Wissenschaft im Fokus
Harms, C. A., M. G.
Papich, A. Stamper, P.
M. Ross, M. X.
Rodriguez & A. A.
Hohn (2004): Pharmacokinetics of oxytetracycline in
loggerhead sea turtles (Caretta caretta) after single intravenous and
intramuscular injections. – Journal of Zoo and Wildlife Medicine 35:
477-488.
Die Pharmakokinetik von Oxytetracyclin in der Unechten
Karettschildkröte (Caretta caretta) nach
einer einmaligen intravenösen oder intramuskulären Injektion
Die Pharmakokinetik von Oxytetracyclin wurde in zweijährigen Unechten
Karettschildkröten (
Caretta caretta) nach einer einmaligen i.v.
und i.m. Injektion untersucht, um die Bioverfügbarkeit beim Einsatz
für therapeutische Anwendungen abzuschätzen. Zwanzig juvenile
Schildkröten wurden in zwei Behandlungsgruppen unterteilt. Zehn Tiere
erhielten 25 mg/kg Oxytetracyclin i.v. und 10 bekamen dieselbe Dosis i.m. Die
Plasmakonzentrationen für Oxytetracyclin wurden mit der
Reversed-Phase-Hochdruckflüssigkeitschromatographie analysiert. Die Daten,
die nach i.v. Injektion gemessen wurden, zeigten eine sehr gute
Übereinstimmung mit dem Drei-Kompartimenten-Model
(Plasma/Gewebe/Ausscheidungsmedium). Zusätzlich wurde eine nicht auf
Kompartimenten basierende Analyse vergleichend sowohl für die i.m. als auch
für die i.v. Injektion durchgeführt. Für den i.v. Weg lagen die
durchschnittlichen Plasmamaxima, die Halbwertszeiten, die systemische
Ausscheidung und das Verteilungsvolumen bei 6,6 g/ml, 66,1 Std.; 290,7
ml/Std/kg und 18,4l. Bei der i.m. Injektions ergaben sich für die
Sytemische-Verfügbarkeit, maximale Plasmakonzentrationen und
Eliminationshalbwertszeit 91,8 %, 1,6 g/ml und 61,9 Std. Das unerwartet hohe
Verteilungsvolumen ist höchst wahrscheinlich mit einem inneren Kompartiment
assoziiert, in dem sich das Medikament anreichert, dafür kommt eigentlich
nur das Skelett in Frage insbesondere durch seine bei Schildkröten
besonders hohe Masse und einer äußerst guten Nährstoffversorgung
des Panzerskeletts in juvenilen Schildkröten. Obwohl die
Plasmakonzentrationen nach i.m. Injektion niedriger waren als nach i.v.
Injektion, zeigt insbesondere die langsame Ausscheidungsrate, dass selbst diese
Dosis bei sensitiven Bakterien effektiv sein kann.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Diese Arbeit freut mich besonders, denn sie belegt nun auch
wissenschaftlich, dass das Skelett des Schildkrötenpanzers für die
Speicherung von Antibiotika bei Schildkröten eine besondere Rolle spielt
und zur Verlängerung der Halbwertszeiten beiträgt. Ein Umstand, der
mir zwar schon als Student von einem leider schon verstorbenen Gießner
Veterinärmediziner vor fast 20 Jahren erklärt wurde, als ich ihn mit
Tieren zur Behandlung konsultierte, der heute bei vielen Praktikern aber
unbeachtet bleibt. Anders kann ich mir die Reaktion auf meinen Bericht zur
Behandlung von Sternschildkröten (siehe dazu Reptilia 8/2: 3-6, 2003) nicht
erklären.
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