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Wissenschaft im Fokus

Veröffentlicht: 30.04.2017 Share it on Facebook


Marn, N., S. A. Kooijman, M. Jusup, T. Legović & T. Klanjšček (2017): Inferring physiological energetics of loggerhead turtle (Caretta caretta) from existing data using a general metabolic theory. – Mar Environ Res., 126: 14–25.

Rückschlüsse auf den physiologischen Energiebedarf bei der Unechten Karettschildkröte (Caratta caretta) anhand von vorhandenen Daten bei Anwendung einer allgemein gültigen Metabolismustheorie.


Die Unechte Karettschildkröte ist eine bestandsbedrohte Meeresschildkröte, die weite Strecken wandert und eine weltweite Verbreitung hat, wobei sie auffällig unterschiedliche Habitate während ihrer Lebenszeit aufsucht. Insbesondere die Umweltbedingungen wie Futterverfügbarkeit und Temperatur begrenzen den Erwerb und die Nutzung der verfügbaren Energie, die sich auf viele physiologische Prozesse wie Wachstum, Geschlechtsreife und Reproduktion auswirken. Diese physiologischen Prozesse bestimmen auf Populationsniveau die Überlebensrate, die Reproduktionsrate und letztendlich die Wachstumsrate einer Population einen der wichtigsten Schlüsselparameter für den Erfolg von Erhaltungsmaßnahmen. Als einen der ersten Schritte hin zu einem umfassenden Verständnis wie die Umwelt die Physiologie und den Lebenszyklus einer Unechten Karettschildkröte prägt, konstruierten wir ein Modell für den gesamten Lebenszyklus basierend auf den Prinzipien der Energiebeschaffung und Energienutzung im Rahmen einer Theorie für ein dynamisches Energiebudget (DEB). Wir adaptierten das Standard-DEB-Modell anhand von publizierten und unpublizierten Daten, um Parameterabschätzungen und Modellvorhersagen zu machen, die dann mit echten Daten verglichen wurden. Das Resultat war eine erfolgreich anwendbare mathematische Beschreibung zur Ontogenie (Entwicklung) und der Stadien des Lebenszyklus für Unechte Karettschildkröten. Einige Abweichungen zwischen dem Modell und den echten Daten kamen vor (wie ein früheres Erreichen der Geschlechtsreife und höhere Wachstumsraten nach dem Schlupf), die möglichen Ursachen für diese Abweichungen von den Vorhersagen werden sehr ausführlich diskutiert. Physiologische Parameter wie z. B. die Kapazität um Hungerphasen zu überstehen oder Abwägung zwischen Reproduktion und Wachstum sowie die Veränderungen des Energiebudgets während des gesamten Entwicklungsverlaufs konnten anhand des Modells abgeleitet werden. Die Ergebnisse liefern neue Einblicke in die Physiologie und Ökologie von Unechten Karettschildkröten, die zu neuen Ansätzen bei den Erhaltungsmaßnahmen für diese bedrohte Art führen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit ist sicher schwierig zu lesen, da es im Wesentlichen um die Etablierung und Evaluation dieses Energienutzungsmodells geht. Allerdings, die Daten sind wie ich finde schon interessant. So erfährt man zum Beispiel, dass ein Ei dieser Schildkröte etwa 210 KJ an Energie enthält und der Schlüpfling das Ei mit etwa 125 KJ einschließlich Dotterreserve im Darm verlässt. Die Energiemenge die noch in der Dotterreserve steckt zwingt ihn bis zum Tag 35 nach dem Schlupf seinen ersten Nahrungsgrund zu erreichen, falls er nicht schon vorher Nahrung findet. Zudem stecken die Weibchen bei einer Temperatur von 21 °C etwa 174 kJ pro Tag in die Reproduktion, also etwa so viel Energie wie sie für ein Ei brauchen. Die ausgewachsenen Weibchen nisten nur jedes zweite Jahr und legen dann aber 4–5 Nester mit bis zu über hundert Eiern ab. Insofern finde ich es schon interessant, wie man dieses Modell einsetzten kann, denn letztendlich hängen viele wesentliche Erhaltungsparameter von den vorhandenen Energie- sprich Nahrungsressourcen ab und hier bieten sich gute Ansätze wie wir durch einen sinnvolleren Umgang bei der Nutzung der Meere Erhaltungsmaßnahmen unterstützen können. Eigentlich ist es schade, dass solche Modelle zur Abschätzung des Ressourcenverbrauchs nicht für mehrere Arten zur Verfügung stehen. Denn auch für andere Schildkrötenarten und Tiere spielt das eine wichtige Rolle (siehe Kommentar zu Bertolero et al. 2007).

Literatur

Bertolero, A., D. Oro & A. Besnard (2007): Assessing the efficacy of reintroduction programmes by modelling adult survival: the example of Hermann's tortoise. – Animal Conservation 10 (3): 360–368 oder WiF-Archiv.




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© Michael Daubner 2017Schildkröten im Focus