Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 06.12.2009
Hughes, G. N., W. F. Greaves & J. D.
Litzgus (2009): Nest-site Selection by Wood Turtles (Glyptemys
insculpta) in a Thermally Limited Environment. – Northeastern
Naturalist 16 (3): 321-338.
Nistplatzauswahl bei Waldbachschildkröten
(Glyptemys insculpta) in einer von der Temperatur
begrenzten Umwelt
In oviparen Spezies, die keine elterliche Fürsorge kennen, ist es meist die
Fitness und Fähigkeit der Muttertiere, die über den Reproduktionserfolg
entscheidet, indem diese einen qualitativ hochwertigen Nistplatz auswählen.
Da die Muttertiere sich später nicht um den Nachwuchs kümmern, besteht
auch keine Möglichkeit, Nachteile, die sich aus einer weniger guten
Inkubationsumgebung ergeben, später nach dem Schlupf durch verstärkte
mütterliche Fürsorge auszugleichen. Nahe der nördlichsten
Verbreitungsgrenze von
Glyptemys insculpta (Waldbachschildkröte),
sind es meist kurze Sommer und kühle Temperaturen, die als entscheidende
Faktoren das Fortbestehen der Populationen begrenzen, denn die gewählten
Nistplätze mögen nicht in jedem Jahr Inkubationsbedingungen für
eine erfolgreiche Inkubation bieten. Wir quantifizierten die Nistplatzauswahl
anhand von Bodentemperaturmessungen und anhand der Nistsubstratkomposition in
echten Nistplätzen von Waldbachschildkröten (n = 5) und in
künstlich angelegten falschen Nestern. Es wurden zwei Sorten von
künstlichen Nestern angelegt: „Negativ-falsche Nester“ (n = 5)
die an Uferzonen angelegt wurden, die nie von Weibchen als Nistplatz genutzt
wurden, und „Positiv-falsche Nester“ (n = 5), die zwar in als
Nistregion gewählten Lokalitäten angelegt wurden, aber wo die Nester
in Mikrohabitaten angelegt wurden, die von den Weibchen gemieden wurden. Die
Temperatur wurde in totalen Thermaleinheiten und als durchschnittliche
Temperatur während der Tageszyklen gemessen. Die Bodenzusammensetzung wurde
quantifiziert anhand des Feuchtigkeitsgehaltes, der organischen Bestandteile und
anhand der Bodenkörnung sowie deren Verteilung. Die Bodentemperatur wurde
als der bedeutendste Faktor bei der Nistplatzauswahl bestimmt. Die Temperaturen
und die totalen thermalen Einheiten lagen in echten Nestern signifikant
höher und waren mit Ausnahme der Nachttemperaturen variabler als in den
falschen Nestern. Die Bodenzusammensetzung zeigte keine signifikanten
Unterschiede zwischen falschen und echten Nestern. Die Korngröße
variierte zwischen feinem Sand und Kies und echte Nester zeigten Anteile von
58-96 % Prozent mittlere Sandkorngröße zu gröberen Kies. Es gab
nur geringe Schwankungen bei der Bodenfeuchte in echten Nestern, was nahe legt,
dass Weibchen Nistplätze auch nach spezifische Feuchtigkeitsbedingungen
selektieren. Unsere Daten können direkt angewandt werden, um geeignete
Niststrände für eine bedrohte Art zu schützen.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Hierbei handelt es sich um eine sehr schöne Arbeit, deren Ergebnisse
durchaus auch für die künstliche Inkubation von nutzen sein
können. Siehe auch:
Carroll & Ultsch
(2007) oder
WiF-Archiv.
Literatur
Carroll, D.M. & G. R. Ultsch (2007): Emergence
season and survival in the nest of hatchling turtles in southcentral New
Hampshire. – Northeaestern Naturalist 14 (2): 307-310.
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