Wissenschaft im Fokus
Kuchling, G., A. G. J.
Rhodin, B. R.
Ibarrondo & C. R.
Trainor (2007): A new subspecies of the Snakeneck
Turtle Chelodina mccordi from Timor-Leste (East Timor)
(Testudines:Chelidae). – Chelonian Conservation and Biology 6 (2):
213-222.
Eine neue Unterart der Schlangenhalsschildkröte
Chelodina mccordi von Timor-Leste (Ost-Timor)
(Testudines:Chelidae)
Es wird eine neue Unterart von
Chelodina mccordi aus Timor-Leste
(Ost-Timor) beschrieben. Die Nominatform
Chelodina m. mccordi ist
endemisch auf der kleinen Insel Roti südwestlich von Timor gelegen. Die
neue Unterart hat eine sehr begrenzte Verbreitung in der Region um den See
Iralalaro im Distrikt Lautém nahe der Ostspitze von Timor-Leste, und sie
ist endemisch für diese Nation. Einige morphologische Charaktere der neuen
Unterart nehmen eine Zwischenstellung zwischen
C. m. mccordi von Roti
und
Chelodina novaeguineae von der Insel Neu Guinea ein, aber im
Hinblick auf ihren unterartspezifischen taxonomischen Status zeigt das neue
Taxon mehr Übereinstimmungen mit der Nominatform als mit
C.
novaeguineae. Die Nominatform
C. m. mccordi von der Insel Roti
wurde durch den kommerziellen Tierhandel während der jüngsten
Vergangenheit fast ausgelöscht und wird seit 2000 als „critically
endangered“ in der Roten Liste der IUCN geführt.
Chelodina
mccordi ist die einzige Spezies dieser Gattung, die bei CITES auf Anhang II
gelistet ist. Als Unterart von
C. mccordi, ist das neue Taxon von
Timor-Leste automatisch mit in den CITES Anhang II aufgenommen, so dass
jeglicher internationale Export des neuen Taxons in ein Land, das CITES-Mitglied
ist nur mit einer Exportgenehmigung der Regierung von Timor-Leste möglich
ist. Diese legale Notwendigkeit möge hoffentlich dazu beitragen, dass der
neuen Unterart das gleiche Schicksal wie der Unterart von Roti erspart bleibt,
die der Tierhandel kurz nach ihrer Erstbeschreibung fast ausrottete.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Nun Kuchling und Mitautoren scheinen das Problem der Erstbeschreibungen und
Neubeschreibungen und deren bestandsbedrohliche Auswirkungen erkannt zu haben,
was sie veranlasste, sie als C. m. timorlestensis
zu beschreiben.
Dennoch, ihre Beschreibung kam etwas zu spät oder zeitgleich mit der Neu-
bzw. Erstbeschreibung von McCord et al. in der
englischen Ausgabe der Reptilia, welche die gleiche Art unter dem neuen
Artnamen C. timorensis
beschrieben (McCord, W.
P., M. Joseph-Ouni & C. Hagen (2007): A New Species of
Chelodina
(Testudines: Chelidae) from Eastern Timor Island (East
Timor). – Reptilia (GB), Barcelona, 52: 53-57). Damit ist diese Art wohl
erst einmal dem gut gemeinten Schutz durch CITES Anhang II entzogen und den
Händlern und Geschäftemachern (man möchte fast zynisch anmerken
unter den Systematikern) sind die Türen geöffnet. Es scheint also
keinen anderen Ausweg zu geben, als dass sich die Vertreter der entsprechenden
wissenschaftlichen Fachgesellschaften sowie Politik und Tierschützer aktiv
um eine Lösung dieser auswuchernden und akut bestandsbedrohlichen Situation
annehmen. Wer sich Natur-, Artenschutz und Tierschutz auf der einen Seite auf
die Fahnen schreibt, sich auf der anderen Seite aber mit dieser Problematik
nicht ernsthaft auseinandersetzt, argumentiert scheinheilig und setzt, sofern es
sich um Wissenschaftler/innen handelt, den Anspruch der Wissenschaftlichkeit und
das Ansehen der Wissenschaft aufs Spiel. Siehe auch:
Minh, L. (2007): Conservation of turtles in
Vietnam: a survey of Cat Tien National Park. – Oryx 41 :544-547 oder
WiF-Archiv; Nijman, V. & C.
R. Shepherd (2007): Trade in non-native, CITES-listed, wildlife in Asia,
as exemplified by the trade in freshwater turtles and tortoises (Chelonidae) in
Thailand. – Contributions to Zoology 76 (3): 207-211 oder
WiF-Archiv; Stuart et
al. (2006): Scientific description can imperil species. Science 312: 1187;
Courchamp et al. (2006): Rarity value and species
extinction: The anthropgenic allee effct. – PLoS Biol. 4: e415 online und
Nature und Brook & Sodhi (2006): Rare species
have to cope not only with habitat loss, genetic bottlenecks and invasive
competitors, but also with a self-reinforcing cycle of human greed. This last
threat has now been dragged into spotlight. Nature 444: 555-557.
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