Wissenschaft im Fokus
Klein, R. G., G.
Avery, K.
Cruz-Uribe, D.
Halkett, J. E. Parkington, T.
Steele, T. P. Volman & R.
Yates (2004): The Ysterfontein 1 Middle Stone Age site,
South Africa, and early human exploitation of coastal resources. – Proceedings of the
National Academy of Science of the U.S.A. 101: 5708-5715.
Die Ysterfontein 1-Fundstätte
(Südafrika) aus der mittleren Steinzeit und die frühe menschliche Nutzung
der Ressourcen der Küsten (von „Meeresfrüchten“)
Menschliche Fossilien und die genetische Analyse existierender menschlicher Populationen
belegen, dass die derzeitige Bevölkerung im Wesentlichen aus einer afrikanischen
Population abstammt, die sich vor etwa 200.000 Jahren bildete. Dennoch waren es erst die
letzten 50.000 Jahre, während derer sich die Abkömmlinge dieser Population in
Eurasien (Europa und Asien) ausbreiteten und den Neandertaler und andere
„nicht-moderne“ Eurasier verdrängten und ersetzten. Basierend auf
archäologischen Befunden besagt die plausibelste Hypothese zur Erklärung der
späten Ausbreitung und Besiedlung Eurasiens, dass bis vor 50.000 Jahren Afrikaner und
Eurasier ein ähnliches Verhalten und einen gleichen Entwicklungsstand hatten, so dass
es erst um diese Zeit zu einer vorteilhaften Verhaltensänderung in der afrikanischen
Population kam, welche eine Ausweitung des Lebensraums ermöglichte. Die
archäologischen Funde stammen hauptsächlich aus Südafrika, wo es Anhaltspunkte
dafür gibt, dass dieser Vorteil darin zu sehen ist, dass zunehmend eine effektive
Nutzung der Ressourcen erfolgte, welche die Küsten boten. Bis heute stammten die Belege
dafür aus tiefen Höhlen entlang der Küste des südlichen Indischen Ozeans.
Hier in dieser Arbeit fassen wir die Befunde einer neuen Ausgrabung in einer Höhle,
Ysterfontein 1 zusammen, die in einem völlig anderen Gebiet an der westlichen
Atlantikküste gelegen ist. Die Ysterfontein 1 Funde von Überresten der menschlichen
Nahrung müssen sicher noch vervollständigt werden und mit den relevanten Funden
aus anderen Fundstellen verglichen werden, dennoch zeigen sie jetzt schon zwei Dinge in
Übereinstimmung mit den früheren Funden: 1. Diese Küstenbewohner aus der
Zeit vor 50.000 Jahren fischten noch nicht routinemäßig, wohl weil ihnen die
notwendige Technologie noch unbekannt war und 2. sie sammelten Schildkröten und
Schalentiere (Muscheln, Krabben, etc.) weitaus seltener, als man es von den Menschen, die
danach kamen, kennt, vielleicht weil ihre Populationen noch zu klein waren.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Die letzte erklärende Vermutung erscheint mir bedenklich. Natürlich verbrauchen
kleinere Populationen weniger, wobei es logisch ist, dass dann auch weniger auffindbare
Reste verbleiben, allerdings sagt das nichts darüber aus, wie gut diese frühen
Menschen pro Kopf gejagt oder verbraucht haben.
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