Wissenschaft im Fokus
Fritz, U., A. K.
Hundsdörfer, P.
iroký, M.
Auer, H.
Kami, J.
Lehmann, L. F.
Mazanaeva, O.
Türkozan & M.
Wink (2007): Phenotypic plasticity leads to
incongruence between morphology-based taxonomy and genetic differentiation in
western Palaearctic tortoises (Testudo graeca complex; Testudines,
Testudinidae). – Amphibia-Reptilia 28 (1): 97-121.
Phänotypische Plastizität führt zu einer
Inkonsistenz zwischen der auf Morphologie basierenden Taxonomie und der
genetischen Differentzierung bei westlichen palaearktischen
Landschildkröten (Testudo graeca; Testudines,
Testudinidae)
Landschildkröten aus dem
Testudo graeca Komplex besiedeln ein
zerstückeltes Gebiet, das sich zum Teil über drei Kontinente (Afrika,
Europe, Asien) erstreckt. Es dehnt sich ungefähr 6500 km in einer
Ost-West-Richtung vom östlichen Iran bis zur marokkanischen
Atlantikküste und etwa 1600 km in Nord-Süd-Richtung vom Danube-Delta
bis zur Libyschen Cyrenaica Halbinsel aus. In der jüngsten Vergangenheit
gab es eine rapide Zunahme der gefundenen Taxa. Basierend auf morphologischen
Untersuchungen wurde vermutet, dass die Gruppe aus bis zu 20 distinkten Spezies
besteht und dass sie sich paraphyletisch zu
T. kleinmanni sensu lato
und
T. marginata verhält. Basierend auf den Proben, die aus
repräsentativen Lokalitäten aus dem gesamten Verbreitungsgebiet
stammten, sequenzierten wir das mitochondriale Cytochrom-b-Gen und führten
ein nukleär genomischisches „Fingerprinting“ (Fingerabdruck)
mit der ISSR PCR durch. Der
T. graeca Komplex ist monophyletisch und
ein Schwestertaxon zu einem Taxon, das aus
T. kleinmanni sensu lato und
T. marginata besteht. Der
T. graeca Komplex beinhaltet sechs
gut abgesicherte mtDNS Kladen (A-F). Die höchste Diversität wird in
der Kaukasischen Region gefunden, wo vier Kladen in enger Nachbarschaft
auftreten. Dies lässt in Übereinstimmung mit den Fossilfunden
vermuten, dass die kaukasische Region das Ausbreitungszentrum darstellt. Die
Klade A stimmt mit den Haplotypen aus dem östlichen Kaukasus überein.
Es ist die Schwestergruppe zu einer anderen Klade (B) aus Nordafrika und den
westlichen mediterranen Inseln. Klade C beinhaltet Haplotypen des westlichen
Kleinasiens, dem südöstlichen Balkan sowie der westlichen und
zentralen Kaukasusregion. Die Schwestergruppe dazu ist die vierte weit
verbreitete Klade (D) aus dem Süden und Osten Kleinasiens und der
levantinischen Region (Naher Osten). Zwei weitere Kladen sind im Iran (E,
nordwestlicher und zentral Iran; F, östlicher Iran) verbreitet. Die
Abgrenzung dieser sechs Kladen und die Schwestergruppen-Beziehungen von (A + B)
und (C + D) werden durch die Daten gut gestützt; allerdings ist die
Phylogenie der resultierenden vier Kladen (A + B), (C + D), E und F nur
unzureichend geklärt. Während in einer früheren Studie
(
Fritz et al. 2005a) alle
traditionell anerkannten
Testudo Spezies als distinkte Einheiten anhand
der mtDNS-Sequenzen und ISSR Fingerprints abzugrenzen waren, fanden wir
innerhalb des
T. graeca Komplexes keine nukleär genomische
Differenzierung, die parallel (in Übereinstimmung mit) zu den mtDNS Kladen
ist. Wir schließen daraus, dass alle untersuchten Populationen des
T. graeca Komplexes nach dem Biologischen Spezieskonzept den gleichen
Ursprung haben (sich vom gleichen Vorgänger ableiten). Es gibt wenig
Übereinstimmung zwischen mtDNS Kladen und den morphologisch definierten
Taxa. Morphologisch gut definierbare Taxa wie
T. g. armeniaca oder
T. g. floweri bilden nur Nester (Untergruppen) innerhalb von Kladen,
die geographisch benachbart auftreten., aber morphologisch distinkte
Popopulationen aus anderen Taxa darstellen (Klade A:
T. g. armeniaca,
T. g. ibera,
T. g. pallasi; Klade D:
T. g.
anamurensis,
T. g. antakyensis,
T. g. floweri,
T. g.
ibera,
T. g. terrestris), während Sequenzen aus morphologisch
sehr ähnlichen Schildkröten der gleichen Unterarten (
T. g.
ibera sensu stricto oder
T. g. ibera sensu lato) sich über
zwei bis drei genetisch distinkter Kladen (A, C oder A, C, D) verteilen. Diese
Befunde implizieren, dass es eine hochgradige morphologische Plastizität
(Anpassungsfähigkeit) gibt, die dazu führt, dass Phänotypen
entstehen, die den jeweiligen Umweltbedingungen angepasst sind und von diesen
geformt werden, und dass dies die eigentliche genetische Differenzierung (oder
Abstammung) maskiert. Um nun ein realistischeres taxonomisches Arrangement zu
erzielen, welches die mtDNS Kladen widerspiegelt, schlagen wir vor, die Zahl der
Unterarten für
T. graeca deutlich zu reduzieren und in Bezug auf
den östlichen Teil des Verbreitungsgebiets auf fünf valide Unterarten
zu begrenzen (
T. g. armeniaca,
T. g. buxtoni,
T. g.
ibera,
T. g. terrestris,
T. g. zarudnyi). Da nicht alle
nordafrikanischen Taxa in die vorliegende Arbeit eingeschlossen waren, weichen
wir davon ab alle nordafrikanischen Taxa als synonym mit
T. g. graeca
(mtDNS-Klade B) die eine weitere valide Unterart repräsentiert, anzusehen.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine durchaus gute Studie, die so verwirrend sie sich lesen mag, doch
grundsätzlich „Licht“ ins Dunkel bringt. Denn hier wird uns
einmal klar vor Augen geführt, dass Systematik der abstrakte Versuch ist,
die belebte Umwelt zu beschreiben und dass man je nach den verwendeten
Beschreibungskriterien zu unterschiedlichen Feststellungen kommt – nur
dass diese Feststellungen eben abstrakt sind und nur bedingt als
„Wirklich“ angesehen werden können. Eigentlich ließen
sich darüber treffliche naturphilosophische Abhandlungen schreiben, aber
dafür ist hier nicht der richtige Ort (ich versuche aber den Sachverhalt an
Beispielen zu verdeutlichen). Was uns aber klar sein sollte, ist, dass über
die Gene nur eine Grundausstattung vererbt wird, wie die „Rohform“
aussehen soll, während die Umweltbedingungen dann über bestimmte
Selektionsmechanismen dazu führen, den Morphotyp oder Physiotyp
(=Phänotyp) einer Lokalpopulation zu formen. (Das ist wie bei einer
Automarke, wo die Grundform nach Plan gefertigt wird und dann je nach dem Land,
in welches das einzelne Fahrzeug exportiert werden soll, eine landesspezifische
– na nennen wir's mal – „Sonderausstattung“ eingebaut
wird – also für England und Australien das Steuer nach rechts oder
für Frankreich gelbgetöntes Scheinwerferglas etc.). Dabei kann es
soweit gehen, dass sich zwei genetisch nur sehr wenig bis gar nicht verwandte
Arten sehr ähnlich sehen, weil sie eben von der Umwelt, an die sie sich
anpassen mussten, dazu gezwungen wurden. Das ist etwas, das aus dem
Schulunterricht zur Evolution manchem als konvergente Entwicklung oder
Merkmalsausprägung noch geläufig sein mag. (In England ist eben das
Lenkrad immer rechts, unabhängig von der Automarke). Klare Beispiele aus
der Schildkrötenszene sind laut der Arbeit von
Le et al. (2006): Molecular Phylogenetics and
Evolution 40 (2): 517-531 oder WiF-Archiv Geochelone
elegans (Indische Sternschildkröte), die mit den
Seychellen-Riesenschildkröten genetisch verwandt ist, und Geochelone
platynota (Burmesische Sternschildkröte), die mit den afrikanischen
Arten G. pardalis und G. sulcata genetisch nahe verwandt sein
soll. Beide, die Indische wie die Burmesische Sternschildkröte sehen sich
aber bei oberflächlicher rein morphologischer Betrachtung so ähnlich,
dass sie zunächst als nahe verwandte Unterarten beschrieben worden sind.
Solche Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten müssen sich nicht nur auf die
Morphologie beziehen – auf die bezieht man sich meist nur deshalb, weil
morphologische Merkmale eben auch noch bei Fossilfunden gefunden und verglichen
werden können. Aber es gibt sie auch in Bezug zu physiologischen
Parametern. Wenn man sich z. B. einmal die Ernährung der Burmesischen
Sternschildkröte im Vergleich zur Indischen Sternschildkröte anschaut,
sieht man deutliche Unterschiede, die einem vielleicht sogar andeuten, dass
Erstere mit den genannten afrikanischen Arten näher verwandt ist. Aber all
das sind letztendlich Umweltanpassungen, die dazu geführt haben, dass ein
bestimmter Phänotyp in einer bestimmten lokalen Umwelt herausselektiert
wurde, so dass die entsprechenden Merkmale bevorzugt an die Nachkommen vererbt
werden. Dieser Prozess ist nie statisch und immer im Fluss – siehe dazu
auch die Arbeit und den Kommentar zu Crews et al.
(2006): Brain Research 1126: 109-121 oder WiF-Archiv.
(Das kann man gut mit einer lebendigen Sprache vergleichen, denn die entwickelt
sich auch immer weiter, das hören Sie am besten bei der Jugend, denn was
die heute als „geil“ bezeichnet, haben wir vor gerade mal 20 Jahren
bestenfalls als „schön“ oder „interessant“ oder
„dufte“ umschrieben, und wer das Wort geil damals benutzt
hätte, hätte von der Großmutter wohl eine Ohrfeige erwarten
können).
Da wir aber nun wissen, dass es dieses genetische Konzept bzw. biologische
Konzept – ich würde eher sagen Betrachtungsweise – gibt,
müssen wir als Menschen bzw. Naturbeobachter entscheiden, welches Ziel wir
vor Augen haben, oder was wir mit unserer Beschreibung beabsichtigen: Denn wenn
ich die phylogenetischen Verwandtschafts- und Abstammungslinien
zurückverfolgen und beschreiben will, dann scheinen einem die Gene die
zuverlässigeren Daten zu liefern. Geht es aber darum, zu beschreiben, was
und welcher Phänotyp eines Lebewesens geographisch wo wann vorkam oder
heute noch existiert, dann muss man wohl unabhängig von den Genen den
entsprechenden lokalen Phänotyp beschreiben. (Auch hier eine kleine
Erklärung: Wenn jemand die Struktur, sprich Grammatik einer Sprache, z. B.
Deutsch, analysiert, wird er zu der Erkenntnis kommen, dass in einem Gebiet, das
in Nord-Süd-Richtung von etwa Flensburg bis Deutschlandsberg (Graz) und in
Ost-West-Richtung von etwa Dresden bis Aachen reicht
„Deutschsprachler“ leben, wobei diese Feststellung in etwa dem
entspricht, was das hier praktizierte genetische Artenkonzept beschreibt. Wenn
man nun aber innerhalb dieses deutschen Sprachraums anfängt, die
Ostfriesen, Sachsen, Rheinländer, Schwaben, Bayern und Österreicher
nur anhand ihrer aktuell gesprochen Sprache miteinander zu vergleichen, wird man
unschwer feststellen, dass der Ostfriese oder Sachse kaum noch in der Lage ist,
so manchen schwäbischen oder bayerischen Dialekt zu verstehen, so dass man
nach dem biologischen Artkonzept jetzt anfangen müsste, die
„Deutschsprachler“ in eine ostfriesische, sächsische,
schwäbische usw. Unterart aufzuspalten – wobei man bestenfalls den
Schwaben eine eigene Klade zuschreiben könnte, die Alemannisch sprechen,
weil Alemannisch eine eigene Grammatik hat, die deutlich von der Hochdeutschen
abweicht. Wenn man das weiterführen würde, könnte man
letztendlich jedem Dorf auf der schwäbischen Alb seine eigene Mundart
zuschreiben. Nur, ergibt es einen Sinn, jede Mundart in den Artstatus zu
erheben? Oder ist es vernünftiger zu sagen, es sind alles
„Deutschsprachler“, bei denen sich verschiedene Dialekte
ausgeprägt haben?
Solange wir bei der Beschreibung bleiben, muss uns das auch nicht weiter
verwirren, aber wenn wir anfangen, wie das bei den Artkonzepten eben
häufig noch gemacht wird, dem Beschriebenen einen ganz bestimmten Namen zu
geben, sehen wir uns sehr bald vor dem Problem, dass es plötzlich zwei
Namen für ein- und dieselbe Lebensform gibt (früher war das kein
Problem, denn vor 1970 gab es fast nur ein Konzept, das Biologische). Dabei ist
heute schon abzusehen, dass es vermutlich immer mehr Phänotypen –
sprich biologisch (morphologisch) definierte Beschreibungen – als
Genotypen geben wird. Allerdings auch hier ist Skepsis geboten, denn mit den
modernen molekulargenetischen Möglichkeiten haben wir auch die
Möglichkeit, die aktuell aktiven funktionellen Gene zu analysieren und
geringste Unterschiede auf Populationsniveau statistisch signifikant
hervorzuheben. Die Frage ist, ob wir diese Unterschiede als Definitionskriterien
für neue Arten nehmen wollen. Zudem wird jeder Phänotyp nicht aus DNS
aufgebaut (genauso wenig wie Häuser nicht aus Bauplänen, sondern aus
Baumaterialien wie Steinen, Holz etc. je nach Landstrich verschieden aufgebaut
werden), sondern aus Proteinen, deren Bildung und Vernetzung wieder
vielfältigen Regulationsmechanismen unterliegen – die auch der
Selektion unterliegen – und das neue Wissenschaftsgebiet, das wir heute
als „Proteomics“ bezeichnen, wird vielleicht in naher Zukunft dazu
führen, dass wir parallel zu den heute diskutierten biologischen und
genetischen Konzepten ein „Protein-basiertes Konzept“ und wie
jüngst in Zeitschrift Nature Genetics schon angedeutet, ein
„Transkriptions-Effiziens-basiertes Konzept“ hinzubekommen
könnten. Das ist aber mit einer der Gründe, warum ich der modernen
Systematik in Bezug auf die Artbeschreibung so kritisch gegenüber stehe und
es eigentlich begrüße, die Zahl der Arten zu begrenzen, weil wir eben
ein Mindestmaß an Übereinstimmungskriterien unter einen Hut (sprich
Artnamen) bringen müssen, und da kann ich nur immer wieder betonen,
dass, wenn wir es auf unsere eigene Spezies den Homo sapiens
beziehen,
mal ganz klar festhalten müssen, dass es nach einem biologischen
Phänotyp-basierten Konzept sicherlich einen Homo sapiens
„africanus“
und einen Homo sapiens
„europaeus“
geben könnte, die sich sowohl bezüglich
morphologisch-physiologischer Merkmale als auch von der Geographie her klar
trennen ließen, aber genetisch eben nicht, oder nur dann, wenn wir
wirklich sehr weit ins Detail gehen würden, was aber nach allem, was wir
derzeit wissen, nicht sinnvoll wäre (oder würden Sie der Rassenlehre
des Dritten Reichs wieder zustimmen wollen, wobei auch diese Wissenschaftler nur
von Rassen und nicht von Unterarten gesprochen haben?). Und gerade was die
Schildkröten anbelangt, sehe ich das sehr ähnlich, weil eben für
Schildkröten bekannt ist, dass sie so viele anscheinend auch in der Natur
vorkommende, fertile Hybriden bilden können (s.
Stuart & Parham
(2007): Conservation Genetics 8 (1): 169-175 oder
WiF-Archiv, Lara-Ruiz et al. (2006) Conservation
Genetics 7 (5): 773-781 oder SiF 1/07 bzw. die
entsprechenden Kommentare). Arten, die z. B. durch die letzte Eiszeit bedingt
getrennte Populationen bildeten, denen manche heute schon Artstatus zuschreiben,
könnten sich in der nächsten gerade drohenden Warmzeit mit steigendem
Wasserspiegel und Überschwemmungen wieder vereinen, um vielleicht 20.000
Jahre später mit der nächsten Kaltzeit wieder in mehrere Relikt- bzw.
erneut geographisch getrennte Lokalpopulationen aufgespalten zu werden. Das ist
letztendlich die Langzeitdynamik, die diesen Prozessen zugrunde liegt, und da
ich es einmal unter dem praktischen Aspekt des Überlebens sehen möchte
– denn die, die als Phänotyp tot sind, haben's eben nicht geschafft
(siehe unten) –, verstehe ich unter Management einschließlich des
„Artmanagements“ alles zu unterlassen, was die genetische
Diversität (Vielfalt) beschneiden könnte, weil nach allem, was wir bis
heute wissen, nur sie die besten Überlebensmöglichkeiten und das
höchste Anpassungspotential für sich zwangsläufig
verändernde Lebensbedingungen bietet. Wir haben doch auch klare Beispiele
für das genaue Gegenteil, wo manche Arten oder Rassen über
Generationen durch den Menschen so rein gehalten wurden, dass sie heute nur noch
unter hohem medizinischem Einsatz gesund zu erhalten sind. Außerdem ist es
ja wie ich finde sehr beruhigend, dass viele Arten streng genommen gar nicht
wirklich aussterben (was verloren geht sind nur ganz bestimmte distinkte
Phänotypen für die es in einer veränderten Umwelt keinen Platz
mehr gibt oder gegeben hat). Ein schönes Beispiel dafür ist der Tarpan
– der als westliches Urwildpferd als ausgestorben gilt – seine Gene
sind aber nicht wirklich verloren sie sind weiterhin Bestandteil des genetischen
Materials der Hauspferde und weil das so ist konnte man durch ganz bestimmte
„Rück“-Kreuzungen den Tarpan zurückzüchten wie die
Herde im Wildpark Sababurg zeigt. Es ist also in der Natur und mit der DNS
häufig nicht so, dass sie wirklich vernichtet oder im wahrsten Sinne des
Wortes ausgestorben ist, sie befindet sich nach x-Anpassungsprozessen
geringfügig durch Mutationen verändert nur in einem anderen
Phänotyp wieder der meist an die aktuell auf ihn einwirkende Umwelt besser
angepasst ist. Und genau an dieser Stelle spiegelt sich auch die ganze
Abstraktheit der Systematik wider, denn die Natur die sich ja nicht selbst
reflektiert oder moralisch oder in Werten denkt hat mit der Vererbung der DNS
ein System zur Selbstkopie mit Anpassungspotential heraus evoluiert für
dass es ganz selbstverständlich ist, dass in einer veränderten Umwelt
zwar nicht der Genpool verloren geht aber eben bestimmte Phänotypen auf der
Strecke bleiben und/oder durch andere ersetzt werden (auch unsere Gene stimmen
zu fast 97% mit jenen des Schimpansen überein weil sowohl der Schimpanse
als auch wir die Gene unseres letzten gemeinsamen Vorfahren in uns tragen). Nur
weil wir Menschen abstrakt reflektieren können und in moralischen
Wertekategorien denken tut es uns leid oder wir empfinden es als Wertverlust,
wenn plötzlich ein bestimmter Phänotyp weg ist. Verstehen sie mich
bitte nicht falsch, ich möchte hier auf gar keinen Fall, dass vom Menschen
hausgemachte Artensterben beschönigen und ich bekenne mich klar zum
Artenschutz aber unabhängig davon muss man doch auch mal einfach zur
Kenntnis nehmen, dass diese Sachverhalte als natürliche Gegebenheiten,
wertfrei schon zu Zeiten abgelaufen sind als es noch gar keine Menschen mit
ihren eigenen abstrakten systematischen Einteilungen und Wertevorstellungen gab.
(Interessant in diesem Zusammenhang sind auch die Arbeiten und die Kommentare zu
Crews et al. (2006): Brain Research 1126: 109-121
oder WiF-Archiv und
Gerlach et al. (2006): Journal of Natural History 40 (41-43):
2403-2408. oder WiF-Archiv)
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