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Nachzucht statt Farmzucht; eine Initiative der Schildkröten im Fokus

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Wissenschaft im Fokus

Veröffentlicht: 30.01.2011 Share it on Facebook


Chiari Y. & J. Claude (2011): Study of the carapace shape and growth in two Galápagos tortoise lineages. – J Morphol. 2011 Jan 18. doi: 10.1002/jmor.10923. [Epub ahead of print]

Studium der Carapaxform und des Wachstums bei zwei Linien der Galapagosschildkröten.


Galápagosschildkröten zeigen zwei Hauptformen des Panzers, die Domform und die Sattelform, die mit ihrer biogeographischen Vergangenheit dieser Speziesgruppen einhergeht. Allerdings verhinderte das Fehlen von Beschreibungen zu morphologischen Unterschieden der Panzer zwischen und innerhalb von Populationen das Verständnis darüber welche evolutionären Kräfte wirken und welche potentielle Rolle die Ontogenie (Körperentwicklung / Wachstum) im Bezug auf die Entwicklung der Panzerform spielt. Hier analysieren wir zwei Linien der Galapagosschildkröten die die Insel Santa Cruz besiedeln, durch geometrische – Morphometrie in Kombination mit einer Photogrammetrie 3D Rekonstruktionsmethode bei einer Auswahl von Landschildkröten unterschiedlichen Alters (von juvenil bis adult). Das Ziel dieser Studie ist die Beschreibung der für die taxonomische Zuordnung wesentlichen, morphologischen Kriterien des Carapax unter Berücksichtigung von bestimmenden Faktoren, wie den morphologischen Veränderungen die sich während des Wachstums ergeben. Unsere Ergebnisse zeigen, dass trotz der Gemeinsamkeiten im Wachstumsmuster und den damit zu beobachtenden gekoppelten morphologischen Veränderungen während des Wachstums, sowohl die beiden Linien als auch deren Geschlecht auf der Basis bestimmter distinkter Carapaxkriterien zu identifizieren sind. Die Linien unterscheiden sich durch die Form der Wirbel und der Pleuralschilde (Rippenschilde) (speziell in Bezug auf deren Breite), wobei eine Linie eine mehr komprimierte Carapaxform hat, während die andere einen mehr verlängerten und seitlich aufgeweiteten Carapax zeigt. Das erste Wirbelschild ist hier höher positioniert. Zudem haben Weibchen einen längeren und breiteren Carapax als Männchen. Letztendlich verändert sich die Carapaxform mit dem Wachstum, wobei während der späten ontogenetischen Entwicklung die Wirbelschilde schmaler und die Rippenschilde größer werden.

Kommentar von Hans-Jürgen Bidmon

Hierbei handelt es sich um eine sehr schöne morphometrische Studie, die einem auch ein paar Anregungen liefert auf was man bei juvenilen Landschildkröten in Bezug auf die Geschlechteridentifizierung achten könnte, auch wenn damit nicht gesagt ist, dass diese hier beschrieben Unterschiede auch auf andere Arten direkt übertragbar sind. Aber wie gesagt man lernt nie aus und auch diesbzgl. lässt sich etwas dazulernen. Siehe zum Vergleich auch Valenzuela et al. (2004).

Literaturhinweise

Valenzuela N., D. C. Adams, R. M. Bowden & A. C. Gauger (2004): Geometric morphometric sex estimation for hatchling turtles: A powerful alternative for detecting subtle sexual shape dimorphism. – Copeia 2004 (4): 735-742 oder WiF-Archiv.

Kommentar von Flora Ihlow

Durch Morphometrie lassen sich Eigenschaften wie Proportionsverhältnisse in Zahlen ausdrücken und werden somit statistisch vergleichbar. Oft werden definierte Standardlängen (Längen und breiten einzelner Panzerschilde zum Beispiel) möglichst vieler Individuen gemessen um ein statistisch relevantes Ergebnis erreichen zu können. Signifikante Unterschiede können sich in sehr kleinem Maßstab abspielen.


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© Michael Daubner 2012Schildkröten im Focus