Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 09.05.2010
Long, C. T., R. B. Page, A. M. Howard, G. P. Mckeon & S. A. Felt (2010): Comparison of Gastrografin to
Barium Sulfate as a Gastrointestinal Contrast Agent in Red-Eared Slider Turtles (Trachemys scripta elegans). – Veterinary
Radiology & Ultrasound: 51 (1): 42-47.
Der Vergleich von Gastrografin und Bariumsulfat als gastro-intestinales Kontrastmittel bei
Rotwangen-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta elegans).
Rotwangen-Schmuckschildkröten (
Trachemys scripta elegans) entwickeln häufiger Darmverschlüsse. Da die
gastrointestinale Transportzeit (Darmpassagezeit) bei Schildkröten länger als bei Säugetieren ist, ist es oft schwer, eine
schnelle Diagnose eines Darmverschlusses zu stellen. Deshalb verglichen wir bei 15 Rotwangen-Schmuckschildkröten die Kontrastmittel
Gastrografin (R) oder 30 % w/v Bariumsulfat nach oraler Verabreichung, wobei die Passagezeit und die Imagequalität bewertet wurden.
Beide Kontrastmittel waren leicht zu verabreichen, allerdings musste Bariumsulfat wesentlich langsamer verabreicht werden (Durchschnitt=40
s) als Gastrografin (R) (Durchschnitt=20 s), damit kein Würgreflex ausgelöst wurde. Die durchschnittliche Passage- und
Ausscheidungszeit für Gastrografin (R) war mindestens um neun Stunden kürzer (schneller) als für Bariumsulfat in Bezug auf
alle Parameter mit Ausnahme der Transitzeit. Beide Kontrastmittel zeigten eine glatte uniforme Verteilung, die die Darmschleimhaut mit einem
sauberen Rand im Bereich des Magens und im proximalen Dünndarm abgrenzte. Ein Verdünnungseffekte führte dazu, dass
Gastrografin (R) auf seinem weiteren Weg durch den hinteren Dünndarm und das Colon nicht mehr so opaque war. Das vor der
Kontrastmittelverabreichung bestimmte Gepackte Zellvolumen (Hämatokrit) und die Gesamtserumproteine wurden bei vier der mit
Gastrografin (R) behandelten mit jenen verglichen, die man nach 24, 96 und 168 Stunden nach der Administration maß, und ebenso wurden
diese Werte mit denen von vier völlig unbehandelten Kontrolltieren verglichen. Weder das gepackte Zellvolumen noch die
Gesamtserumproteine der mit Gastrografin (R) behandelten Tiere unterschied sich signifikant von den Werten der Kontrollgruppe. Aus
klinischer Sicht zeigt sich, dass die Gabe von Gastrografin (R) schnellere Ergebnisse liefert, wobei es nur zu sehr geringfügigen
hämatologischen Veränderungen bei Rotwangen-Schmuckschildkröten kommt. Allerdings kann es sein, dass die Visualisierung
dieses Kontrastmittels im Bereich des hinteren Dünndarms und im Dickdarm zu gering ist, um eine genaue Diagnosestellung in diesen
Darmabschnitten zu ermöglichen.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Eine durchaus sinnvolle Untersuchung, die zumindest einige der unangenehmen Nebenwirkungen von Bariumsulfat bei Schildkröten umgehen
helfen könnte und die, zumindest was die vorderen Abschnitte des Verdauungstrakts anbetrifft, eine schnellere Diagnosestellung erlauben
würde. Hier müssen die Praktiker entscheiden, anhand welcher Symptomatik sich der Einsatz von Gastrografin R lohnt und klare
Vorteile gegenüber dem herkömmlichen Bariumsulfat liefert. Zumal Bariumsulfat bei der bei Schildkröten üblichen
längeren Darmpassagezeit die Darmschleimhaut aller Abschnitte des Verdauungstrakts nicht unerheblich austrocknen und schädigen kann.
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