Wissenschaft im Fokus
Ivanchev I. E. (2007): Population ecology and
biology of Testudo hermanni (Reptilia: Testudinidae) at the Eminska
mountain, Bulgaria. – Acta Zoologica Bulgaria 59: 153-163.
Die Populationsökologie und Biologie von
Testudo hermanni (Reptilia: Testudinidae) am Berg
Eminska, Bulgarien
Eine kleine Population von
Testudo hermanni boettgeri
Mojsisovics, 1889, wurde in den östlichsten
Gebirgsausläufern des Balkans entdeckt und untersucht – am Berg
Eminska wurden 57
Testudo hermanni (
Gmelin,
1789) mit einem Männchen/Weibchen-Geschlechterverhältnis von 1,52
markiert und beschrieben. Nur ein Männchen von
Testudo graeca
ibera Pallas, 1814 wurde im Gebiet gefunden
und markiert. Die Altersstruktur der Population erwies sich als gestört, da
das Verhältnis adulter Weibchen zu Jungtieren bei 0,19 lag, was auf einen
alarmierenden Rückgang der Populationsdichte hinweist. Detaillierte,
kontinuierliche Beobachtungen während verschiedener Tages- und Jahreszeiten
erfassten die Aktivitätsmuster, das Territorial- und Balzverhalten im
freien Feld sowie innerhalb einer 2000 m
2 umfassenden eingefassten
Schutzstation. Insbesondere wurden sieben adulte Weibchen, drei Männchen
und 12 Schlüpflinge in der Schutzstation überwacht. Der genaue Ablauf
für das Ausheben der Nistgruben und der Eiablageprozess werden zusammen mit
einigen ungewöhnlichen Verhaltensweisen beschrieben, und es wurde die
bevorzugte Zeit für die Eiablage herausgearbeitet. Zusätzlich wurden
die Inkubationstemperaturen während der Inkubationsperiode unter
natürlichen Bedingungen aufgezeichnet und mit jenen Aufzeichnungen aus
künstlichen Inkubatoren verglichen. Ebenso wird eine detaillierte
Beschreibung der Schlüpflinge und ihrer Entwicklung während der ersten
90 Tage nach dem Schlupf gegeben.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine sehr ausführliche Arbeit, aus der man insbesondere gute Daten
über die Temperaturbedingungen während der natürlichen
Freilandinkubation erhalten kann, da die Temperaturen auch für
unterschiedliche Zeitpunkte innerhalb der einzelnen Tage erfasst wurden. Wenn
man sieht, wie niedrig die Inkubationstemperaturen bei dieser Population liegen,
fragt man sich schon, wie es zu einem doch noch einigermaßen ausgeglichen
Geschlechterverhältnis bei den Adulten kommt. Insofern sicherlich ein
äußerst interessanter Beitrag für alle, die sich mit der
Nachzucht Europäischer Landschildkröten befassen, wobei auch deutliche
Unterschiede zu den für spanische T. graeca
publizierten Daten
deutlich werden. Siehe dazu: Diaz-Paniagua, Andreu &
Keller (2006): Effects of temperature on hatching success in field
incubating nests of spur-thighed tortoises, Testudo graeca
. –
Herpetological Journal 16 (3): 249-257 – oder
WiF-Archiv.
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