Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 25.10.2009
Hernandez-Divers, S. J., S. J. Stahl & R.
Farrell (2009): An endoscopic method for identifying sex of hatchling
Chinese box turtles and comparison of general versus local anesthesia for
coelioscopy. – JAVMA – Journal of the American Veterinary Medical
Association 234 (6): 800-804.
Eine endoskopische Methode zur Identifizierung des
Geschlechts von Schlüpflingen der Gelbrand-Scharnierschildkröte und
ein Vergleich einer Vollnarkose versus der Lokalanästhesie für die
Zölioskopie (Endoskopie der Leibeshöhle).
Ziel: Eine sichere und effektive endoskopische Methode zur Darstellung der
Gonaden und zur Identifizierung des Geschlechts von
Gelbrand-Scharnierschildkröte zu entwickeln und die Auswirkungen einer
Vollnarkose mit jenen einer Lokalanästhesie bei der
Leibeshöhlenendoskopie zu vergleichen.
Planung und klinische Durchführung: Tiere; 58
Gelbrand-Scharnierschildkröten-Schlüpflinge (Cuora flavomarginata).
Prozeduren; Die Schildkröten wurden zufällig aufgeteilt, um entweder
mit einer Mischung von Ketamin, Medetomidin und Morphium (n=29) oder mit dem
Lokalanästhetikum Lidocain in der Präfemoralregion (n=29)
anästhesiert zu werden. Die Zölioskopie wurde nach einer Insufflation
(Aufweitung) mit einer sterilen Laktatringerlösung mit einem starren 1,9
oder 2,7 mm Teleskope durchgeführt. Die Leichtigkeit der endoskopischen
Geschlechtsbestimmung und die Qualität der Anästhesie wurde bewertet.
Die Körpergewichte der Schlüpflinge wurden vor der Untersuchung sowie
7 und 14 Tage nach dem chirurgischen Eingriff erhoben.
Ergebnisse: Bei allen 58 Schlüpflingen waren die Geschlechtsorgane leicht
zu visualisieren und das Geschlecht war leicht zu identifizieren, ohne dass
dabei Komplikationen auftraten. Die endoskopische Bewertung und die prä-
und postoperativen Gewichte unterschieden sich nicht signifikant zwischen den
beiden Gruppen. Allerdings war die Anästhesiebewertung bei Tieren, die nur
das Lokalanästhetikum erhalten hatten, signifikant schlechter im Vergleich
zu denen, die die Vollnarkose bekommen hatten. Alle anästhesierten
Schildkröten erholten sich innerhalb von 21 Minuten nach der Gabe der
Mittel Atipamezol und Naloxon zur Narkoseausleitung.
Schlussfolgerung und klinische Relevanz: Die Ergebnisse deuten an, dass die
Zölioskopie mit einem starren Endoskop und der Laktatringerinsufflation
eine sichere und effektive Methode zur Geschlechtsbestimmung bei
Schlüpflingen der Gelbrand-Scharnierschildkröte ist. Eine Vollnarkose
war effektiver und die Narkoseausleitung war problemlos. Eine
Lokalanästhesie mit Lidocain allein, muss als nicht ausreichend für
die Zölioskopie bewertet werden.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Mir leuchtet allerdings nicht ein, warum die Lokalanästhesie bei dieser
Studie so viel schlechter bewertet wird, weil es für beide Gruppen
eigentlich weder bezogen auf die Geschlechtsbestimmung noch auf die
postoperative Erholung zu signifikanten Unterschieden zwischen den Gruppen kam.
Somit bleibt als Bewertungsunterschied eigentlich nur die Abwägung
möglicher Nebeneffekte und deren möglicher Spätfolgen versus der
Zumutbarkeit von möglichen Schmerzen – vielleicht auch noch
bezüglich des Aufwandes und der Kosten. Ansonsten halte ich das zumindest
für einen sinnvollen Beitrag, der eventuell auch für andere Arten wie
Emys orbicularis anwendbar wäre
(siehe
Delmas 2008).
Literatur
Delmas, V., A. C. Prevot-Julliard, C. Pieau & M.
Girondot (2008): A mechanistic model of temperature-dependent sex
determination in a chelonian: the European pond turtle. – Functional
Ecology 22: 84-93 oder
WiF-Archiv.
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Schlagwörter
| Arten |
Gelbrand-Scharnierschildkröte, Cuora flavomarginata |
| Themen |
Zölioskopie, Geschlechstsbestimmung, Anästhesie |
| Stichwörter |
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