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Veröffentlicht: 17.01.2016 Share it on Facebook


De Solla, S. R., K. E. Palonen & P. A. Martin (2014): Toxicity of Pesticides Associated with Potato Production, Including Soil Fumigants, to Snapping Turtle Eggs (Chelydra serpentina). – Environmental Toxicology and Chemistry 33: 102–106.

Die Giftigkeit der in der Kartoffelproduktion eingesetzten Pestizide einschließlich der Bodenpestizidbegasung für Schnappschildkröteneier (Chelydra serpentina).


Schildkröten nutzen zur Eiablage häufig Böden, die dicht an Agrarflächen liegen, wo sie dann auch Pestiziden und Düngemitteln ausgesetzt sind. Wir testeten ein Pestzidausbringungsregime, das in Ontario üblicherweise im Kartoffelanbau praktiziert wird, auf seine Auswirkungen und die Überlebensrate von Schnappschildkröteneiern (Chelydra serpentina). Die nachfolgenden Behandlungen wurden an unbehandelten Böden vorgenommen: 1) eine Mixtur aus den Pestiziden Chlorothalonil, S-Metolachlor, Metribuzin, und Chlorpyrifos, und 2) das zur Bodenbegasung genutzte Metam-Natrium. Schildkröteneier wurden innerhalb von damit behandelten Böden draußen im Freiland inkubiert, wobei einige der Flächen mit der üblichen Dosierung und einige mit einer überhöhten Dosierung behandelt worden waren. Die Schildkrötennester waren dabei den natürlichen Witterungsbedingungen ausgesetzt. Es zeigte sich, dass die Pestizidmixtur aus Chlorothalonil, S-Metolachlor, Metribuzin und Chlorpyrifos keine Auswirkungen auf die Überlebensrate hatte und es gab auch keine Anzeichen für Fehlbildungen oder für veränderte Schlüpflingsgewichte bis zu einer zehnfachen Überdosierung gegenüber der normalerweise angewendeten Dosis. Der Schlupferfolg schwankte zwischen 87 % und 100 % für diese Bodenbehandlungen. Metam-Natrium wurde in verschiedenen Dosierungen getestet und zwar in einer 0,1 fachen, 0,3 fachen, 1-fachen (normalen) und 3-fachen Konzentration. Für jede dieser vier getesteten Konzentrationen lag die Mortalitätsrate bei 100 %. Bei den üblichen Anwendungsmethoden in Feldern zum Kartoffelanbau scheint es keine schwerwiegenden Auswirkungen für die Entwicklung der Schildkrötengelege zu geben, allerdings mit der Ausnahme von Metam-Natrium, das selbst in der geringsten Konzentration eine hohe Giftigkeit für die Schildkrötengelege aufweist.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Da kann man froh sein, dass Metam-Natrium in Deutschland längst nicht mehr zugelassen ist, sonst hätten es vielleicht die hiesigen Emys orbicularis Bestände noch schwerer zu überdauern. Allerdings sollte man durchaus auch bei den anderen Pestiziden vorsichtig sein, zum Teil weil sich immer mehr zeigt, dass gerade diese Mixturen Gefahren bergen, die nicht nur darin begründet sind, dass sie Schädlinge töten, die den Schlüpflingen und anderen Tieren als Nahrung fehlen, sondern, dass natürlich die Entwicklung im geschützten Ei nur einen Aspekt darstellt, während es völlig unbekannt bleibt, welche Auswirkungen aufgenommene Pestizidrückstände für die Entwicklung und das Wachstum der Schlüpflinge haben. Viele dieser Bedingungen beginnen wir ja erst jetzt zu verstehen, und die neuesten Erkenntnisse dazu stammen ja aus der Bienenforschung, wo sich ganz klar gezeigt hat, dass gerade der Einsatz verschiedenster Pestizide in der Summe großen Schaden anrichtet. Dort hat man nämlich inzwischen belegt, dass die Mixturen oder die sequenzielle Anwendung verschiedener Pestizide zum Bienensterben beitragen, obwohl jedes einzelne Pestizid als nicht bienengefährlich getestet ist. Hier killt die Summe! Vor Jahren wären solche Arbeiten, die heute in Nature und Science publiziert werden, noch von der Pharmaindustrie als nichthaltbar zunichte argumentiert worden. Seit man allerdings errechnet hat, dass es allein in Deutschland ohne die Bestäubungsleistung der Bienen zu etwa 1,5 Milliarden Euro an Ernteausfällen kommen würde, steht den kommerziellen Interessen der Pharmaindustrie mal ein aufzurechnender Gegenwert gegenüber, der langsam dazu führt, dass auch die Politik umzudenken beginnt. Siehe auch Diskussion in Bidmon (2014).

Literatur

Bidmon, H.-J. (2014): Schweizer Regierung unterstützt großzügig den Infrastrukturaufbau der GEA Chelonia Foundation in Bulgarien. – Schildkröten im Fokus online 2/2014: 1–12.



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© Michael Daubner 2016Schildkröten im Focus