Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 20.12.2009
Germano, D. J. & R. B. Bury (2009):
Variation in Body Size, Growth, and Population Structure of Actinemys
marmorata from Lentic and Lotic Habitats in Southern Oregon. –
Journal of Herpetology 43 (3): 510-520.
Variationen in der Körpergröße, dem
Wachstum und der Populationsstruktur von Actinemys
marmorata aus lentischen und lotischen Habitaten in
Süd-Oregon
Körpergrößen und Wachstum von Schildkröten werden von
vielfältigen Umweltfaktoren beeinflusst, einschließlich der
Temperaturregime. Kleine lentische (stehende Gewässer) Habitate an den
nördlichen Breitegraden zeigen im Sommer oft Temperaturzonen, und insgesamt
ergeben sich in kleinen lentischen Gewässern wärme Temperaturen als in
lotischen (fließenden) Habitaten, die häufig aufgrund der
Strömung keine Zonen aufweisen. Einige Studien zeigen, dass die Menge der
aufgenommenen Nahrung und die Wachstumsrate von Schildkröten sowie die
Körpergröße in warmen Habitaten höher liegt als in
kühleren Habitaten. Allerdings wurden bislang nur wenige Lokalitäten
untersucht. Um diese Muster zu testen, verglichen wir das Wachstum, die
Körpergröße und die Populationsstruktur der Pazifischen
Sumpfschildkröte (Actinemys marmorata) aus sechs kleinen lentischen und
vier lotischen Habitaten im südlichen Oregon. Wir fanden, dass die
Körpergröße der Adulten und die Wachstumsraten in allen vier
lotischen Habitaten gleich waren, während diese Parameter in den lentischen
Habitaten variabler ausfielen, aber nicht generell höher lagen, als in den
lotischen. Es gab einen hohen Anteil großer Schildkröten in allen
lotischen Lokalitäten, während in den lentischen Habitaten sehr
variable Adultgrößen gefunden wurden. In den meisten Lokalitäten
ging die Alterstruktur nicht mit der Größenstruktur einher, denn wir
fanden viele junge Schildkröten in den Populationen, aber nur wenige
Individuen mit geringer Körpergröße. Deshalb mahnen wir zur
Vorsicht, Körpergröße als ein zuverlässiges Maß zur
Abschätzung der Populationsstruktur zu nutzen, bzw. um Prognosen für
Populationstrends bei Schildkröten zu erstellen. Zusätzlich zeigt
unsere Studie, dass man für solche Untersuchungen eine relativ große
Anzahl an Lokalitäten untersuchen sollte (größer gleich drei
für jeden Habitattyp), was die Zuverlässigkeit der Ergebnisse
wesentlich beeinflusst.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Sicher eine sehr schöne Studie, die eigentlich zeigt, wie genau man
hinschauen muss, um die Situation der Populationstrends wirklich
abzuschätzen. Auch bei der privaten Haltung spielen die lokalen
Haltungsbedingungen eine wichtige Rolle für Wachstum von Schildkröten
und die Entwicklung der Zuchtgruppen. Zudem beobachten wir auch bei der privaten
Haltung, dass viele Halterinnen und Halter oft Rückschlüsse für
die „richtige“ bzw. artgerechte Haltung postulieren, die häufig
auf Erfahrungen beruhen, die sie an einer nur geringen Individuenzahl
festmachen. Zudem wundert es mich dann auch, wie schnell manche Halterinnen und
Halter zu so genannten Experten und Trendsettern hochstilisiert werden, deren
Aussagen und Meinungen dann als der neue richtige Weg für artgerechte
Haltung propagiert wird. Manche sind zum Teil selbst noch so jung, dass man
annehmen kann, dass sie allein aufgrund ihres Alters wohl kaum die
Möglichkeiten hatten, einen Schlüpfling artgerecht bis zur
Geschlechtsreife aufzuziehen, geschweige denn auch noch mehrjährige
erfolgreiche Nachzuchterfahrung selbst gesammelt zu haben. Da fragt man sich
dann schon, sollten wir nicht etwas vorsichtiger mit dem umgehen, was da so
propagiert wird, und etwas genauer hinschauen, wer da meint, unter welchen
Bedingungen und mit wie viel Schildkröten nun den wahren Weg zur optimalen
Haltungen gefunden zu haben. Gleiches gilt wohl auch für den
reptilienerfahrenen veterinärmedizinischen Sektor. Sicher gibt es
altgediente, gute, reptilienerfahrene Veterinäre, aber ist auch jeder schon
erfahren, der da zwei Wochenendseminare besucht hat und oft nur das
nacherzählt, was er oder sie irgendwo gehört hat? Siehe auch:
Lubcke & Wilson (2007).
Literatur
Lubcke, G. M. & D. S. Wilson (2007): Variation
in shell morphology of the Western Pond Turtle (
Actinemys marmorata
Baird and
Girard) from
three aquatic habitats in northern California. – Journal of Herpetology 41
(1): 107-114 oder
WiF-Archiv.
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