Wissenschaft im Fokus
Günther, P., M. Fehr, K. Mathes & M.
Hewicker-Trautwein (2009): Osteolytische Panzernekrose des Plastrons
einer Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca) mit Beteiligung
des keratinolytischen Pilzes Scopulariopsis sp. –
Tierärztliche Praxis Ausgabe Kleintiere Heimtiere 37 (1): 45–50.
Osteolytische Panzernekrose des Plastrons einer
Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca)
mit Beteiligung des keratinolytischen Pilzes Scopulariopsis sp. –
Tierärztliche Praxis Ausgabe Kleintiere Heimtiere 37 (1): 45–50.
Gegenstand und Ziel: Darstellung der Diagnostik sowie der Therapie und Ursachen
der Panzernekrose bei der Landschildkröte. Material und Methoden: Der Fall
einer Maurischen Landschildkröte (
Testudo graeca), die post
hibernationem mit nässendem Panzer vorgestellt wurde, wird dargestellt und
diskutiert. Ergebnisse: Mittels Röntgen und CT ließ sich eine
osteolytische Panzernekrose diagnostizieren. Nach in Narkose durchgeführtem
Wunddébridement der bis auf das Peritoneum reichenden Nekrose konnte
durch intensive Wundbehandlung eine Heilung des Panzers herbeigeführt
werden. Mikrobiologisch wurde neben einer bakteriellen Mischinfektion ein Pilz
der Spezies
Scopulariopsis, Verursacher der humanen Onychomykose, als
Erreger identifiziert. Schlussfolgerung: Auch tiefgehende Panzernekrosen
können unter intensivem Wundmanagement zufrieden stellend abheilen. Dies
ist der erste beschriebene Fall einer Panzernekrose bei einer
Landschildkröte mit möglicher Beteiligung eines keratinolytischen
Pilzes der Spezies
Scopulariopsis.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine interessante Arbeit, die zeigt, dass auch solche Pilze, die Infektionen
beim Menschen verursachen, den Schildkrötenpanzer angreifen können und
wohl auch umgekehrt. Allerdings ist es schade, dass die Autoren nicht einen
Fachmann für eine sichere Artbestimmung des Pilzes zurate gezogen haben.
Denn laut Prof. Mutters vom Hygieneinstitut der Universität Marburg sind
diese Pilze der Gattung ,die bislang bekannt, sind ausschließlich
kerationolytisch, also hornzersetzend und es ist bislang keine Art bekannt, die
auch den Knochen angreifen würde, also auch osteolytisch wäre.
Insofern wäre es sicher von Interesse, diese Art genauer bestimmt zu haben.
Im Allgemeinen kann man sich auch kaum vor Pilzen dieser Gattung schützen,
denn auch der Hausschimmel gehört dazu und Sporen dieser, die eine
charakteristische Form habe,n finden sich auch häufig wohl als
Darmpassanten in Kotproben von vielen Landschildkröten. Auch gerade
tropische Arten, die im Winter in Terrarien beziehungsweise
Schildkrötenräumen gepflegt werden, in denen sich oft bedingt durch
die relativ hohe Luftfeuchte Pilze und deren Sporen anreichern, findet man
häufig Scopulariopsis-Sporen, wobei wohl jene der Art S. brevicaulis die
häufigsten stellen. Dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt,
bestätigt sich immer wieder dadurch, dass man sie auch in den Kotproben aus
anderen Schildkrötenhaltungen findet, ohne dass es dort bislang zu
Infektionen und Erkrankungen gekommen ist. Insofern ist der oben geschilderte
Fall schon von Interesse und wenn noch möglich, sollte man durchaus eine
Artbestimmung vornehmen oder abklären, unter welchen Umständen so weit
verbreitete Pilze als Ursache einer Panzerläsion fungieren
können.
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Maurische Landschildkröte, Testudo graeca |
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