Wissenschaft im Fokus
Joyner, P. H., J. D.
Brown, S.
Holladay & J. M.
Sleeman (2006): Characterization of the bacterial
microflora of the tympanic cavity of eastern box turtles with and without aural
abscesses. – Journal of Wildlife Diseases 42 (4): 859-864.
Charakterisierung der bakteriellen Mikroflora aus der
Paukenhöhle von Carolina-Dosenschildkröten mit und ohne Ohrabszesse
Aerobe bakterielle Kulturen aus der Paukenhöhle des Mittelohrs wurden von
acht Carolina-Dosenschildkröten (
Terrapene carolina carolina) mit
Ohrabszessen und 15 Carolina-Dosenschildkröten ohne Ohrabszesse
(Kontrollen) angelegt, die während 2003 am Wildlife Center von Virginia,
Virginia, USA eingeliefert worden waren. Zweiundzwanzig bakterielle Isolate
wurden identifiziert, die von 17 Schildkröten stammten, dabei gab es 10
gram-negative und 12 gram-positive Bakteriennachweise. Zehn der 15 Kontrolltiere
zeigten Bakterienwachstum, und es konnten 13 Bakterien einschließlich
sechs gram-negativer und sieben gram-positiver identifiziert werden. Sieben der
acht Schildkröten mit Ohrabszessen zeigten Bakterienwachstum, und 10
Isolate wurden identifiziert, wobei es sich um vier gram-negative und sechs
gram-positive Organismen handelte. Bei der am häufigsten aus Kontrolltieren
isolierten Bakterien handelte es sich um
Micrococcus luteus (n = 3) und
Pantoea agglomerans (n = 2).
Morganella morganii (n = 2) war
die einzige Art, die aus der Paukenhöhle von mehr als einer
Schildkröte mit Ohrabszessen isoliert wurde.
Staphylococcus
epidermidis (n = 2) war die einzige Spezies, die in beiden Gruppen isoliert
wurde. Es wurde ein Trend dahingehend nachgewiesen, dass das Bakterienwachstum
in den Paukenhöhlen von Schildkröten mit Ohrabszessen stärker ist
als bei Schildkröten ohne Ohrabszesse. In dieser Studie war keines der
nachgewiesenen bakteriellen Isolate allein für das Auftreten von
Ohrabszessen bei frei lebenden Carolina-Dosenschildkröten verantwortlich,
eine Beobachtung, die die Hypothese stützt, dass aerobe Bakterien keine
primären Pathogene darstellen, sondern als sekundäre opportunistische
Eindringlinge anzusehen sind, die aus der Umwelt stammen.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine Arbeit, die zeigt, dass die wahren Auslöser für Ohrabszesse
noch unbekannt sind und ein deutlicher Hinweis dafür, dass es sich
häufig um eine breite Palette von infizierenden Bakterien handeln kann. Es
sollte aber auch nicht außer acht gelassen werden, dass in einem Fall
trotz Ohrabszess keine Bakterien nachweisbar waren, also eine antibiotische
Behandlung eventuell sinnlos gewesen wäre. Siehe auch:
Boylan et al. (2005): Exotic DVM Veterinary
Magazine 7 (1): 22-26 oder WiF-Archiv.
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