Wissenschaft im Fokus
Greaves W. F. & J. D. Litzgus (2008):
Chemical, thermal, and physical properties of sites selected for overwintering
by northern wood turtles (Glyptemys insculpta). – Canadian
Journal of Zoology – Revue Canadienne de Zoologie 86: 659-667.
Chemische, thermische und physikalische Eigenschaften der
Überwinterungsorte, die von überwinternden, nördlichen
Waldbachschildkröten (Glyptemys insculpta)
ausgewählt werden
Die nördlichsten wechselwarmen Tiere müssen sich Rückzugsrefugien
suchen, die sie für einen Großteil ihres jährlichen Lebenszyklus
vor den harschen Winterbedingungen schützen. Das Ziel dieser Studie war,
die physikalischen Eigenschaften der von Waldbachschildkröten,
Glyptemys insculpta (
LaConte, 1830),
ausgewählten Überwinterungsorte zu quantifizieren, wobei es sich hier
um die nördlichsten Verbreitungsgebiete für die Spezies handelt. Wir
zeichneten alle strukturellen Parameter auf (z. B. Wurzelstöcke,
Baumstämme) sowie die Wassertiefe und die Sedimenttypen entlang eines 1,5
km langen Flussabschnitts, der von mit Radiosendern ausgestatteten
Schildkröten (n=8) während eines Winters aufgesucht wurde. Die
Temperaturselektion der Tiere wurde erfasst, indem die Temperatur direkt an den
Tieren gemessen wurde, und zusätzlich wurden Temperaturfühler im Fluss
am Grund und an – beziehungsweise unter – bestimmten
Unterwasserstrukturen sowie Flusshabitaten wie Plumpen oder Tümpeln oder
Uferunterspülungen angebracht. Die lösliche Sauerstoffkonzentration
(DO) wurde an jedem Messpunkt im Fluss und auch direkt an den Schildkröten
gemessen. Die Schildkröten wählten Orte mit einer kalten Temperatur
von unter ~0 °C, die stabil blieb und wo die DO mit 12.64 ppm höher als
in den angrenzenden Vergleichshabitaten lag. Einige Schildkröten
wählten strukturierte Überwinterungsrefugien. Die Winterwanderungen
der Schildkröten erfolgten unabhängig von der Wassertemperatur und dem
Sauerstoffgehalt, stehen aber sehr wahrscheinlich in Beziehung zur Uferlinie, um
einen ganz bestimmten Abstand zum Ufer einzuhalten, und zur Wassertiefe und
dienen wahrscheinlich dazu, ein leichtes Verdriften mit der Strömung
auszugleichen. Wir diskutieren den besonderen Stellenwert dieser
Überwinterungsorte als einen limitierenden Faktor für das
Überleben und die Verbreitung dieser gefährdeten
Waldbachschildkröten in Kanada.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Die Arbeit stellt eine sinnvolle Fortführung früher Untersuchungen
dar (siehe Greaves, W. F. & J. D. Litzgus
(2007): Overwintering ecology of Wood Turtles (Glyptemys insculpta
) at
the species' northern range limit. – Journal of Herpetology 41 (1): 32-40
oder SiF 4 (3) 2007). Dort ist diese Art der
Überwinterung in Bezug auf die häufig praktizierte Überwinterung
in Gefangenschaft auch kommentiert. Hier gäbe es nun noch
hinzuzufügen, dass anscheinend für G. insculpta
auch ein
relativ hoher Sauerstoffgehalt des Wassers für die Überwinterung
bevorzugt wird, der – will man möglichst naturnah und problemlos
überwintern – eventuell durch eine entsprechende Belüftung und
Umwälzung des Wassers zu gewährleisten wäre.
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