Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 10.04.2011
Fritz, U., W. R. Branch, M. D. Hofmeyr, J. Maran, H. Prokop, A. Schleicher, P. Siroky, H. Stuckas, M.
Vargas-Ramirez, M. Vences & A. K. Hundsdoerfer (2011): Molecular phylogeny of African hinged and helmeted terrapins (Testudines:
Pelomedusidae: Pelusios and Pelomedusa). – Zoologica Scripta 40 (2): 115-125.
Die molekulare Phylogenie der afrikanischen Klappbrust- und Pelomedusenschildkröten (Testudines: Pelomedusidae:
Pelusios und Pelomedusa).
Mit 18 derzeitig anerkannten Spezies ist Pelusios eine der artenreichsten Schildkrötengattungen weltweit, obwohl der taxonomische
Status für einige Arten unklar ist. Neuere Untersuchungen lassen vermuten, dass die nahe verwandte aber morphologisch distinkte Gattung
Pelomedusa paraphyletisch ist in Bezug zu
Pelusios und dass
Pelomedusa neun stark divergente Linien beinhaltet.
Unter Verwendung von drei mitochondrialen und drei nukleären DNS-Fragmenten (2054 bp mtDNS, 2025 bp nDNS) untersuchten wir erstmals die
Phylogenie von
Pelusios molekularbiologisch. Unsere Analysen umfassten sowohl alle
Pelusios-Spezies mit Ausnahme der
wahrscheinlich ausgerotteten
P. seychellensis, als auch die neun Linien von
Pelomedusa. Die Ergebnisse zeigen, dass
Pelusios und
Pelomedusa reziprok monophyletisch sind. Die begrenzte Probenzahl für
Pelusios-Arten und die
Homoplasie durch eingebrachte Außengruppen sind sehr wahrscheinlich die Erklärung für die Paraphylie bei Pelomedusa in den
früheren Arbeiten. Die Einzigartigkeit wurde für die meisten Pelusios-Spezies bestätigt, aber keine der derzeitig anerkannten
Artengruppen innerhalb der Gattung
Pelusios war monophyletisch. Innerhalb von
Pelusios rhodesianus und
P.
sinuatus entdeckten wir distinkte Linien, die vermuten lassen, dass kryptische Taxa vorhanden sind. Im Gegensatz dazu ist die
Anerkennung der nur schwach differenzierten
P. castaneus und
P. chapini als eigenständige Spezies ebenso zweifelhaft
wie die Validität der madagassischen und seychellischen Unterarten von
P. castanoides. Genbank Sequenzen von
P.
williamsi lagen innerhalb von
P. castaneus, aber die deutlich distinkten morphologischen Unterschiede beider Spezies lassen es
als wahrscheinlich erscheinen, dass die Genbank-Sequenzen (die von einem Exemplar aus dem Tierhandel stammen) auf einer Fehlbestimmung
basieren. Die Divergenz zwischen den distinkten genetischen Linien der Gattung Pelomedusa ist gleich jener oder etwas höher als die
Differenzen zwischen den
Pelusios-Arten was vermuten lässt, dass
Pelomedusa einen Artenkomplex darstellt.
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