Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 18.04.2010
Carriere, M.-A., G. Bulte & G. Blouin-Demers (2009): Spatial Ecology of Northern Map Turtles
(Graptemys geographica) in a Lotic and a Lentic Habitat. – Journal of Herpetology 43 (4): 597-604.
Die räumliche Ökologie der nördlichen Landkartenschildkröte (Graptemys
geographica) in einem fließenden und einem stehenden Gewässerhabitat.
Lentische (z.B. Seen) und lotische (z.B. Flüsse) Lebensräume unterscheiden sich bezüglich etlicher biotischer und abiotischer
Faktoren wie der Fließgeschwindigkeit des Wassers, der Produktivität, der Temperaturgradienten und der Tiefe. Diese verschiedenen
Variablen können dann sehr wichtige Faktoren wie das Geschlecht, die Körpergröße und bestimmte Entwicklungsstadien
(juvenil, adult) der Schildkröten beeinflussen bzw. mit ihnen interagieren, wobei sie die räumliche Verteilungsökologie
aquatischer Lebewesen wie Wasserschildkröten prägen. Wir benutzten Radiotelemetrie, um die saisonalen Bewegungsmuster und die
Größe der Home-Range (Aktionsradien) von juvenilen und adulten Landkarten-Höckerschildkröten (
Graptemys
geographica) in einem kleinen See und in einem großen Fluss im östlichen Ontario, Kanada zu studieren. Adulte Weibchen
legten in den Flusshabitat längere Strecken zurück und zeigten eine größere Home-Range als adulte Weibchen im stehenden
Gewässer des Sees. Männchen und juvenile Weibchen zeigten sowohl im Fluss wie auch im See gleiche Bewegungs- und
Raumnutzungsmuster. Ein saisonaler Effekt auf das Bewegungsmuster ergab sich nur für die adulten Weibchen im Fluss, wo die Weibchen
während der Nistsaison. sehr viel längere Distanzen zurücklegten. Unterschiede bezüglich der Schwimmgeschicklichkeit,
die in Bezug zur Körpergröße der Weibchen, die Rückkehr zum eigenen Niststrand oder die Verfügbarkeit von
Nistplätzen stehen, sind die potentiellen Faktoren, welche die beobachteten Unterschiede im Bewegungsmuster adulter Weibchen und deren
räumlicher Ökologie erklären. Unsere Ergebnisse untermauern die Komplexität der Interaktionsmuster, die die Muster der
Raumnutzung bei aquatischen Reptilien beeinflussen.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Eine nette Situationsbeschreibung für diese beiden Populationen an Landkarten-Höckerschildkröten, die zeigen, wie genau man
in jedem Fall hinschauen muss. Sicher sind die Tiere in gewisser Weise flexibel und anpassungsfähig, aber für Schutz- und
Erhaltungsmanager zeigen die Daten auch, dass kein Weg daran vorbeiführt, für jeden individuellen Lebensraum eine genaue Analyse
der Raumnutzung für die jeweiligen Spezies durchzuführen. Gerade diese individuellen Notwendigkeiten zur Datenerfassung für
jeden Lebensraum lassen mich oft etwas an den immer häufiger eingesetzten Computermodellen zur Vorhersage der Landschaftsnutzung
zweifeln. Solche Studien zeigen uns eigentlich, dass man Biotope nicht so leicht simulieren kann und dass diese technischen
Möglichkeiten niemanden davon entbinden, die Daten für jeden individuellen Lebensraum im Freiland vor Ort zu erarbeiten. Denn ohne
diese Daten wäre die Simulation solcher Erhaltungsstrategien und Maßnahmen nicht wesentlich mehr wert als eine Prognose für
Lottozahlen, und wenn man bedenkt, wie oft man da daneben prognostiziert, sollte es einen dann auch nicht wundern, wenn die
Erhaltungsbemühungen scheitern. Siehe Kommentar zu
Pedromo et al. (2004).
Literatur
Pedrono, M., L. L. Smith, J. Clobert, M. Massot & F. Sarrazin (2004): Wild-captive metapopulation viability
analysis. – Biological Conservation 119: 463-473 oder
WiF-Archiv.
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