Schildkröten im Fokus Kleintierverlag Thorsten Geier
 
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Wissenschaft im Fokus

Veröffentlicht: 23.07.2017 Share it on Facebook


Davenport, J. (2017): Crying a river: how much salt-laden jelly can a leatherback turtle really eat? – J Exp Biol.; doi: 10.1242/jeb.155150.

Einen Fluss weinen: Wie viel mit Salz beladenen Gelee kann eine Lederrückenschildkröte wirklich fressen?


Lederrückenschildkröten (Dermochelys coriacea) sind kapitale Eierleger die Blubber (Fett) ansammeln (33 kJ/g Nassgewicht). Das erreichen sie durch eine Art von Hyperphagie an einer gelatinösen Nahrung in hohen (relativ nördlichen) Breitengraden, während sie an tropischen Stränden nisten. Eine Nahrung aus Quallen ist sehr energiearm (0,1–0,2 kJ/g Nassgewicht). Somit müssen die Lederrückenschildkröten große Mengen fressen können. Zwei publizierte Studien gerieten kürzlich in die Kritik zu hohe Werte für die Nahrungsaufnahmerate anzugeben (50 % Körpergewicht/Tag, wenn die Qualle Rhizostoma pulmo gefressen wird) und 73 % des Körpergewichts/Tag wenn die Quallen der Art Cyanea capillata gefressen werden). Quallen haben einen hohen Salzgehalt und einen hohen Wassergehalt und beides muss der Nahrung entzogen werden, um die organischen Bestandteile verdauen zu können und Energie zu gewinnen. Das meiste Salz (als NaCl) wird über zwei lacrimale Salzdrüsen ausgeschieden (Tränendrüsen). Zweiwertige Ionen werden über den Darm entsorgt. In dieser Studie fanden wir, dass die Salzdrüsen einer 450 kg schweren Schildkröte 622 g wiegen, was in etwa dreimal mehr ist als man es bei anderen Meeresschildkröten findet und diese Angaben wurden erstmals mit CT-Scans nachgewiesen. Wir nutzten nun die verschiedensten Angaben über die unter Freilandbedingungen gemessenen Stoffwechselraten (FMR), über deren Körperflüssigkeitenzusammensetzung und über deren Blubberspeicherung (Fettansammlung) in Kombination mit den bekannten Daten über den Salzgehalt, Wassergehalt und den organischen Bestandteilen von Quallen, um zuverlässige Salzausscheidungsraten für die Salzdrüsen und Nahrungsaufnahmeraten zu berechnen. Die Ergebnisse zeigen, dass Lederrückenschildkröten 10–15 ml pro Gramm Salzdrüse und Stunde ausscheiden (bei einer Osmolalität der Tränenflüssigkeit von 1.800 mOsm/kg). Diese Salzausscheidungsleistung ermöglicht es ihnen pro Tag bis zu 80 % ihres eigenen Körpergewichts an Quallen der Spezies Cyanea capillata zu fressen. Trotzdem zeigen die Berechnungen, dass es für die Weibchen sehr schwierig bis nahezu unmöglich ist die Energie die sie für ihre Eiablage brauchen in einer einzigen Nahrungssaison zu sich zunehmen. Zudem sind dazu eine sehr schnelle Verdauungsleistung und sehr kurze Darmpassagezeiten unerlässlich.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch hier sehen wir wieder zu welchen Anpassungsleistungen diese Schildkröten fähig sind, und ich denke, auch hier wurden noch einige metabolische Voraussetzungen unberücksichtigt gelassen, denn Lederrückenschildkröten jagen in kühlen nördlichen Gewässern und verbrauchen zudem Energie um ihre Körpertemperatur in gewissen Grenzen aufrechtzuerhalten. Nun, wer jetzt den Eindruck gewinnt wie schwer es diese Tiere haben, um sich ausreichend zu ernähren, der hat vielleicht auch die Bedeutung des Titels erfasst, denn diese Schildkröten müssen beim Fressen heulen, damit sie mit der Tränenflüssigkeit diese Mengen an aufgenommen Salz ausscheiden können. (Es sei aber angemerkt das Salzdrüsen fast nur bei Meeresschildkröten vorkommen. Nicht, dass jemand auf die Idee käme seine Süßwasserschildkröten nur mit salzhaltigen Meeresfischen oder Krabben zu füttern.)



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© Michael Daubner 2017Schildkröten im Focus