Wissenschaft im Fokus
Ludwig, M., M.
Auer & U.
Fritz (2007): Phalangeal formulae of geoemydid
terrapins (Batagur, Callagur, Hardella, Heosemys, Kachuga, Orlitia,
Pangshura, Rhinoclemmys) reflect distinct modes of life. –
Amphibia-Reptilia 28 (4): 574-576.
Die Zehenknochenformeln von Geoemydiden (Batagur,
Callagur, Hardella, Heosemys, Kachuga, Orlitia, Pangshura,
Rhinoclemmys) reflektieren deren distinkte
Lebensweise
Unter Verwendung von Röntgenbildern von den Vorder- und
Hinterfüßen von 133 geoemydiden Schildkröten mit neun
hauptsächlich aquatischen Spezies (Gattungen
Batagur, Callagur,
Hardella, Kachuga, Orlitia, Pangshura), vier aquatischen
Rhinoclemmys-Spezies, drei semiterrestrischen
Heosemys-Spezies, und drei terrestrischen
Rhinoclemmys-Spezies, bestätigten wir eine Korrelation zwischen
deren Lebensweisen und ihren Zehenknochenformeln. Terrestrische geoemydide Arten
tendieren dazu, Zehenknochen (Phalangen) oder ganze Fingerknochen (Digits) zu
verlieren, während die hochgradig aquatischen Spezies mit ihren stark
ausgeprägten Schwimmhäuten zwischen den Zehen die Gesamtzahl der
ursprünglichen Zehen- und Fingerknochen an Hinter- und Vorderfuß
beibehalten haben. Die Phalangenformeln der Spezies, die keine so
ausgeprägte Adaptation an aquatische Lebensweise zeigen und die nur
schwächer ausgebildete Schwimmhäute besitzen als die drei
semiterrestrischen Arten, nehmen eine intermediäre Stellung ein.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Auch wenn diese Studie nicht überraschen sollte, so zeigt sie doch sehr
schön, wie sich der morphologische Phänotyp den Umweltbedingungen
– sprich der Besiedlung der ökologischen Nischen – angepasst
hat. Daraus ergeben sich auch häufig die Schwierigkeiten für die rein
morphologische Systematik bei der Bewertung der Befunde. Denn es stellt sich die
Frage, wie hoch man den systematischen Wert des Fehlens ganzer Finger- bzw.
Zehenkochen einschätzt? Stellt man jene Spezies, denen sie fehlen, in eine
extra Gattung oder nicht, und was ist mit den Fossilfunden, bei denen man
vielleicht gar nicht alle Knochen und Carapaxteile zur Beurteilung vorliegen
hat? Siehe dazu auch Scheyer & Sander (2007):
Shell bone histology indicates terrestrial palaeoecology of basal turtles.
Proceedings: Biological Science 274 (1620): 1885-1893. oder
WiF-Archiv.
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