Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 14.03.2010
Gallaway, T., R. N. Olsen & D. M. Mitchell (2010): The economics of global light pollution. –
Ecological Economics 69 (3): 658-665.
Die Ökonomie der globalen Lichtverschmutzung.
Diese Arbeit repräsentiert eine der ersten Analysen der ökonomischen Faktoren, die sich aus einer globalen Lichtverschmutzung
(Verschwendung) ergeben. Lichtverschmutzung bezieht sich im Allgemeinen auf den übermäßigen und unnötigen Gebrauch von
künstlich erzeugtem Licht und einer schlechten Planung bei der Gestaltung von Lichtanlagen und Lampen. Lichtverschmutzung generiert
erhebliche Kosten, die auch die negativen Auswirkungen für Wildtiere, die Gesundheitsversorgung, Astronomie und die damit verbundene
Energieverschwendung mit einbeziehen, was sich allein für die USA pro Jahr auf annähernd 7 Milliarden Dollar beziffern lässt.
Die derzeitigen wissenschaftlichen Modelle zur Erfassung der Lichtverschmutzung sind rein populationsbasiert. Die hier vorgelegte Arbeit
benutzt eine weitreichende Datenerfassung unter Einbezug der ökonomischen Daten der Weltbank, um die ökonomischen Gründe und
Auswirkungen für die globale Lichtverschmutzung zu quantifizieren. Fraktionale Logitmodelle zeigen, dass vergleichbar mit anderen Arten
der Umweltverschmutzung, sowohl Populationen (Staatenbezogen) als auch GDP bedeutende, aber verschiedene Erklärungen dafür
liefern.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Nun so mancher wird sich fragen, was das mit Schildkrötenschutz zu tun hat, aber natürlich gehören zu einer global
umfassenden Betrachtungsweise auch die Kosten zur Lichtverschmutzung, die im Naturschutz aufgebracht werden müssen, damit sich
Nistpopulationen von Meeresschildkröten wieder erholen, die in der Vergangenheit durch unangebrachte Strandbeleuchtungen für
Touristen gefährdet wurden. Dass Licht nicht nur vor Gefahren bei Nacht schützt ist auch klar, denn wenn wir mit künstlicher
Beleuchtung die Nacht zum Tage machen, stören wir unsere circadiane Rhythmik und unser endokrines System, was zu etlichen
Gesundheitsproblemen führt, die jedem, der z. B. als Schichtarbeiter/in tätig ist, geläufig sein dürften. Auch diese
Kosten gehen zum Teil mit in die Berechnung ein, genauso wie die Umweltkosten, die für die Bereitstellung der Energie zu Lichterzeugung
anfallen, wozu Erdgas und Öl sowie Kohle und Kernenergie zählen. Da kann jeder für sich selbst entscheiden, wie er oder sie
zur Lichtverschmutzung beitragen will, wobei man fast schon sagen muss, dass selbst wir als Terrarienbeleuchter etwas zu diesen
lichtverschmutzungsbezogenen Umweltkosten beitragen dürften. Es hat eben alles seine zwei Seiten, und zu einer ehrlichen globalen
Betrachtungsweise und Situationsanalyse gehört eben der Einbezug aller Faktoren. Insofern nützt es wenig, sich über desolate
Zustände in Endlagern für Atommüll wie der Asse oder über durch den Braun- und Steinkohleabbau verunstaltete
Landschaften aufzuregen, ohne sich auch selbst zu fragen, wie habe ich oder meine Gemeinde durch übermäßigen
Energieverbrauch dazu beigetragen.
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