Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 11.10.2009
Harden, L. A., S. J. Price & M. E. Dorcas
(2009): Terrestrial Activity and Habitat Selection of Eastern Mud Turtles
(Kinosternon subrubrum) in a Fragmented Landscape: Implications for
Habitat Management of Golf Courses and Other Suburban Environments. –
Copeia 2009 (1): 78-84.
Terrestrische Aktivität und Habitatselektion der
Pennsylvania Klappschildkröte (Kinosternon
subrubrum) in einer fragmentierten Landschaft:
Auswirkungen für das Habitatmanagement von Golfplätzen und anderen
suburbanen Anlagen
In urbanisierten Landschaften stellen Teiche auf Golfplätzen oft die
letzten verbleibenden Habitate für semiaquatische Tiere dar.
Pennsylvania-Klappschildkröten (
Kinosternon subrubrum), die sehr
darauf angewiesen sind, sowohl aquatische als auch terrestrische Habitate zur
Verfügung zu haben, lassen es notwendig erscheinen, Golfplätze
umzugestalten, da deren Anlage typischerweise zu einer bedeutenden Umgestaltung
und Fragmentierung (Zerstückelung) der Landschaft führt. Wir
führten dazu eine radiotelemetrische Studie mit 11 Klappschildkröten
durch, die einen Teich innerhalb eines Golfplatzes im westlichen Piedmont von
North Carolina besiedeln, um ihre terrestrischen Aktivitäten und ihre
Habitatselektion in dieser fragmentierten Landschaft zu untersuchen. Die meisten
der Schildkröten wanderten während des späten Sommers in
terrestrische Habitate ab, wobei eine mittlere Distanz (Wanderstrecke) (SE) von
187,2 +/- 67,4 m zurückgelegt wurde. Vermisst man die mittlere geradlinige
Entfernung vom Teich aus (SE), so ergeben sich 119,3 +/- 47,4 m. Wir bestimmten
die Habitatselektion unter Anwendung der logistischen Regression, um einen
Vergleich der von den Schildkröten aufgesuchten Lokalitäten zu
zufällig vorhandenen Lokalitäten durchzuführen, wobei sich
herausstellte, dass Klappschildkröten bewaldete Landhabitate mit einer
moderaten Baumkronenbedeckung und ohne Gras als Unterwuchs bevorzugen.
Klappschildkröten selektierten Habitate mit einer Kräutervegetation
und Holz- und Laubabfällen als Überwinterungshabitate. Sie
selektierten keine sehr stark gestörten Habitate mit limitierter
Baumkronenbedeckung, gepflasterten oder geteerten Bereichen oder mit
gemähtem Gras in Verbindung mit Wegen, auch keine Golfrasen oder
Gartenanlagen. Zusammenfassend zeigt unsere Studie, dass die Erhaltung
urtümlicher (ungestörter) Waldflächen innerhalb einer
fragmentierten urbanen Landschaft, wie man sie bei manchen Golfanlagen findet,
semiaquatischen Schildkröten ein Überleben ermöglicht. Die
Informationen aus dieser Studie können dazu verwendet werden, sich ein
besseres Verständnis von wichtigen Landhabitaten innerhalb fragmentierter
Landschaften zu verschaffen und sie können dazu beitragen, diese
Habitatansprüche in Managementpläne mit einzubeziehen.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Eine schöne Arbeit, die durchaus zum Nachdenken anregen sollte. Denn was
hier als ungestörtes Landhabitat beschrieben wird ist das, was für
jeden „ordentlichen Kleingärtner“ oder Gartenbauamtsleiter oft
ein unkrautreicher Schandfleck wäre. Auch die oft in Vorträgen zur
Schildkrötenhaltung vorgestellten ästhetisch angelegten Gartenanlagen
ähnelnden Außengehege müssen nicht unbedingt dem entsprechen,
was die Schildkröten je nach Spezies wirklich brauchen.
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