Wissenschaft im Fokus
Lawniczak, C. J. & M. A. Teece (2009):
Lipid Metabolism during Embryonic Development of the Common Snapping Turtle,
Chelydra serpentina. – Comparative Biochemistry and Physiology
– Part A Molecular and Integrative Physiology 153 (1): 73-80.
Lipidmetabolismus während der Embryoentwicklung bei
der Schnappschildkröte, Chelydra serpentina
Der Metabolismus (Stoffwechsel) von Fetten und Fettsäuren während der
Entwicklung des Embryos bei der Schnappschildkröte
Chelydra
serpentina wurde untersucht. Es traten erhebliche Veränderungen in der
Zusammensetzung bei den Lipidklassen (Fetttypen) und den Fettsäuren auf,
wenn diese aus dem Dotter zur Dottersackmembran transportiert wurden und von
dort aus zum Gehirn, den Augen, und den Lungen der Schlüpflinge
weitertransportiert wurden. Die Lipide wurden erst vor dem Transport im Dotter
hydrolysiert, was sich durch eine erhebliche Zunahme bei den Fettsäuren
zeigte, was besonders in der zweiten Hälfte der Entwicklungsphase erfolgte.
Docosahexaensäure (DHA) aus Triglyceriden wurde hauptsächlich zur
Bildung von Phospholipid-DHA (Zellmembranbestandteil) genutzt. In der
Dottersackmembran wurde selektiv Arachidonsäure eingelagert, während
das DHA der Membran in Triglyceride eingebaut wurde. Zudem konnte ein selektiver
Einbau von DHA und Arachidonsäure im Gehirn, den Augen und im Herz
beobachtet werden, was andeutet, wie wichtig diese Stoffe für die
Organentwicklung und -funktion sind. Der Gehalt von DHA und Arachidonsäure
in jedem Organ war geringer, weniger als 1 % des Gehalts im Dotter frisch
abgelegter Eier, sodass klar wird, dass eigentlich nur ein geringer Teil der
Lipide in die untersuchten Organe eingebaut wird. Wir diskutieren die
Unterschiede bezüglich der Mechanismen der Dotterlipidnutzung bei
Schildkröten im Vergleich zu den Daten, die für Vögel bekannt
sind.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Auch hier wieder eine Arbeit, die Grundlagenwissen zum Verständnis der
Entwicklung und des Stoffwechsels bei Schildkrötenschlüpflingen
schafft. Sicher, solch biochemische Arbeiten mögen für den
interessierten Laien auch interessant sein, obwohl sie eigentlich schon zu
speziell für eine direkte Anwendung in Bezug auf die Inkubation sind. Aber
dennoch sollten solche Arbeiten und zumindest das Verständnis dieser
Abläufe für die Veterinärmedizin von Interesse sein, denn auch
daraus lassen sich Schlüsse ziehen, die für die Diagnose und
Behandlung von Entwicklungsstörungen von Bedeutung sein können. Im
Grunde genommen waren es gerade solche biochemischen, physiologisch-chemischen
Grundlagen, die durch die Forschung erarbeit wurden, die es uns heute
ermöglichen, unsere humane Frühgeboren soweit medizinisch versorgen zu
können, dass sie überleben können. Insofern sollten
Tierärzte froh sein, dass es Entwicklungsbiologen gibt, die ihnen diese
Arbeit abnehmen und von deren Erkenntnissen sie eigentlich nur Nutzen ziehen
könnten, wenn sie sie denn einmal in die Ausbildung integrieren
würden. Siehe auch Ramsey, M. & D. Crews
(2009): Steroid signaling and temperature-dependent sex determination. –
Reviewing the evidence for early action of estrogen during ovarian determination
in turtles- Seminars in Cell and Developmental Biology 20 (3): 283-292 oder
WiF-Archiv; Leblanc, A. M.
& T. Wibbels (2008): Effect of daily water treatment on hatchling sex
ratios in a turtle with temperature-dependent sex determination. – Journal
of Experimental Zoology Part A: Ecological Genetics and Physiology 311 (1):
68-72 oder WiF-Archiv; Paitz,
R. T. & R. M. Bowden (2008): A proposed role of the
sulfotransferase/sulfatase pathway in modulating yolk steroid effects. –
Integrative and Comparative Biology 48 (3): 419-427 oder
WiF-Archiv; Moore, M. C. &
G. I. H. Johnston (2008): Toward a dynamic model of deposition and
utilization of yolk steroids. – Integrative and Comparative Biology 48:
411-418 oder WiF-Archiv.
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