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Aktualisiert:
14.05.2012

Nachzucht statt Farmzucht; eine Initiative der Schildkröten im Fokus

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Wissenschaft im Fokus


Hout-Daubremont, C., S. D. Bradshaw, F. W. Bradshaw G. Kuchling & C. J. Grenot (2003): Variation of plasma sex steroid concentrations in wild and captive populations of Hermann's tortoise (Testudo hermanni hermanni) in southern France. – General and Comparative Endocrinology 130: 299-307.

Schwankungen in der Plasmakonzentration der Sexualsteroide bei wild lebenden und in Gefangenschaft gehaltenen Populationen der Westrasse der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni hermanni) in Südfrankreich


Die Plasmaspiegel der Sexualsteroide wurden in Männchen und Weibchen der gefährdeten Westrasse der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni hermanni) während ihrer Aktivitätsperiode gemessen. Die wild lebende Population stammte aus dem Maurenmassiv in Frankreich und die benachbarte, in Gefangenschaft gehaltene Population wurde im Schildkrötendorf in Gonferon untersucht. Sowohl die Progesteron- als auch die Testosteronspiegel waren bei Männchen kurz nach der Winterruhe erhöht, wobei die Plasmaspiegel für Progesteron bei den wild lebenden Tieren signifikant höher waren, als bei den in Gefangenschaft lebenden Männchen. Die Plasmatestosteronspiegel der Männchen erreichten niedrigste Werte (10 ng/ml) während der Ablagesaison der Weibchen von April bis Juni. Danach und während des Sommers stiegen die Werte erneut und erreichten ein Plateau bei ca. 80 ng/ml, vermutlich einhergehend mit der Spermiogenese (Spermaneubildung). Die Plasmatestosternwerte stiegen in allen Weibchen im Herbst während der Wachstumsphase der Follikel (Eireifung) an und blieben auch noch während der Aufwachphase nach der Winterruhe erhöht, um dann im April ihre Höchstwerte zu erreichen. Auch bei den Weibchen waren die Konzentrationen bei der in Gefangenschaft gehaltenen Population niedriger. Die Plasmaspiegel für Progesteron waren auch bei den Weibchen während der Monate April und Mai erhöht, was einhergeht mit der Ovulation (Eisprung) und wiederum waren die Werte bei den in Gefangenschaft gehaltenen Weibchen niedriger und die Schwankungen weniger stark ausgeprägt als bei der wild lebenden Population. Die Messungen der Plasmakonzentrationen für Testosteron, Progesteron und 17ß-Östradiol in der Zeit vor der Eiablage bei den in Gefangenschaft gehaltenen Weibchen zeigten, dass einige Weibchen einen Eisprung hatten und Eier legten, während dies bei anderen nicht der Fall war. Die gefundenen Unterschiede in der Konzentration der Sexualsteroide zwischen in Gefangenschaft gehaltenen und wild lebenden Weibchen der Griechischen Landschildkröte deuten an, dass einige der in Gefangenschaft lebenden Weibchen Probleme bei der Ovulation haben oder gestresst sind.

Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Erstaunlich erscheint mir, dass sowohl Männchen als auch Weibchen in Gefangenschaftshaltung niedrigere Sexualhormonspiegel aufweisen. Persönlich halte ich die Haltungsbedingungen in Gonferon für nicht so problematisch, als dass Stress eine wesentliche Rolle spielen könnte. Deshalb finde ich es schade, dass nicht auf Unterschiede in der Überwinterung zwischen den beiden Populationen eingegangen wird, denn bei den von mir gehaltenen Tieren der Ostrasse scheint der Reproduktionserfolg und eventuell auch die assoziierten Hormonspiegel sehr stark von der Überwinterungstemperatur abhängig zu sein. Wobei lange kalte Winter, also die Zeitspanne bei der die Tiere nahe am Gefrierpunkt zumindest aber nicht über +5 °C verbringen, im darauffolgenden Sommer die höchsten Befruchtungs- und Schlupfraten ergeben.




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© Michael Daubner 2012Schildkröten im Focus