Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 25.10.2009
Howes, B. J., J. B. Brown, H. L. Gibbs, T. B. Herman,
S. W. Mockford, K.A. Prior & P. J. Weatherhead (2009): Directional
gene flow patterns in disjunct populations of the black ratsnake
(Pantheropis obsoletus) and the Blanding's turtle (Emydoidea
blandingii). – Conservation Genetics 10 (2): 407-417.
Direktionale Genflussmuster in nicht-verbundenen
Populationen der Erdnatter (Pantheropis obsoletus)
und der Amerikanischen Sumpfschildkröte (Emydoidea
blandingii)
Die Abschätzung und Aufrechterhaltung von Konnektivität zwischen
Lokalpopulationen ist ein wichtiges Ziel für die Erhaltung vieler bedrohter
Spezies. Wir benutzten die Bayesian-Statistik und Coalescent-Theroie zur
Abschätzung des kurzfristigen und langfristigen gerichteten Genfluss
zwischen den Subpopulationen von zwei Reptilienarten, die in Kanada als so
genannte periphere Populationen geographisch getrennt und abgeschnittenen vom
Hauptverbreitungsgebiet ihrer jeweiligen Spezies vorkommen, die Erdnatter und
die Amerikanische Sumpfschildkröte.
Die Abschätzung des gerichteten Genflusses wurde dann zum Studium der
Konnektivität zwischen den Populationen und der potentiellen genetischen
Zu- und Abwanderung (source-sink dynamics) genutzt. Für beide Spezies
ergaben unsere Abschätzungen des direktionalen kurz- bis langfristigen
Genflusses wesentlich niedrigere Schätzwerte als dies aus vorhergehenden
F (ST) Messungen anzunehmen gewesen wäre. Die kurz- und langfristigen
Genflussabschätzungen waren für die beiden Spezies unterschiedlich.
Das lässt vermuten, dass die Populationsdynamiken für beide Spezies
temporären Variationen (Unterschieden) unterworfen waren. Die
Abschätzungen des direktionalen Genflusses wurden dann weiterhin dazu
benutzt, die spezifischen Subpopulationen zu identifizieren, für die es
eine hohe Erhaltungspriorität gibt, weil sie zu jenen zählen, aus
denen Individuen zu anderen Subpopulationen abwandern, und die somit für
den Genexport eine wichtige Bedeutung haben.
Zusammenfassend zeigen unsere Ergebnisse, dass ausgereiftere Studienmethoden der
Populationsgenetik sehr wertvolle Informationen für die Erhaltung bedrohter
Arten liefern. Dazu gehört auch die bidirektionale Erhebung der
Konnektivität zwischen Subpopulationen, die von wesentlich
unzuverlässigeren Annahmen ausgehen, als dies bei den traditionelleren
(älteren) Analyseverfahren der Fall war. Solche Informationen können
von den Arterhaltungspraktikern vor Ort genutzt werden, um aus geographischer
Sicht ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie sich
funktionelle Metapopulationen erhalten lassen, und um festzustellen, welche
Habitatkorridore innerhalb einer bestimmten Landschaftsform die wichtigsten
sind, um die Konnektivität zwischen den Subpopulationen aufrecht zu
erhalten sowie um im Hinblick auf die Erhaltung der Metapopulation eine
Prioritätenliste zu erstellen, die das Ziel verfolgt, bestimmten
Subpopulationen als potentiellen Genressourcen (Genexporteure) die höchste
Priorität zuzuweisen.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Eine wichtige Arbeit von genereller Bedeutung für die praktische
Arterhaltung siehe Kommentar zu
Howeth et al.
(2008).
Literatur
Howeth, J. G., S. E: McGaugh & D. A.
Hendrickson (2008): Contrasting demographic and genetic estimates of
dispersal in the endangered Coahuilan box turtle: a contemporary approach to
conservation. – Molecular Ecology 17: 4209-4221 oder
WiF-Archiv.
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Schlagwörter
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Amerikanische Sumpfschildkröte, Emydoidea blandingii |
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