Wissenschaft im Fokus
Les, H. L., R. T: Paitz & R. M. Bowden
(2009). Living at Extremes: Development at the Edges of Viable Temperature under
Constant and Fluctuating Conditions. – Physiological and Biochemical
Zoology 82 (2): 105-105.
Leben unter Extremen: Die Entwicklung am Rande
überlebensfähiger Temperaturen bei konstanten und fluktuierenden
Bedingungen
Bei der Zierschildkröte (
Chrysemys picta) und der
Rotwangenschmuckschildkröte (
Trachemys scripta) beeinflusst die
Temperatur, der die Eier während der Inkubation ausgesetzt sind,
vielfältige Eigenschaften der sich entwickelnden Embryonen. Wir testeten
die Auswirkungen von fluktuierenden versus konstanten
Inkubationstemperaturregimen am oberen und unteren Ende einer gerade noch mit
dem Überleben zu vereinbarenden Spanne der Entwicklungstemperatur, um die
Einflüsse des der Inkubationsumgebung auf die Entwicklung der Nachkommen zu
erfassen. Die Eier wurden vier Inkubationsregimen ausgesetzt: 23 °C konstant
und flukuierend, [Formel: siehe Text] und 31 °C konstant und fluktuierend
[Formel: siehe Text]. Wir erfassten die Inkubationsdauer, die
Überlebensrate der Schlüpflinge, das Wachstum, und die Immunfunktionen
mittels eines Verzögerten-Hypersensitivitätstests. Wir gingen davon
aus, dass fluktuierende Temperaturen um 23 °C die Entwicklung beschleunigen
und sie bei 31 °C verlangsamen würden und dass diese Unterschiede in
der Inkubationsdauer dazu führen würden, dass der Phänotyp der
Schlüpflinge Unterschiede aufweist. Wir fanden, dass fluktuierende
Inkubationsbedingungen die Entwicklungsgeschwindigkeit bei beiden
Temperaturextremen beeinflussen und dass die Überlebensrate, das Wachstum
und die Immunantwort bei den Schlüpflingen, die sich unter schwankendem
Temperatureinfluss entwickelten, gegenüber konstanten
Inkubationsbedingungen erhöht waren. Diese Ergebnisse belegen, dass
fluktuierende Temperaturen einen differenziellen Einfluss auf den Phänotyp
der Nachkommen haben, im Vergleich zu konstanten Temperaturen, und sie lassen
vermuten, dass die Fitness der Schlüpflinge bei Inkubationsbedingungen, die
relativ gut die natürlichen Bedingungen (auch Extreme) nachahmen,
gesteigert ist.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine sehr interessante Arbeit, die, auch wenn sie an nur zwei
Sumpfschildkrötenspezies durchgeführt wurde, grundlegende,
prinzipielle Fakten und Erkenntnisse über die Inkubationsbedingungen
liefert. Nicht selten hört man auch hierzulande von Züchtern, dass
manchmal in einem Jahr mehr so genannte Kümmerlinge unter den Nachzuchten
sind als in einem andern. Insofern auch hier ein klares Indiz, welche Rolle
neben der Kondition und Versorgung der Elterntiere (siehe
Craven, K. S., J. Parsons, S. A. Taylor, C. N. Belcher
& D. W. Owens (2008): The influence of diet on fatty acids in the egg
yolk of green sea turtles, Chelonia mydas
– Journal of
Comparative Physiology B – Biochemical Systemic and Environmental
Physiology 178 (49): 495-500 oder SiF 04/2008)
auch die Inkubationsbedingungen spielen können. Siehe dazu auch:
Du, W.-G., L.-J. Hu, J.-L. Lu & L.-J. Zhu (2007):
Effects of incubation temperature on embryonic development rate, sex ratio and
post-hatching growth in the Chinese three-keeled pond turtle, Chinemys
reevesii
. – Aquaculture (1-4): 747-753 oder
WiF-Archiv; Edwards, A. L & G.
Blouin-Demers (2007): Thermoregulation as a function of thermal quality
in a northern population of painted turtles Chrysemys picta
. –
Canadian Journal of Zoology - Revue Canadienne de Zoologie 85 (4): 526-535 oder
WiF-Archiv, Freedberg, S,
T.-J. Greives, M. A. Ewert, G. E. Demas, N. Beecher & C. E. Nelson
(2008): Incubation environment affects immune system development in a turtle
with environmental sex determination. – Journal of Herpetology 42 (3):
536-541 oder SiF 02/2009.
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