Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 06.12.2009
Lazar, B., G. Lackovic, P. Casale, D. Freggi & N.
Tvrtkovic (2008): Histological validation of gonad gross morphology to
sex juvenile loggerhead sea turtles (Caretta caretta). –
Herpetological Journal 18 (3): 137-140.
Die histologische Validerung der Gonadenmorphologie zur
Geschlechtsbestimmung bei juvenilen Unechten Karettschildkröten
(Caretta caretta)
Meeresschildkröten zeigen geschlechtsspezifische Unterschiede erst im
Adultstadium, somit ist die Diagnose des Geschlechts bei Schlüpflingen und
Juvenilen schwierig und erfordert die Nutzung anderer Techniken, die in Bezug
auf den Grad der Genauigkeit und der Kosten sehr unterschiedlich sind. Um nun
das Geschlecht anhand der äußeren Morphologie der Gonaden zu
bestimmen, führten wir eine Validierung bei juvenilen Schildkröten
durch, wobei wir diese mit den Ergebnissen aus histologischen Untersuchungen bei
99 Unechten Karettschildkröten verglichen. Die juvenilen Schildkröten
hatten eine gebogene Carapaxlänge von 24,0 bis 69,0 cm und stammten aus der
Adria im zentralen Mediterranraum. Das Geschlecht wurde in 92,9 % von 99
Fällen richtig bestimmt. Die höchste Fehlerrate ergab sich für
Schildkröten mit einer Carapaxlänge unter 30,0 cm (33,3 %). Bei
Schildkröten mit einer CCL von 30,0-40,0 cm und 40,0-50,0 cm lag die
Fehlerrate niedrig (5,3 % und 6,7 %), während bei größeren
Tieren über 50,0 cm CCL keine Fehler vorkamen. Diese Ergebnisse zeigen,
dass die Gonadenmorphologie eine zuverlässige Methode zur
Geschlechtsbestimmung bei größeren Juvenilen ist, während wir
für jüngere Tiere unter einer CCL von 30 cm die histologische Methode
empfehlen.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Um eine histologische Untersuchung durchführen zu können braucht man
Gewebeschnitte, d. h. den Tieren muss Gonadengewebe für die Histologie
entnommen werden, oder die Tiere müssen getötet werden, um ihnen die
Gonaden für die histologische Untersuchung zu entnehmen. Ich weiß
nicht, wie es Ihnen geht, aber mir sträuben sich – gerade weil es
sich um bedrohte und geschützte Tiere handelt – die Haare. Fällt
unseren Ökologen wirklich nichts Besseres ein, oder sind sie nicht in der
Lage, über den Tellerrand ihrer eigenen Disziplin hinauszuschauen? Diese
hier untersuchten juvenilen Schildkröten sind nicht klein, da gäbe es
bessere und vor allem schonendere, sehr zuverlässige Methoden zur
Geschlechtsbestimmung, die auf alle Fälle mit dem Überleben dieser
geschützten Tiere vereinbar wären. Siehe Kommentare zu:
Delmas et al. (2008) im
WiF-Archiv und Hernandez-Divers et al. (2009) im
WiF-Archiv
Ich frage mich wirklich, welche Ethikkommission genehmigt im heutigen Europa
noch solche Tierexperimente! Ja, da würde ich selbst es auch keinem noch so
radikalen Tierschützer/in übel nehmen, wenn er/sie dagegen
protestiert.
Literatur
Delmas, V., A. C. Prevot-Julliard, C. Pieau & M.
Girondot (2008): A mechanistic model of temperature-dependent sex
determination in a chelonian: the European pond turtle. – Functional
Ecology 22: 84-93
Hernandez-Divers, S. J., S. J. Stahl & R.
Farrell (2009): An endoscopic method for identifying sex of hatchling
Chinese box turtles and comparison of general versus local anesthesia for
coelioscopy. – JAVMA – Journal of the American Veterinary Medical
Association 234 (6): 800-804.
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