Wissenschaft im Fokus
Hout-Daubremont, C., S. D.
Bradshaw, F. W.
Bradshaw G. Kuchling
& C. J. Grenot (2003): Variation of plasma
sex steroid concentrations in wild and captive populations of Hermann's
tortoise (Testudo hermanni hermanni) in southern France. –
General and Comparative Endocrinology 130: 299-307.
Schwankungen in der
Plasmakonzentration der Sexualsteroide bei wild lebenden und in Gefangenschaft
gehaltenen Populationen der Westrasse der Griechischen Landschildkröte
(Testudo hermanni hermanni) in
Südfrankreich
Die Plasmaspiegel der Sexualsteroide wurden in Männchen und Weibchen
der gefährdeten Westrasse der Griechischen Landschildkröte
(
Testudo hermanni hermanni) während ihrer Aktivitätsperiode
gemessen. Die wild lebende Population stammte aus dem Maurenmassiv in
Frankreich und die benachbarte, in Gefangenschaft gehaltene Population wurde
im Schildkrötendorf in Gonferon untersucht. Sowohl die Progesteron- als
auch die Testosteronspiegel waren bei Männchen kurz nach der Winterruhe
erhöht, wobei die Plasmaspiegel für Progesteron bei den wild
lebenden Tieren signifikant höher waren, als bei den in Gefangenschaft
lebenden Männchen. Die Plasmatestosteronspiegel der Männchen
erreichten niedrigste Werte (10 ng/ml) während der Ablagesaison der
Weibchen von April bis Juni. Danach und während des Sommers stiegen die
Werte erneut und erreichten ein Plateau bei ca. 80 ng/ml, vermutlich
einhergehend mit der Spermiogenese (Spermaneubildung). Die
Plasmatestosternwerte stiegen in allen Weibchen im Herbst während der
Wachstumsphase der Follikel (Eireifung) an und blieben auch noch während
der Aufwachphase nach der Winterruhe erhöht, um dann im April ihre
Höchstwerte zu erreichen. Auch bei den Weibchen waren die Konzentrationen
bei der in Gefangenschaft gehaltenen Population niedriger. Die Plasmaspiegel
für Progesteron waren auch bei den Weibchen während der Monate April
und Mai erhöht, was einhergeht mit der Ovulation (Eisprung) und wiederum
waren die Werte bei den in Gefangenschaft gehaltenen Weibchen niedriger und
die Schwankungen weniger stark ausgeprägt als bei der wild lebenden
Population. Die Messungen der Plasmakonzentrationen für Testosteron,
Progesteron und 17ß-Östradiol in der Zeit vor der Eiablage bei den
in Gefangenschaft gehaltenen Weibchen zeigten, dass einige Weibchen einen
Eisprung hatten und Eier legten, während dies bei anderen nicht der Fall
war. Die gefundenen Unterschiede in der Konzentration der Sexualsteroide
zwischen in Gefangenschaft gehaltenen und wild lebenden Weibchen der
Griechischen Landschildkröte deuten an, dass einige der in Gefangenschaft
lebenden Weibchen Probleme bei der Ovulation haben oder gestresst sind.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Erstaunlich erscheint mir, dass sowohl Männchen als auch Weibchen in
Gefangenschaftshaltung niedrigere Sexualhormonspiegel aufweisen.
Persönlich halte ich die Haltungsbedingungen in Gonferon für nicht
so problematisch, als dass Stress eine wesentliche Rolle spielen könnte.
Deshalb finde ich es schade, dass nicht auf Unterschiede in der
Überwinterung zwischen den beiden Populationen eingegangen wird, denn bei
den von mir gehaltenen Tieren der Ostrasse scheint der Reproduktionserfolg und
eventuell auch die assoziierten Hormonspiegel sehr stark von der
Überwinterungstemperatur abhängig zu sein. Wobei lange kalte Winter,
also die Zeitspanne bei der die Tiere nahe am Gefrierpunkt zumindest aber
nicht über +5 °C verbringen, im darauffolgenden Sommer die
höchsten Befruchtungs- und Schlupfraten ergeben.
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