Wissenschaft im Fokus
Heinle, N. & H.-J.
Bidmon (2002): Auf- und Nachzucht der
Strahlenschildkröte Geochelone radiata
(Shaw, 1802): Haltung und erfolgreiche
Vermehrung über mehrere Jahre nach Anpassen der
Inkubationstemperaturen der Eier an die klimatischen Gegebenheiten im
Ursprungsgebiet der Tiere. Emys 9(2): 4-28.
Geochelone radiata zählt zur größten Art unter den
so benannten „Stern-Schildkröten“, wobei sie ein
kontrastreiches Muster radiär angeordneter hellgelber Streifen auf fast
schwarzem Carapaxschildern zeigt. Die Variationsbreite verschiedenen
Zeichnungsmustern verschiedener Individuen ist bei dieser Art am
größten. Letzteres trifft sowohl auf die Schlüpflinge als auch auf
die Adulten zu. Ältere Tiere haben die Tendenz zur Reduktion der hellen
Streifen. Diese Farbunterschiede sind auch von wild lebenden Tieren bekannt,
welche die Trockenwälder in einem ungefähr 100 km breiten
Gürtel entlang der Küste Südmadagaskars besiedeln. In ihrem
Ursprungsland ist
G. radiata immer noch häufig, aber trotz ihres
Schutzstatus als WA I Art werden große Individuen, im
reproduktionsfähigen Alter für die heimischen
Lebensmittelmärkte einer schnell anwachsenden, relativ armen Gesellschaft
gesammelt. Glücklicherweise, wird die Art auf der französischen Insel
Réunion unter natürlichen Bedingungen gehalten und pflanzt sich
fort und erfolgreiche Nachzuchten wurden von Korsika, sowie von einzelnen
privaten Haltern und Zoos in den U.S.A. und Europa berichtet.
Wir beschreiben und beziehen uns hier auf das Zusammenstellen und die Haltung
einer relativ jungen Zuchtgruppe von G. radiata, bestehend aus 5 Weibchen und 3
Männchen, die von verschieden deutschen Haltern während der
vergangenen Jahre gesammelt wurden. Alle Weibchen sind 15-16 Jahre alt. Zwei
der Männchen sind genauso alt und eines ist 11 Jahre. Das durchschnittliche
Körpergewicht der Weibchen beträgt 8,36 1,45 kg S.D. (Spanne von
7,1 - 10,5 kg), dass der Männchen durchschnittlich 8,37 2,0 kg (6,1 - 9,9 kg).
Die durchschnittliche Carapaxlänge für beide Geschlechter
beträgt 35,4 cm (Weibchen 33,1 - 39,1 cm; Männchen 33,1 - 37,2 cm).
Männchen begannen mit dem Besteigen im Alter von 7 Jahren, wohingegen
Weibchen ihre ersten Gelege im Alter von 9-10 Jahren absetzten.
Die Schildkröten werden von Mitte September bis Anfang May in einem 20
m
2 großen Raum gehalten, ein weiterer 30m
2
Raum steht zusätzlich immer zur Verfügung, wenn Tiere getrennt
werden müssen. Der Boden ist mit einer dicken Schicht vom lehmfarbigen
Sand bedeckt, die am Eiablageplatz etwa 70cm beträgt. Der Sand wird
tagsüber mit zwei 140 W Heizmatten erwärmt. Die Raumtemperatur
beträgt nachts 19-21ºC und am Tage 26-32ºC. Zur
Beleuchtung dienen Lampen bestehend aus Carandini HQI 400 W, 40 W Reptisun
UVB emittierend und 100 W PAR Infrarotstrahler. Zwei Osram Vitalux-Birnen (je
300 W) strahlen von 9.30- 10.00 und 16.00-16.30. Zusätzlich befinden sich
über dem Eiablageplatz HQL Spots 125 W und 150 W. Die Lampen haben
verschiedene Schaltzeiten während des Tages und Jahreszyklus. Von Mai
bis September sind die Tiere draussen, wo sie sich in eine geschützte
Unterkunft zurückziehen können, welche ab einer nächtlichen
Temperatur von 12ºC beheizt wird. Das Hauptfutter besteht aus
grünen Gras, Kräutern und Heu mit hohem Kräuteranteil,
speziell Spitzwegerich. Bei diesen Haltungsbedingungen kopulieren die Tiere
vereinzelt während des ganzen Jahres, aber die Hautpaarungszeiten sind
Ende May bis Ende August und Oktober bis Dezember. Während jeder der
beiden Phasen legt jedes Weibchen 2-3 Gelege mit je 3-5 Eiern.
Eigrößen und Ablage werden erläutert. Die Eier inkubieren in
der Regel über 200 Tage in dem Raum in dem die Adulten gehalten werden,
wobei Seramis (3-6 mm) als Brutsubstrat verwendet wird. Eine signifikante
Verbesserung der Schlupfrate konnte durch das Anpassen der
Inkubationstemperatur während der gesamten Zeit an die Bedingungen im
Ursprungsland erreicht werden. Die Bedingungen zur Schlupfinduktion sowie zur
Aufzucht der Schlüpflinge werden erörtert. Zum Schluss werden noch
einige Gesundheitsprobleme wie Parasiten und ihre Behandlung diskutiert.
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