologischen Einnischung
einer Art immer eine Beobachtung der Tiere vorausgehen, die zeigt, was sie
wirklich fressen, so dass man abschließend einen Anhaltspunkt dafür
hat, was in den Kotproben eventuell fehlt. Jedem Laien wird einleuchten, dass
für den Ernährungszustand der Tiere eben der Anteil, der verdaut wird,
der entscheidendere ist. Das können Sie selbst überprüfen, indem
Sie zum Beispiel Blüten verfüttern. Und schauen Sie dann mal, was Sie
davon in einer Kotprobe noch nachweisen können. Gleiches gilt auch für
Fruchtfleisch, auch da haben Sie meist nur die Chance, die in den Früchten
vorhandenen Samenkörner oder Pollen oder den einen oder anderen harten
Schalenanteil nachzuweisen, nicht jedoch den Anteil, den das Fruchtfleisch
ausmacht. Wie schwierig selbst das für manche Akademiker ist, zeigt die
Tatsache, dass auch schon so mancher Veterinär, den einen oder anderen
Pollen als Wurmei oder Einzeller befundet hat. Siehe dazu:
Loehr, V. J. T. (2006): Natural diet of the
namaqualand speckled padloper (Homopus signatus signatus
). –
Chelonian Conservation and Biology 5 (1): 149-152 oder
WiF-Archiv; Arthur, K. E., J. M.
O'Neil, C. J. Limpus, K. Abernathy & G. Marshall (2007): Using
animal-borne imaging to assess green turtle (Chelonia mydas
) foraging
ecology in Moreton Bay, Australia. – Marine Technology Society Journal 41
(4): 9-13 oder WiF-Archiv.
Zum Seitenanfang
Tipp:
Benutzen Sie die Suchfunktion unserer Homepage, so können sie
einfach und schnell unsere Seiten nach einem bestimmten Begriff durchsuchen.