Wissenschaft im Fokus
Donaldson, B. M. & A. C.
Echternacht (2005): Aquatic habitat use relative to
home range and seasonal movement of eastern box turtles
(Terrapene carolina carolina: Emydidae) in eastern Tennessee.
– Journal of Herpetology 39 (2): 278-284.
Aquatische Habitatnutzung in Relation zur Homerange und
jahreszeitlichen Wanderungen der Carolina-Dosenschildkröte
(Terrapene carolina carolina: Emydidae)
im östlichen Tennessee
In der Literatur werden Carolina-Dosenschildkröten (
Terrapene
carolina carolina: Emydidae) oftmals als landlebend charakterisiert, mit nur
wenigen Beschreibungen über aquatische Habitate. Der rapide
Rückgang vieler Populationen von Dosenschildkröten lässt eine
dringende Notwendigkeit erkennen, alle Aspekte ihrer Habitatansprüche zu
erforschen. In dieser Studie wurden Trailing-Vorrichtungen und Funktransmitter
verwendet, um saisonale Wanderungen zu bestimmen, wie auch das Ausmaß,
in dem die Schildkröten aquatische Habitate innerhalb ihres
Besiedelungsgebietes (Home-Range) nutzen. Die Größe des
Besiedelungsgebietes reicht im Durchschnitt von 1,88 +/- 0,49 Hektar mittels einer
Minimum-Konvex-Polygon-Analyse und 2,26 +/- 0,76 Hektar bei einer
Fixpunkt-Analyse (Kernel-Analysis). Fixpunkt-Schätzungen sind effektiver bei
der Darstellung von ungleichmäßigen Besiedelungsgebieten und
demonstrieren oft die extensive Nutzung von Wasser. Insgesamt wurden 131
Schildkröten in zwei kleinen, temporären Teichen von Juni bis August
gefunden. Einzelne Schildkröten verblieben für die Dauer von bis zu
23 aufeinanderfolgende Tagen im Teich. Bis zu 32 Schildkröten wurden
gleichzeitig in einem der Tümpel gefunden. Schildkröten dehnen ihre
Home-Range oftmals durch plötzliche, geradlinige Wanderungen durch das
Wasser aus, als Antwort auf hohe Temperaturen und geringen Niederschlag.
Feuchtgebiete haben einen signifikanten Einfluss auf die Lebensweise der
Carolina-Dosenschildkröte. Dosenschildkröten sollten, wo es
angemessen ist, in Entscheidungen, die Feuchtgebiete betreffen, einbezogen
werden.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine sehr schöne Arbeit zur Ökologie und Habitatnutzung
für die Carolina-Dosenschildkröte, die ich aus eigener
Freilandbeobachtung und Haltungserfahrung während meines
mehrjährigen Aufenthalts in North Carolina nur bestätigen kann. Denn
auch dort waren die Tiere während der heißen Sommermonate oft in
großer Individuenzahl in oberflächlich ausgetrockneten
Bachläufen vergraben oder in größeren Pfützen am Rand
von Waldwegen zu finden. Die Schlammoberfläche war oft komplett trocken
mit den typischen tiefen Rissen, und dazwischen gab es dann immer etwa
Mäuseloch große, aber senkrecht nach unten gehende Löcher.
Steckte man ein Stöckchen hinein, konnte man oft noch das Einziehen des
Kopfes spüren. Viele Schildkröten, die sich unter ausgetrockneten
Pfützen in Waldgebieten, die gerade für neue Wohnsiedlungen gerodet
wurden, vergraben hatten, kamen dabei um, weil schwere Baufahrzeuge, die solche
Wege in unregelmäßigen Abständen befuhren, erstens
dafür sorgten, dass sich solche großen Pfützen bildeten
(manchmal über 10 vergrabener Tiere pro Pfütze) und später
oft beim Befahren die darunter im feuchten Schlamm ruhenden Tiere zerquetschten.
Etwas, das man ja heute auch bei uns in den einheimischen Wäldern auf
temporär genutzten Holzabfuhrwegen beobachten kann, wo es meist
Bergmolche und Larven von Feuersalamandern betrifft.
Dennoch musste ich bei der Haltung North Carolina auch lernen, dass die
Dosenschildkröten wohl auf diese Feuchtigkeit bei den dort herrschenden
Sommertemperaturen angewiesen sind, denn meine ersten vier Tiere, die ich in
einem Gehege im Garten hielt, verstarben im ersten Sommer trotz Schutzhaus und
gefüllter Trinkschale. Erst ein großer Laubhaufen, unter dem es feucht
und schattig genug blieb, und später auch ein Schlammloch
ermöglichten eine artgerechte Haltung und Vermehrung, obwohl alle Tiere in
einem Waldgebiet in unmittelbarer Nachbarschaft zum Grundstück
gesammelt worden waren. Sicher, deutsche Sommer sind meist nicht so heiß
wie in North Carolina, deshalb mag es den Tieren hier nicht fehlen, aber ein
entsprechendes Angebot im Gehege oder der Terrarienanlage könnte zur
Verbesserung der Haltungsbedingungen durchaus beitragen.
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