Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 13.03.2011
Gracia, E., A. Gimenez, J. D. Anadon, F. Botella, S. Garcia-Martinez & M. Marin (2011): Genetic
patterns of a range expansion: The spur-thighed tortoise Testudo graeca graeca in southeastern Spain. – Source:
Amphibia-Reptilia 32 (1): 49-61.
Das genetische Arealausbreitungsmuster: Die Maurische Landschildkröte Testudo graeca
graeca in Südostspanien.
In der vorliegenden Arbeit analysierten wir die genetische Struktur der Populationen der Landschildkröte
Testudo graeca
graeca in Südostspanien, die eine kürzlich erfolgte Lebensraumausdehnung von Nordafrika aus darstellt. Das Studium und die
Auswertung der genetischen Verbreitungsmuster für diese Art kann Informationen zum Besiedlungsprozess liefern, was in Bezug auf den
Gefährdungsstatus sehr hilfreich sein kann, um entsprechende Management- und Erhaltungsmaßnahmen zu implementieren. Wir benutzten
Mikrosatellitenmarker, um 17 Populationen entlang der Küstenregion in Südostspanien und einer externen Gruppe aus Algerien zu
untersuchen. Es zeichneten sich drei genetische Einheiten ab. Sie zeigten eine räumliche Kohärenz, und aus der Klusteranalyse
ergab sich ein moderates Durchmischungsmuster. Außerdem wurde mit zunehmender Entfernung innerhalb der gesamten Untersuchungsregion
ein Isolierungsmuster gefunden. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass die südostspanischen Populationen seit ihrer Isolation von den
nordafrikanischen Populationen und während ihrer natürlichen Verbreitung in Südostspanien ein komplexes
räumlich-genetisches Muster ausprägten. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass menschliche Aktivitäten wie Haltung,
Nachzucht in Gefangenschaft sowie wieder Aussetzung und Verfrachtung (Translokation) in einigen der südspanischen Populationen eine
relevante Rolle in Bezug auf die Modifikation der genetischen Struktur spielten. Aus diesem Grunde sollten Erhaltungsmaßnahmen, die
mit Umsiedlungsmaßnahmen einhergehen, mit größerer Zurückhaltung und Vorsicht durchgeführt werden.
Kommentar von Hans-Jürgen Bidmon
Auch hier zeigt sich wie in der Arbeit von Vamberger et al. (2011) sowie
Georges et al. (2008) der menschliche Einfluss auf die europäischen Testudo graeca
Vorkommen.
Hier geht die Interpretation der Studien so weit, dass man den einzelnen Populationen einen gewissen Differenzierungsgrad zugesteht, sodass
man, wenn man diese Eigenheiten dieser Lokalpopulationen weiter aufrecht erhalten möchte, von Umsiedlungs- oder
Wiederaussetzungsmaßnahmen absehen sollte. Mir persönlich erscheint das in Bezug auf die Erhaltung nicht so wichtig, aber wenn
man das Ganze als zu verfolgendes Experiment ansehen möchte, um nachzuvollziehen, in welchen Zeiträumen und unter welchen
Lokaleinflüssen sich Populationen separieren und in eigenständige Richtungen entwickeln, scheint das sinnvoll. Da es sich
allerdings dabei um eine langlebige Spezies handelt, müssten dann auch die Maßnahmen, langfristig, ja sogar über mehrere
menschliche Generationen hinweg angelegt sein.
Literatur
Georges, A., E. Alacs, M. Pauza, F. Kinginapi, A. Ona & C. Eisemberg (2008): Freshwater turtles of the
Kikori Drainage, Papua New Guinea, with special reference to the pig-nosed turtles,
Carettochelys insculpta. – Wildlife
Research 35: 700-711 oder
WiF-Archiv.
Vamberger, M., C. Corti, H. Stuckas & U. Fritz (2011) Is the imperilled spur-thighed tortoise (
Testudo
graeca) native in Sardinia? Implications from population genetics and for conservation – Amphibia-Reptilia 32 (1): 9-25 oder
WiF-Archiv.
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