Wissenschaft im Fokus
Giles, J. C., J. A. Davis, R. D. McCauley & G.
Kuchling (2009): Voice of the turtle: the underwater acoustic repertoire
of the long-necked freshwater turtle, Chelodina oblonga. – The
Journal of the Acoustical Society of America 126 (1): 434-443.
Die Stimme der Schildkröte: Das akustische
Unterwasserrepertoire der Schlangenhalsschildkröte, Chelodina
oblonga
Chelodina oblonga ist eine Schlangenhalsschildkröte, die
überwiegend in den Feuchtgebieten der Swan-Küstenebene im westlichen
Australien vorkommt. Schildkröten aus drei Populationen wurden in
künstlichen Umgebungen, die ihre natürlichen Habitate nachstellten,
untersucht, indem innere Lautäußerungen aufgezeichnet wurden. Die
Aufzeichnungen erfolgten von Sonnenuntergang bis Mitternacht. Ein vokales
Repertoire von 17 unterscheidbaren Kategorien konnte für diese
Schildkröten beschrieben werden mit Rufen, die sowohl komplexe als auch
einfache, kurze, laute spektrale Strukturen aufwiesen. Die Vokalisationen
beinhalteten Knacklaute, Klicklaute, Quaken, Krähen, kurze Zirplaute,
hochfrequentes kurzes Trillern, mittleres Trillern, lang anhaltendes Trillern,
hochfrequente Rufe, Schreie oder Abwehrrufe, „Hooos“, Grunzlaute,
aggressive Rufe, Blaslaute, Staccatos, ein wildes Heulen und anhaltendes
Trommeln. Ebenso wurde eine anhaltende Vokalisation während der
Fortpflanzungsmonate beobachtet, die aus rhythmisch endenden Pulssequenzen
bestanden. Es wurde die Hypothese aufgestellt, dass diese
Lautäußerung einem akustischen Anzeige- und Schauverhalten (Balz-
bzw. Revierverhalten) dienen.
Chelodina oblonga lebt häufig in
einer Umgebung, in der die Sicht sehr eingeschränkt ist, da es sich um
komplexe stark strukturierte (bewachsene) Habitate handelt, oder es gibt zu
wenig Licht aufgrund der hohen Tanninfärbung oder Trübung des Wassers.
Somit könnte die Nutzung von Lauten ein wichtiger Bestandteil zur
Kommunikation über größere Entfernungen sein, die weit über
die visuellen Möglichkeiten hinausreichen. Diese Studie berichtet auch
über die ersten überhaupt gemachten Aufzeichnungen über das
akustische Unterwasserrepertoire von aquatischen Schildkröten.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Auch hier ein schönes Beispiel, dass selbst die als allgemein sprachlos
anzusehende Schildkröten, wenn es die Umweltbedingungen erfordern, ein
gewisses „Sprachpotential“ oder zumindest akustisches
Kommunikationspotential entwickeln und nutzen. Da wir sehr wahrscheinlich davon
ausgehen können, dass sie wie andere höhere Lebewesen auch wissen, was
diese Laute für sie bedeuten, können wir wohl auch hier von einer Art
Sprache ausgehen, deren Nutzung wohl nicht nur angeboren ist, sondern wohl auch
auf ein gewisses akustisches Lernvermögen schließen lässt.
Schaut man sich die neueren – wie ich meine hypothetischen –
Untersuchungen zum Lautäußerungspotential des Neandertalers an, dann
sind gewisse Übereinstimmungen unverkennbar. Nur um mal wieder daran zu
erinnern, wie wir so manches Verhalten im Tier- und Menschenreich – oder
sollte ich besser sagen Tierreich einschließlich des Menschen – zu
bewerten haben. Siehe auch: Poschadel, J. R., Y.
Meyer-Lucht & M. Plath (2006): Response to chemical cues from
conspecifics reflects male mating preference for large females and avoidance of
large competitors in the European pond turtle, Emys orbicularis
.
– Behaviour 143: 569-587 oder
WiF-Archiv.
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Schmalbrust-Schlangenhalsschildkröte, Chelodina oblonga |
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