Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 10.10.2010
Loy A., Cianfrani C. (2010):The ecology of Eurotestudo h. hermanni in a mesic area of southern
Italy: first evidence of sperm storage. – Ethology Ecology & Evolution 22(1): 1-16.
Die Ökologie von Eurotestudo h. hermanni in einem mittelfeuchten Areal im
südlichen Italien: Erste Beweise für die Spermaspeicherung.
Tages- und Jahresrhythmus, sowie die Aktivitätsmuster und das räumliche Verteilungsverhalten einer
E. hermanni hermanni
Population, welche in einem mesophilen (mittelfeuchten) Waldbiotop Süditaliens lebt, wurden per Telemetrie untersucht. Vier
Männchen und vier Weibchen wurden mit Transmittern ausgestattet und während der gesamten Aktivitätszeit überwacht. Die
tägliche Aktivität variierte in Bezug zur Jahreszeit sowie zum Tagesverlauf. Verstärkte Sonnenbadeaktivität wurde
besonders von Mai bis Juni und im September beobachtet während die Futteraufnahme im Juni wie auch im Oktober ein Maximum zeigte.
Paarungsverhalten konnte nur im Spätsommer beobachtet werden. Eiablagen erfolgten im späten Frühjahr, was nahelegt, dass die
weiblichen Tiere Sperma speichern. Die Größe der genutzten Habitate variierte bei weiblichen
E. hermanni hermanni
zwischen 1,0 und 3,3 Hektar während Männchen Habitate zwischen für 0,5 und 2,8 Hektar nutzten. Die „Homeranges“
von Weibchen und Männchen überlappen großräumiger als jene von männlichen mit gleichgeschlechtlichen
Schildkröten. Dies zeigt eine größere Toleranz gegenüber dem jeweils anderen Geschlecht. Schildkröten die
über die gesamte Aktivitätsperiode überwacht wurden zeigten ein „Homing“ Heimkehrverhalten bei der Auswahl ihrer
Überwinterungslokalitäten was bestätigt dass die Tiere ein exzellentes Orientierungsvermögen besitzen.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Hierbei handelt es sich um eine sehr schöne Arbeit die gute Einblicke in die Lebensweise dieser Schildkrötenpopulation liefert.
Obwohl die Arbeit nicht belegt wie und wo eine Spermaspeicherung erfolgt (z. B. Eileitertubuli oder in Form schon befruchteter Eier) so
belegt sie doch für diese Spezies, dass zwischen Kopulation und Eiablage zumindest eine Hibernationsperiode liegt.
Diese Arbeit zeigt dass
E. hermanni hermanni sich die geographische Lage ihrer Überwinterungshöhle und den Weg dorthin
einprägen können somit verfügen sie über ein Langzeitgedächtnis und auch die Fähigkeit sich im Gelände
gezielt zu orientieren. Will man die Orientierungs- und Gedächtnisleistung von Schildkröten unter Laborbedingungen experimentell
untersuchen, besteht die Frage welcher Anreiz (Stimulus) geeignet ist diese Leistungen nachvollziehbar zu zeigen.
Eventuell besteht ein Zusammenhang zwischen dem Verhalten und der Verfügbarkeit von Ressourcen. Bei unbegrenzter Verfügbarkeit
variabler Mikrohabitate mag ihr Verhalten ungerichtet und willkürlich erscheinen (das aufsuchen bestimmter Plätze ist unnötig
da die entsprechende Ressource wie Sonne, Schatten oder Wasserquelle überall zu finden ist) während mit zunehmendem Ressourcen
Rückgang (z.B.: im Jahresverlauf) auf bekannte Ressourcen zurückgegriffen werden muss.
Zudem beschreiben die Autoren, die Art als sozial da die Tiere gemeinsam in Höhlen hibernierten.
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