Wissenschaft im Fokus
Kristan, W. B. & W. I.
Boarman (2003): Spatial pattern of risk of
common raven predation on desert tortoises. – Ecology, 84 (9): 2432-2443.
Räumliche Verteilung des
Risikos der Bejagung von Wüstenschildkröten durch Raben
Kolkraben (
Corvus corax) in der Mojave Wüste Kaliforniens, USA,
profitieren von anthropogenen (menschlichen) Ressourcen. Große
Stückzahlen junger noch nicht brütender Raben werden durch menschliche
Siedlungen angezogen und zeigen deshalb eine lokale Anhäufung, wohingegen
adulte, brütende Raben eine gleichmäßige Verbreitung aufweisen.
Wir untersuchten, ob diese räumlichen Verteilungsmuster das Risiko der
Bejagung von Schlüpflingen der gefährdeten Wüstenschildkröte
Gopherus agassizii durch die Raben beeinflussen: Erstens, ob
nichtbrütende Raben nahe menschlicher Siedlungen neben Abfällen auch
vermehrt Schildkröten fressen, und zweitens, ob brütende Raben in
besiedelten wie unbesiedelten Gebieten vermehrt Schildkröten bejagen. Das
Bejagungsrisiko wurde mit Styroporattrappen von jungen Wüstenschildkröten
untersucht. Das Bejagungsrisiko war sehr deutlich erhöht in Gebieten, in denen
sich große Zahlen an Jungraben ansammelten, und in der Umgebung von Horsten
mit erfolgreichen Bruten. Somit konnten räumliche Bejagungsmuster, die sowohl
als „Spillover predation“ (bei Ansammlung von Jungraben werden neben
Abfallkonsum auch Schildkröten mitgefressen) als auch „hyperpredation“
Überbejagung (um Bruthorste) festgestellt werden. Da allerdings die Orte der
Bruthorste jährlich wechseln, gab es im gesamten Untersuchungsgebiet kaum Gebiete
mit langfristig niedrigem Jagddruck auf die Schildkröten. Schlussfolgernd kann
festgestellt werden, dass insbesondere anthropogene Faktoren indirekt zum
Rückgang und sogar zum Aussterben von Populationen der Wüstenschildkröte
beitragen.
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