Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 25.06.2011
Kesaraju S., R. Schmidt-Kastner, H. M. Prentice &
S. L. Milton (2009): Modulation of stress proteins and apoptotic
regulators in the anoxia tolerant turtle brain. – Journal of
Neurochemistry 2009 Jun;109 (5):1413-1426.
Die Modulation von Stressproteinen und apoptotischen
Regulatoren beim gegen Sauerstoffmangel toleranten
Schildkrötengehirn
Wasserschildkröten überleben lang anhaltenden Sauerstoffmangel und die
Reoxygenierung, ohne das dabei offensichtliche Hirnschäden durch die
bekannten physiologischen Prozesse auftreten. Allerdings gibt es nur wenige
Arbeiten, die die mit dieser Überlebensstrategie einhergehenden molekularen
Veränderungen untersuchen. Wir untersuchten Stressproteine und apoptotische
Regulatoren bei Schildkröten während einer frühen Phase (1 h) und
bei lange andauerndem Sauerstoffmangel (4, 24 h) sowie bei der Sauerstoffzufuhr
(Reoxygenierung). Western-Blot-Analysen zeigen während der ersten Stunde
des Sauerstoffmangels Veränderungen, wobei mehrere Stressproteine (Hsp72,
Grp94, Hsp60, Hsp27 und HO-1) ansteigen, wohingegen Apoptoseregulatoren (Bcl-2
und Bax) abnehmen. Der Spiegel des ER-Stressproteins Grp78 blieb
unverändert. Während lang anhaltendem Sauerstoffmangel bleiben die
Stressproteine erhöht, jedoch bleibt das Bcl-2/Bax Verhältnis gleich.
Es gibt keine Änderungen von abgetrennter Caspase 3 während des
Sauerstoffmangels, obwohl Apoptose induzierende Faktoren signifikant anstiegen.
Zusätzlich fanden wir keine Hinweise für eine anoxische Translokation
von Bax vom Zytoplasma zu den Mitochondrien, und es gab keine Bewegungen von
Apoptose induzierenden Faktoren von Mitochondrien zum Zellkern. Die
Reoxygenierung zeigte keine weitere Zunahme bei den Stressproteinen oder bei den
apoptotischen Regulatoren mit Ausnahme von HO-1. Dieser offensichtliche Schutz
vor Zellschädigung wurde durch immunhistochemische Nachweise gestützt,
die zeigten, dass keine offensichtlichen Schäden im Schildkrötengehirn
bei Sauerstoffmangel und Reoxygenierung auftreten. Diese Ergebnisse lassen
vermuten, dass molekulare Anpassungen dazu führen, dass
Überlebensmechanismen angeschaltet werden und apoptotische zum Zelltod
führende Mechanismen abgeschaltet werden, wodurch die Toleranz der
Wasserschildkröten gegenüber Sauerstoffmangel bedingt ist.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Eine gute Arbeit, die auch zeigt, dass man durchaus mit Forschung an
Schildkröten in guten Journalen mit akzeptablen Impact publizieren kann.
Ein Umstand, der es vielen, die immer nur über Geldmangel klagen, leichter
machen dürfte, Forschungsgelder auch in der Veterinärmedizin zu
beantragen. Siehe auch
Congdon et al. (2003) oder
SiF 2-2005 und
Jackson et al. (2007) oder
SiF 4-2007.
Literatur
Congdon, J. D., R. D. Nagle, O. M. Kinney & R. C. V.
Sels (2003): Testing hypotheses of aging in long-lived painted turtles
(
Chrysemys picta). – Experimental Gerontology 38 (7): 765-772;
Jackson, D. C. (2004): Surviving extreme lactic
acidosis: the role of calcium lactate formation in the anoxic turtle. –
Respiratory Physiology & Neurobiology: 173-178.
Jackson, D. C., S. E. Taylor, V. S. Asare, D. Villarnovo,
J. M. Gall & S. A. Reese (2007): Comparative shell buffering
properties correlate with anoxia tolerance in freshwater turtles. –
American Journal of Physiology – Regulatory, Integrative and Comparative
Physiology 292 (2): R1008-R1015.
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