Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 19.04.2009
Hidalgo-Vila J, C. Díaz-Paniagua, A. Ribas, M.
Florencio, N. Pérez-Santigosa & J. C. Casanova (2008):
Helminth communities of the exotic introduced turtle, Trachemys scripta
elegans in southwestern Spain: Transmission from native turtles. –
Research in Veterinary Science 86 (3): 463-465.
Die Helminthengemeischaft der exotischen
eingeführten Schildkröte, Trachemys scripta
elegans im südwestlichen Spanien: Übertragungen
von einheimischen Schildkröten
Wir berichten über die Prävalenz und Vielfalt der helminthischen
Parasiten (Würmer), die sich in einheimischen, aus drei Lokalitäten im
südwestlichen Spanien stammenden
Mauremys leprosa und
Emys
orbicularis, und wir beschreiben die Helminthengemeinschaften der
exotischen Schildkröte,
Trachemys scripta elegans, die dort wild
mit beiden einheimischen Arten koexistiert. Fünf Nematodenspezies wurden
identifiziert, wobei
Serpinema microcephalus die einzige Spezies war,
die in zwei der Lokalitäten vorkam, obwohl sich die Infektionsparameter
(Häufigkeit, für jede Schildkrötenspezies) zwischen beiden Orten
unterschied. Dies ist der erste Bericht über eine Kreuzübertragung
(Kreuzinfektion) von
S. microcephalus und
Falcaustra
donanaensis von einheimischen auf exotische Schildkröten und zudem der
Erstnachweis für die Gattung
Physaloptera bei Schildkröten
der palearktischen Region. Das kontinuierliche Aussetzen von exotischen
Haustierschildkröten in die Ökosysteme wildlebender einheimischer
Arten steigert das Risiko der Einschleppung und Verbreitung von Parasiten und
deren Übertragung auf einheimische Schildkrötenarten. Letzteres zeigt,
wie wichtig und notwendig eine Regulierung des Schildkrötenhandels in
Europa wird.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Diese Arbeit konnte zwar nicht den Nachweis erbringen, dass
Rotwangen-Schmuckschildkröten nun Parasiten auf die wildlebenden,
einheimischen Sumpfschildkröten übertragen haben, denn in diesem Fall
wurde das genaue Gegenteil nachgewiesen. Alle Schmuckschildkröten waren
wenn, dann von den Würmern der einheimischen Arten besiedelt. Allerdings
ist damit auch klar belegt, dass die oft so betonte Artspezifität der
Parasiten für nur eine oder wenige Wirtsspezies so nicht zutrifft. Insofern
haben die Autoren durchaus recht, wenn sie auf die Gefahr verweisen, dass auch
Parasitenspezies von exotischen Arten auf einheimische Schildkröten
übertragen werden können, insbesondere wenn es sich bei den exotischen
Arten um Wildfänge handelt. Ein Grund, warum hier die
Schmuckschildkröten nur von einheimischen Parasiten besiedelt waren, kann
daran liegen, dass importierte Schmuckschildkrötenschlüpflinge seit
Jahren aus Zuchtfarmen stammen und so noch keinen Kontakt zu ihrer eigentlichen
Parasitenfauna hatten. Dennoch besteht hier eine Gefahr, denn durch die
zusätzlich eingeschleppten Tiere erhöht sich auch die Anzahl der Wirte
für die Parasiten, so dass diese dann ein noch größeres
Vermehrungspotential entfalten können, was letztendlich auch die
Infektionsrate für alle Schildkröten einschließlich der
Einheimischen ansteigen lassen kann.(Siehe auch: Zelmer,
D. A. & T. R. Platt (2008): Structure and similarity of helminth
communities of six species of Australian turtles. – Journal of
Parasitology 94 (4): 781-787 oder WiF-Archiv;
Tkach, V. V., S. D. Snyder & J. A. Vaughan
(2008): A new species of blood fluke (Digenea: Spirochiidae) from the malayan
box turtle, Cuora amboinensis
(Cryptodira: Geomydidae) in Thailand.
– Journal of Parasitology 95 (3): 743-746. oder
WiF-Archiv).
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Schlagwörter
| Arten |
Europäische Sumpfschildkröte, Emys orbicularis, Maurische Bachschildkröte, Mauremys leprosa, Rotwangen-Schmuckschildkröte, Trachemys scripta elegans |
| Themen |
Krankheiten, Parasiten |
| Stichwörter |
Falcaustra donanaensis, Serpinema microcephalus |