Schildkröten im Fokus Kleintierverlag Thorsten Geier
 
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Wissenschaft im Fokus

Veröffentlicht: 19.02.2017 Share it on Facebook


Kehlmaier, C., A. Barlow, A. K. Hastings, M. Vamberger, J. L. Paijmans, D. W. Steadman, N. A. Albury, R. Franz, M. Hofreiter & U. Fritz (2017): Tropical ancient DNA reveals relationships of the extinct Bahamian giant tortoise Chelonoidis alburyorum. – Proc Biol Sci.; 284(1846): doi: 10.1098/rspb.2016.2235.

Sehr alte DNS aus den Tropen zeigt die Verwandtschaftsbeziehungen der ausgestorbenen Bahama-Riesenschildkröte, Chelonoides alburyorum.


Alte DNS von längst ausgestorbenen Spezies aus dem Pleistozän und Holozän lieferte wertvolle Erkenntnisse zur Evolution. Allerdings traf dies meist nur für Säugetiere aus den nördlichen Breiten zu, da die DNS-Erhaltung in den südlichen warmen Klimazonen meist sehr schlecht ist. In den tropischen und subtropischen Regionen stellen aber Reptilien einen signifikanten Teil der Fauna und es ist zudem nur wenig über die Genetik der vielen ausgestorbenen Arten von zahlreichen Inseln bekannt. Wir rekonstruierten hier ein nahezu vollständiges mitochondriales Genom der ausgestorbenen Riesenschildkröte der Bahamas (Chelonoidis alburyorum) aus einem etwa 1.000 Jahre alten Oberarmknochen aus einem Wasserloch (Blaue Löcher) auf der Insel Great Abaco. Phylogenetische und molekulare Zeitanalysen stellen diese ausgestorbene Riesenschildkröte in die Verwandtschaftsgruppe der Galapagosschildkröten (C. niger-Komplex) und der Argentinischen-Landschildkröte (C. chilensis). Die Daten liefern somit Nachweise für eine wiederholtermaßen stattgefundene transozeanische Verbreitung dieser Schildkrötengruppe. Die Vorfahren dieser ausgestorbenen Chelonoidis-Spezies erreichte Südamerika von Afrika aus nach der Öffnung des atlantischen Ozeans und verbreiteten sich dann von den karibischen und den Galapagosinseln aus. Unsere Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die sauerstoffarmen, thermisch abgepufferte Umgebung in den Blauen Löchern die DNS-Erhaltung begünstigen und somit ein Fenster zur Erforschung der Evolution und Populationsgeschichte für ausgestorbene tropische Spezies öffnen, die möglicherweise noch leben würden, hätte es den Einfluss des Menschen nicht gegeben.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine interessante Arbeit die zum einen eine detailliertere Vorstellung für die historischen Zeiträume dieser Besiedlungsgeschichte der Kontinente und Inseln für diese Schildkröten liefert und die eben auch nahelegt, dass das keine Einzelfälle waren, sondern solche Verdriftungen von Afrika aus und später von Südamerika und den vorgelagerten Inseln aus mehrfach erfolgten. Wie die Autoren auch andeuten, würden diese Schildkröten noch existieren, wären sie nicht den ersten menschlichen Siedlern auf den Inseln zum Opfer gefallen. Ein wohl weltweites Schicksal für etliche große Inseltaxa (siehe auch Kommentar zu Hawkins et al 2016). Das Verständnis darüber wie sich solche Besiedlungsereignisse auf molekulargenetischer Seite abgespielt haben und wie und in welchem Ausmaß sich dabei eventuell die so genannten genetischen Flaschenhälse bei der Besiedlung für wie lange ausgewirkt hatten ehe neue Tiere durch transozeanische Verdriftung dazu kamen, sollten wir aber versuchen bei den noch rezenten Inselarten zu analysieren und zu verstehen, denn sie würden uns sicher Aufschluss darüber geben können wie sich Arterhaltung die von kleinen Relikt-Gründerpopulationen ausgeht am sinnvollsten umsetzen ließe. Siehe dazu auch Bidmon (2017).

Literatur

Bidmon, H.-J. (2017): Sind phylogenetische Stammbäume nur ein Traum? – Schildkröten im Fokus, Bergheim 14(1): 14–27.

Hawkins, S., T. H. Worthy, S. Bedford, M. Spriggs, G. Clark, G. Irwin, S. Best & P. Kirch (2016): Ancient tortoise hunting in the southwest Pacific. – Sci Rep. doi: 10.1038/srep38317 oder Wif-Archiv.



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© Michael Daubner 2017Schildkröten im Focus