Wissenschaft im Fokus
Diaz-Paniagua, C., A. C.
Andreu & C.
Keller (2006): Effects of temperature on hatching
success in field incubating nests of spur-thighed tortoises, Testudo
graeca. – Herpetological Journal 16 (3): 249-257.
Temperaturauswirkungen auf den Schlupferfolg bei im
Freiland inkubierenden Nestern der Maurischen Landschildkröte
Testudo graeca
Maurische Landschildkröten,
Testudo graeca, legen im
Südwesten Spaniens 3-4 Gelege in flachen Nestern von April bis Juni ab. In
der vorliegenden Studie wurden die Inkubationstemperaturen in Nestern, die im
Freien in einem Schutzgehege im April, Mai und Juni abgelegt worden waren
für vier Jahre aufgezeichnet. Die durchschnittliche Tagestemperatur
während der Inkubation lag bei 27,9 °C, es wurden aber Schwankungen
gemessen, die einen weiten Bereich umfassten, mit einem gemittelten Maximum von
41°C (was auch Nester betraf, bei denen der Schlupferfolg größer
Null war), und es wurde ein absolutes Maximum von fast 50 °C gemessen.
Frühe April-Nester zeigten geringere Durchschnittswerte für die
Tagestemperatur als die intermediären Nester (Mai) und späten Nester
(Juni), obwohl alle Nester meist im Juli, dem heißesten Monat,
vergleichbare Maximaltemperaturen erreichten. Die Inkubationstemperatur wurde
von der Vegetationsbedeckung beeinflusst. Die Inkubationsdauer schwankte
zwischen 67 und 129 Tagen. Denn die Länge der Inkubation war negativ
korreliert mit der Nesttemperatur, so dass frühe Nester eine längere
Inkubationsperiode aufwiesen als intermediäre und späte Nester. Der
durchschnittliche Schlupferfolg lag bei 61 % und wurde hauptsächlich von
den erreichten Maximaltemperaturen beeinflusst. So dass erfolglose (abgestorbene)
Gelege (z.B. kein Ei schlüpfte) diejenigen waren, die sehr hohe
Temperaturen aufwiesen oder die sehr lange hohen Temperaturen ausgesetzt waren.
Die Unterschiede beim Schlupferfolg waren unabhängig vom Ablagemonat,
wurden aber sehr wahrscheinlich von der Ortswahl beeinflusst, an dem das Nest
angelegt wurde. Lethale Temperaturen für die Entwicklung der Embryonen
wurden häufiger im Juli erreicht, deshalb spielt die Vegetationsbedeckung
für die Nester eine wichtige Rolle zur Vermeidung zerstörerischer
Umwelteinflüsse.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine durchaus detaillierte aufschlussreiche Untersuchung, die wichtige Daten
für die Inkubation liefert. Schade, dass bis dato die Geschlechter der
Jungtiere aus den einzelnen Nestern noch nicht bekannt sind oder mit erfasst
wurden. Allerdings gab es auch hier einen kleinen Fehler in Bezug auf die
Planung, denn die Hitze-bedingte Mortalitätsrate stieg von Jahr zu Jahr,
was sehr wahrscheinlich daran lag, dass in dem abgegrenzten Schutzgehege die
Vegetation durch Fraß oder zerstörerische Grabaktivität in
Verbindung mit Trockenheit und Hitze abnahm, was bedeutet, dass im vierten Jahr
zur geschützten Platzierung der Gelege wesentlich weniger Pflanzendeckung
zur Verfügung stand als zu Beginn der Untersuchung, ein Umstand, der auch
von den Autoren im Nachhinein erkannt und diskutiert wurde. Nicht zuletzt sind
diese Temperaturdaten nicht nur in Bezug auf die Inkubation interessant, sondern
auch für die Haltung der adulten Tiere ein guter Anhaltspunkt, um
Vergleiche zu haben welche Frühlings- bzw. Sommerbodentemperaturen für
wie viele Tage so in etwa im natürlichen Lebensraum erreicht werden.
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